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Ab auf die Baustelle

BernRauf aufs Gerüst, rein ins düstere Betongerippe, auf einen Schwatz mit dem Polier: Zwölf Mädchen haben am Donnerstag die Grossbaustelle der Firma Losinger-Marazzi besucht.

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Graue Rohbauten und rote Kräne ragen in den nebelverhangenen Himmel. Vereinzelt eilen Bauarbeiter zwischen Betonwänden hin und her. Rundherum hämmert und lärmt es: Die Schülerinnen Camille Gante, Elisa Borcard und Aaliyah Porwolik verbringen ihren Zukunftstag auf dem Bau. Mit ihren Leuchtwesten, den grossen Helmen und Schutzbrillen sehen sie aus wie eine Expeditionsgruppe.

Die Männer sind hier deutlich in der Mehrzahl. Doch das soll sich ändern. «Seitenwechsel für Mädchen und Jungs» war das Motto des Zukunftstags (siehe Box). Tausende Kinder wurden dazu motiviert, einen Blick auf Berufsfelder zu werfen, in dem vor allem das andere Geschlecht arbeitet, und ihren Horizont bei der Berufswahl zu erweitern.

Eine kleine Expedition

Dass das Baugewerbe bereits heute keine reine Männerdomäne mehr ist, beweist die Grossbaustelle im Sommerrain in Ostermundigen. Hier hat mit Sylvie Caudron eine Frau das sagen.

Die Bauleiterin und andere Mitarbeiterinnen von Losinger-Marazzi begleiteten die interessierten Mädchen am Donnerstag gruppenweise durch den Zukunftstag.

Insgesamt zwölf Schülerinnen aus der Region Bern haben sich für den Tag bei der Firma angemeldet. Für viele ist es das erste Mal überhaupt, dass sie einen Fuss auf ein Baustellengelände setzten. Unter den Mitarbeiterinnen, welche die Mädchen durch den Tag begleiten, ist auch die 25-Jährige Lucie Blin-Bellomi. Nach dem Abschluss ihres Studiums in Frankreich und den USA kam sie als Bauingenieurin in die Schweiz. Am Zukunftstag leitet sie die «Expeditionsgruppe» von Aaliyah, Elisa und Camille.

Gemeinsam gehts zuerst rauf aufs Gerüst, dann rein ins düstere Innere des Betongerippes und schliesslich hinauf aufs Dach des grossen Rohbaus. Immer wieder stellt die junge Frau den Mädchen Fragen: «Wisst ihr, was das ist?», und deutet auf ein paar schwarze Schläuche, die von der Wand herabhängen. Sofort antwortet Elisa: «Das braucht man doch später für die Bodenheizung.» «Bravo. Das ist richtig», antwortet die überraschte Ingenieurin.

Arbeiten auf dem Bau?

Überhaupt sind die Fünft- und Sechstklässlerinnen äusserst aufgeweckt und interessiert an den Dingen, die es auf der «Expedition» so zu sehen gibt. Egal, ob Spritzbeton, Isolationsmaterial oder die Sicherheit des Kranführers – alles wird hinterfragt. Sie finde das gar nicht zuverlässig, erklärt Camille etwa und beäugt misstrauisch die Leiter, die der Kranführer jeden Tag rauf- und runtermuss, um an seinen Arbeitsplatz zu gelangen.

Den Mädchen stehen bei der Jobwahl viele Möglichkeiten offen. Nach erfolgreich abgeschlossener «Expedition» halten alle drei fest, dass sie sich vorstellen können, dereinst in diesem Metier zu arbeiten. Nur beim Jobprofil herrscht Uneinigkeit: «Wenn, dann nur als Architektin», sagt Aaliyah. Die anderen möchten genau das nicht: «Lieber etwas Handwerkliches – oder Malerin.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.11.2015, 19:11 Uhr

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