Zum Hauptinhalt springen

Abschied von einer willensstarken Frau

In der Berner Heiliggeistkirche haben am Donnerstag rund 100 Trauergäste von Ruth Im Obersteg Geiser Abschied genommen.

Urs Baumann

Ruth Im Obersteg Geiser, die frühere Berner Gemeinderätin und erste Frau in der Stadtregierung, war am 27. Dezember im 94. Altersjahr verstorben. Die frühere Berner Gemeinderätin und erste Frau in der Stadtregierung war am 27. Dezember im 94. Altersjahr verstorben.

Nebst der Familie und Weggefährten erwiesen auch Politikerinnen und Politiker der Verstorbenen die letzte Ehre - unter ihnen Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät, Gemeinderat Alexandre Schmidt, die früheren Schuldirektorinnen Joy Matter und Edith Olibet sowie alt Regierungsrätin Leni Robert.

Die Pfarrerin würdigte das Leben einer eindrücklichen Frau und willensstarken Kämpfernatur, die in den 1940er Jahren als einige von wenigen Frauen Nationalökonomie studierte. Den Beruf der Handelslehrerin konnte Ruth Im Obersteg aber nicht ausüben, weil Mütter damals im Berufsleben noch nichts zu suchen hatten.

Nach ihrer Heirat zog sie vier Kinder auf und war während 20 Jahren Jahren Mutter und Hausfrau. Dabei engagierte sie sich im Berner Frauenstimmrechtsverein. Ihre Wahl in die Berner Stadtregierung 1970 war eine Sensation. Denn die BGB, die spätere SVP, hatte sie eigentlich nur aus wahltaktischen Gründen nominiert.

Erste Baudirektorin der Schweiz

Die Männer im Gemeinderat wollte der neuen Kollegin die Fürsorgedirektion zuschanzen, was Ruth Im Obersteg Geiser aber ausschlug. So wurde sie 1971 schweizweit die erste Frau, die eine städtische Baudirektion leitete. Von 1974-78 sass sie zudem im Grossen Rat.

Ruth Im Obersteg Geiser, die damals noch Geiser-Im Obersteg hiess, entfremdete sich zunehmend von ihrer Partei. Ihre Beziehung zum SP-Gemeinderat Kurt Schweizer - damals ein Politskandal - beschleunigte den Bruch. 1976 trat sie aus der SVP aus. Die Wiederwahl schaffte sie jeweils als Parteilose. 1984 trat sie zurück.

Auch im hohen Alter zeigte sich die frühere Politikerin - inzwischen Mitglied der von der SVP abgespaltenen BDP - immer noch stark am politischen Geschehen interessiert. Unbehagen bereitete ihr auch die Verhärtung des politischen Klimas und «die effekthascherische Politik der Angstmacherei» ihrer früheren Partei.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch