Zum Wohnen nicht geeignet, als Park aber durchaus

Bern

Ein Teil des Bremgartenfriedhofs soll ein Quartierpark werden. Vorbild ist Bümpliz, wo der Übergang zwischen öffentlich genutzter Zone und Friedhof schon heute fliessend verläuft.

Hinter der privaten Gärtnerei im unteren Bereich des Bremgartenfriedhofs plant die Stadt Bern einen Quartierpark.

Hinter der privaten Gärtnerei im unteren Bereich des Bremgartenfriedhofs plant die Stadt Bern einen Quartierpark.

(Bild: Andreas Blatter)

Christoph Hämmann

Die Stadt Bern will Platz für mehr Bewohnerinnen und Bewohner schaffen und gleichzeitig Sorge zu ihren Grünanlagen tragen. Wo dies möglich sei, solle die «grüne Infrastruktur» sogar ausgebaut werden, um das Wachstum der Stadt zu unterstützen, sagte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) letzte Woche, als die Stadtregierung ihre Legislaturziele präsentierte. Möglich sei ein solcher Ausbau etwa im Bremgartenfriedhof, so Wyss: «Ein Teil des Friedhofs soll in einen Quartierpark umgewandelt werden.»

Bümpliz als Vorbild

Als Vorbild dient der Friedhof in Bümpliz. Seit dessen Erweiterung vor knapp zwanzig Jahren zieren ihn Skulpturen des Huttwiler Künstlers Schang Hutter. «In Bümpliz ist der Übergang zwischen öffentlich genutztem Park und Friedhof fliessend», sagt Wyss. «Mit Hutters Skulpturen ist die Erweiterung sehr filigran und feinfühlig gestaltet worden.»

Auf der Website der Stadt Bern wird dem Friedhof im Westen ganz offiziell ein multifunktionaler Charakter zugeschrieben: «Nebst seiner Funktion als Ort der Trauer und der Ruhe erfüllt der Friedhof Bümpliz auch eine wichtige Rolle als grüne Lunge des durch Hochhäuser geprägten Berner Vororts», heisst es da.

Friedhöfe zur Erholung

Beim neusten Vorhaben geht es konkret um jenen Abschnitt am Rand des Bremgartenfriedhofs an der Ecke Friedbühl-/Weyermannsstrasse, auf dem heute eine private Gärtnerei steht. Gräber hatte es hier auch früher nie. «Gleich dahinter sind neue Urnenthemengräber geplant», sagt Wyss. Weil diese weniger streng angeordnet seien als traditionelle Grabsteinreihen, erhalte der Friedhof dort bereits «halben Parkcharakter». Und ohnehin, ergänzt Wyss, würden Friedhöfe schon heute zur Erholung genutzt.

Hintergrund der veränderten Nutzung der städtischen Friedhöfe ist ein Wandel in der Art der Bestattung. Über die Jahre ist der Anteil der Bestattungen in Einzelgräbern kontinuierlich zurückgegangen. Immer häufiger werden Verstorbene kremiert und die Urnen in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt. «Deshalb braucht es auf Friedhöfen heute eher weniger Platz als früher», erklärt Gemeinderätin Ursula Wyss.

Kaum einer will dort wohnen

Konkret geplant sei auf dem Bremgartenfriedhof noch nichts, betont die Gemeinderätin. «Stand heute ist das Projekt nicht mehr als das Versprechen, dass wir uns in den nächsten drei Jahren intensiv darum kümmern», so Ursula Wyss.

In absehbarer Zukunft kein Thema ist es laut Wyss, Teilflächen auf Friedhöfen für Wohnzwecke umzunutzen. Vor gut drei Jahren hatte der Gemeinderat noch ausweichend beantwortet, ob er sich vorstellen könne, einen Teil der ungenutzten Flächen als neuen Wohnraum zu planen.

Es gelte, die Bedürfnisse der Friedhofnutzung mit den Gesamtinteressen der Stadt abzuwiegen, hiess es. Für Wyss ist aber klar: «Der Immobilienmarkt liefert uns Hinweise, dass es eher unbeliebt ist, am Rand eines Friedhofs zu wohnen.»

Berner Zeitung

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