Aareschwumm: Nur auf dem Handy ein Spiel

Bern

Zum fünften Mal weist die Stadt Bern mit «Aare You Safe?» auf die Gefahren in der Aare hin. Ob die Kampagne was bringt, bleibt jedoch unklar.

Entlang der Aare machen Schilder auf die Kampagne aufmerksam­.<p class='credit'>(Bild: Nicole Philipp)</p>

Entlang der Aare machen Schilder auf die Kampagne aufmerksam­.

(Bild: Nicole Philipp)

Gemütlich schwimmt das Männchen in der blauen Badehose durch die Aare, weicht gekonnt einem Baumstamm und einem Strudel aus und sammelt dann ein Stück Melone ein, das auf der Wasseroberfläche treibt. Letzteres wird mit einem Piepsen quittiert, und die Energieanzeige am oberen linken Bildschirmrand füllt sich ein wenig auf.

Im neuen Handyspiel «Aare You Safe?» schlüpft man in die Rolle eines Aareschwimmers und muss einen Ausstieg aus dem Fluss finden, bevor die eigene Energie verbraucht ist. Um das richtige Energiemanagement geht es nicht nur in dem Spiel, das die «Aare You Safe»-Kampagne ­dieses Jahr ergänzt.

«Auch ein echter Schwimmer sollte seine Fähigkeiten richtig einschätzen können», sagt Bernhard Fleuti, Präsident der Sektion Bern der Schweizerischen Lebens­rettungs-Gesellschaft.

Keine messbaren Ergebnisse

Das Wort «Selbstüberschätzung» fiel am Dienstag gleich mehrfach, als die diesjährige «Aare You Safe»-Kampagne präsentiert wurde. «Auch gute Schwimmer können in der Aare schnell in Not kommen», meinte etwa Christoph Müller von der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Rund 50'000 Franken bezahlt die Stadt Bern dieses Jahr für Plakate, Postkarten, Broschüren und das Mobilspiel. Zum Vergleich: Als die Kampagne 2013 erstmals durchgeführt wurde, kostete sie noch rund 10'000 Franken.

«Wir sind heute viel sichtbarer als ­damals», rechtfertigt sich Thomas Jauch, Kommunikationsverantwortlicher der städtischen Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie. So sei man heute etwa auch in öffentlichen Verkehrsmitteln präsent. Bis 2020 sichert zudem ein Entschluss des Stadtrats den Fortbestand von «Aare You Safe».

Messbar sei der Erfolg der Kampagne jedoch nicht, räumt Bernhard Fleuti ein: «Die Anzahl Badeunfälle wird zwar festgehalten, diese hängt jedoch eher mit dem Wetter zusammen.» Etwa 50 Menschen ertrinken jedes Jahr in der Schweiz, etwa die Hälfte davon in einem Fluss – Tendenz steigend. Verantwortlich dafür sei das schöne Wetter: In einem warmen Sommer zieht es mehr Leute ins Wasser, und es kommt entsprechend zu mehr Unfällen. Ein Zusammenhang mit der Kampagne lasse sich hingegen kaum herstellen.

«Was wir aber feststellen, ist eine Veränderung im Verhalten der Menschen», so Fleuti. Die Leute würden viel häufiger über die Gefahren in der Aare sprechen und seien so auch vorsichtiger geworden.

Späte Schwimmkurse

Während sich Bernerinnen und Berner mittlerweile mit der Aare und ihren Gefahren relativ gut auskennen, komme es besonders bei Touristen aus dem In- und Ausland sowie bei Asylsuchenden oft zu Badeunfällen. Deshalb habe man mit «It’s Not a Game» auch bewusst ein englisches Motto gewählt.

Für Touristen werden heuer zum zweiten Mal auch Aareschwimmkurse ­angeboten, die zusammen mit der Tourismusorganisation Bern Welcome und dem Verein Stadtwellen durchgeführt werden. Das Problem: Sie finden relativ spät und nur viermal statt. Der erste Kurs ist am 21. Juli – wenn die ­Aaresaison längst begonnen hat.

«Die Daten wurden von uns bewusst so gesetzt», erklärt Bernhard Fleuti. Im Juni sei die Aare wegen des Schmelzwassers aus den Bergen viel zu unberechenbar, zudem käme es oft unerwartet zu Gewittern. «Deshalb gehen wir mit den ungeübten Schwimmern lieber erst im Juli ins Wasser», erklärt Fleuti.

Das empfiehlt er übrigens auch den Bernerinnen und Bernern; das warme Wetter möge zwar jetzt schon einladend wirken, «für einen langen Schwumm ist die Aare mit 14 Grad aber noch zu kalt». Besonders Ungeduldige können ja nun mit dem Spiel schon mal üben, Baumstämmen und Strudeln auszuweichen.

Berner Zeitung

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