Aareböötle für die Generation all-inclusive

Er bringt das Boot und die Verpflegung nach Thun und holt das Ganze in Bern wieder ab. Martin Huber bietet auf der Aare einen Rundumservice an.

Vorfreude beim Einwassern im Schwäbis: Martin Huber (rechts) vom Bootsverleih Gummiboot 3000 schickt seine Kundschaft auf die Reise. Vom Schwimmwesten- und Verpflegungsangebot wollten sie nicht Gebrauch machen.

Vorfreude beim Einwassern im Schwäbis: Martin Huber (rechts) vom Bootsverleih Gummiboot 3000 schickt seine Kundschaft auf die Reise. Vom Schwimmwesten- und Verpflegungsangebot wollten sie nicht Gebrauch machen.

Michael Bucher@MichuBucher

Es riecht nach Sonnencreme, ­gezuckerten Getränken und ­Zigarettenrauch. Aus tragbaren ­Musikböxli erklingt Gute-Laune-Musik. Vor der Rampe bei der Aare herrscht Hochbetrieb. Ein Boot nach dem anderen gleitet aufs Gewässer. Die Leute jubeln, lachen, prosten sich zu.

Willkommen an einem ganz normalen Sommertag im Schwäbis in Thun. Es ist nicht etwa Wochenende, nein, auch an einem Mittwochmittag reihen sich hier Heerscharen von Aareböötlern ein, um sich entspannt Richtung Bern treiben zu lassen.

Aus der populären Freizeitbeschäftigung hat sich ein stetig wachsendes Geschäftsfeld entwickelt. Bei der bekannten Einwasserungsstelle im Schwäbis etwa haben mehrere professionelle Bootsvermieter ihre Basis.

Nur ein kleiner Anbieter

Inmitten der Container der arrivierten Anbieter steht Martin Huber in Poloshirt, Shorts und Sandalen. Er ist der Neue auf dem Markt. Erst seit Anfang Juli mischt er als Einmannbetrieb unter dem Namen Gummiboot 3000 mit. Die Zahl 3000 sei eine Anlehnung an die Postleitzahl seiner Geburtsstadt Bern, wo er auch heute noch lebt.

Huber ist ein kleiner Player, dafür ein umso leidenschaftlicher. ­«Bereits als Kinder gingen ich und meine Cousins mit unseren Vätern auf Aarebootstour», schwärmt der 41-Jährige. «Die Mütter sorgten jeweils für die Verpflegung, fuhren uns nach Thun und holten uns in Bern ­wieder ab.»

«Ich will nicht das grosse Geschäft machen. Es ist mehr ein Ausgleich zu meinem ­Tankstellenjob.»Martin Huber

Heute übernimmt er den einstigen Part seiner Mutter. Denn exakt so definiert sich seine Geschäftsidee: Wer Lust auf eine Bootstour hat, muss nur Badekleidung und Sonnencreme mitnehmen, alles andere organisiert Martin Huber selber.

Er fährt das Boot aufgepumpt inklusive Schwimmwesten an den gewünschten Ort, bringt bei Bedarf Verpflegung mit und holt das Boot wieder ab. Ein Traum für die Generation all-inclusive, die auch mal ein Boot nach dem ­Gebrauch im Marzili liegen lässt.

Die Vorfreude in Thun

Es ist kurz vor 12 Uhr mittags. Die Aare ist 20,5 Grad warm und hat nur eine schwache Strömung. Vier Frauen und ein Mann aus Bern haben den Service von ­Martin Huber gebucht. Oberhalb der Einwasserungsstelle im Schwäbis erteilt der gelernte Koch der Gruppe Instruktionen, mahnt vor Gefahren und übergibt ein Papier mit Sicherheitsinfos.

Ausserdem wird vertraglich ein «Kapitän» bestimmt, der nach dem Einwassern die Verantwortung trägt. Bis auf eine Frau waren alle schon mal mit Gummiboot auf der Aare unterwegs. Nach den Formalitäten hüpfen die fünf ins geräumige Gefährt und legen ab. Martin ­Huber winkt hinterher.

Ausser ein paar Getränken musste er für seine jüngste Kundschaft nichts mitnehmen, für Verpflegung hat diese selber gesorgt. Ganz anders vor zwei Wochen, wie Huber auf der Rückfahrt nach Bern erzählt. Da kam eine Gruppe aus Zürich. Für diese strich er Sandwichs, kredenzte einen griechischen Salat, besorgte ­Getränke und sogar einen Minigrill. Erst um 19.30 Uhr nahm er die begeisterte Truppe in Bern wieder in Empfang. «Die wollten gar nicht mehr aussteigen», lacht er.

Martin Huber hat sich für ­seinen Bootsverleih ein neun- und ein elfplätziges Boot angeschafft. Über kleinere verfügte er bereits. Eine 11er-Gruppe zahlt für die Bootsmiete 290 Franken. Die Verpflegung – falls erwünscht – kostet extra.

Was dem passionierten Aareböötler zugute kommt, ist sein eigentlicher Job. Seit November führt Huber eine Tankstelle im Berner Weissenbühlquartier. Denn in der dortigen Garage hat er genügend Platz für seine Boote. Auch für Verpflegungswünsche muss er so nicht auf lange Shoppingtour.

Freudestrahlend in Bern

«Ich will nicht das grosse Geschäft machen», stellt Martin Huber klar. «Es ist mehr ein Ausgleich zu meinem Tankstellenjob.» Gut gelaunte Menschen in heller Vorfreude auf die Aare zu entlassen und gegen Abend mit einem Strahlen auf dem Gesicht wieder einzusammeln, das sei es, was ihn erfülle.

«Ich habe doch nur das Boot gebracht. Den Rest besorgt die herrliche Natur rund um Bern.»Martin Huber

Im Verlaufe des Nachmittags erhält Martin Huber einen Anruf von seinen Kunden. Diese nähern sich gerade dem Marzili. Er steigt in seinen Wagen und fährt zum vereinbarten Treffpunkt. Um 16.30 Uhr empfängt der Aarebootsverleiher die Ausflügler beim Ausstiegspunkt unter der Monbijoubrücke.

Trotz ein wenig Regen in Münsingen ist die Stimmung bei den Aareböötlern ausgelassen. Sie bedanken sich überschwänglich. «Ich habe doch nur das Boot gebracht», sagt Martin Huber und grinst, «den Rest ­besorgt die herrliche Natur rund um Bern».

Berner Zeitung

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