Zwei Jahre im Rat und schon Präsidentin

Zollikofen

Im Parlament von Zollikofen sitzt mit Petra Spichiger (SP) dieses Jahr eine Lehrerin auf dem Präsidentenstuhl. An ihrer ersten Sitzung am Mittwoch muss sie zu ihrer eigenen Motion schweigen.

Petra Spichiger (SP) ist 2015 höchste Zollikoferin.

Petra Spichiger (SP) ist 2015 höchste Zollikoferin.

(Bild: zvg)

Frau Spichiger, Sie sind im Präsidium des Grossen Gemeinderates die dritte Frau in Folge. Offensichtlich sind die Männer mit den Frauen zufrieden?Petra Spichiger-Rölli: Ich gehe davon aus. Sonst hätte ja jemand vor der Wahl einen Gegenvorschlag machen können.

Sie sind erst seit zwei Jahren im Parlament. Trauen Sie sich das Amt zu? Ja. Als ich angefragt wurde, ob ich es machen würde, sagte ich mir: Sitzungen leiten, das kann ich. Als Präsidentin der Pfadi Kanton Bern führte ich durch Versammlungen mit 100 Delegierten.

Läuft es im GGR Zollikofen so, wie Sie es sich wünschen? Nach meinem Gefühl wird seit zwei Jahren mehr Sachpolitik gemacht als vorher. Damals habe ich als Zuschauerin erlebt, dass Personen direkt angegriffen wurden. Natürlich wünsche ich mir, dass die SP mit ihren Anliegen öfter durchkommt. Aber Niederlagen muss man in der Politik verkraften können.

Einer Ihrer Grundsätze stammt vom Pfadigründer Baden-Powell. Auf den GGR angewandt, hiesse er: Lass das Parlament besser zurück, als du es angetroffen hast. Was wollen Sie ändern? Der Spielraum für Veränderungen ist nicht gross. Seit den letzten Wahlen hat sich die Parteienlandschaft verändert. Deshalb würde ich die heutige Regelung, wie das Ratspräsidium an die Parteien verteilt wird, anpassen.

Im GGR wie im Gemeinderat haben die Bürgerlichen die Mehrheit. Könnte dies für Sie als SPlerin im Präsidentenamt zum Problem werden? Ich denke nicht. Ich bin akzeptiert im Rat und kann nach der Sitzung auch mit bürgerlichen Kollegen ein Bier trinken. Ausserdem äussere ich mich im Präsidialjahr nicht zu politischen Inhalten.

Gerade heute, an Ihrer ersten Sitzung, wird Ihre Motion zum Gratiseintritt in der Badi behandelt. Müssen Sie in den Ausstand treten? Nein, aber die Motion wird von einem (einer) Mitunterzeichner(-in) der SP vertreten. Zur Sache spreche ich nicht.

Dürften Sie überhaupt? Ich dürfte, wenn ich mich vom Vizepräsidenten vertreten liesse. Das will ich an meiner ersten Sitzung aber nicht.

Haben Sie als höchste Zollikoferin noch Zeit für Ihre Hobbys Lesen, Kochen und Nähen? Es muss sein, diese Zeit nehme ich mir. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Präsidentenamt sehr viel mehr Arbeit mit sich bringt. Als Lehrerin kommt mir zugute, dass ich am Mittwochnachmittag nicht unterrichte. Dann kann ich jeweils die Sitzungen vorbereiten.

Berner Zeitung

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