Zukunft des Infozentrums Eichholz ist ungewiss

Eichholz

Es ist eine Naturidylle an der Aare. Über 5000 Personen haben das Info­zentrum Eichholz letztes Jahr besucht. Doch die Verantwortlichen sorgen sich um dessen Zukunft.

«Ein Jahr könnten wir wohl ohne Gemeindebeiträge noch weiterwursteln»: Nicolas Dussex, Geschäftsführer im Infozentrum Eichholz.

«Ein Jahr könnten wir wohl ohne Gemeindebeiträge noch weiterwursteln»: Nicolas Dussex, Geschäftsführer im Infozentrum Eichholz.

(Bild: Andreas Blatter)

Lucia Probst

Zur Eröffnung im Mai 2011 durchnagten sie in Bibermanier ein Rüebli. Jetzt fürchten die Verantwortlichen des Infozentrums Eichholz, in den sauren Apfel beissen zu müssen. Wenn sich keine neue Lösung findet, wird ihnen ab 2018 die finanzielle Unterstützung der Gemeinde fehlen. «Ohne diese müssten wir unser Angebot überdenken», sagt Nicolas Dussex. Der Biologe ist in einem 40-Prozent-Pensum als Geschäftsführer des Infozentrums an der Aare angestellt.Besonders beliebt sind die jährlichen Ausstellungen, die einem Tier gewidmet sind: Der Biber war schon Thema, letztes Jahr der Fischotter. Dieses Jahr wird ab Mai eine Ausstellung zur Fledermaus zu sehen sein.

In den ersten Jahren flossen jeweils 24'000 Franken von der Gemeinde ins Infozentrum. Dieses und letztes Jahr waren es gar 34'000 Franken. Ein stattlicher Betrag im Gesamtbudget des Zentrums, das bei jährlich rund 160'000 Franken liegt. Eigentlich war gar nie vorgesehen, dass die Gemeinde den Betrieb unterstützt. Doch dank Subventionsgeldern des Kantons war das bis jetzt möglich. Ab 2018 soll damit Schluss sein. Weiterhin zur Verfügung stellen wird die Gemeinde die alte Fischzucht als Gebäude.

Politiker mobilisiert

Nun mobiliseren Dussex und seine Mitstreiter für ihre Sache. Eine Gruppe von Parlamentsmitgliedern aus Wabern setzt sich inzwischen mit einem Vorstoss für das Infozentrum ein. Sie verlangt, dass die Gemeinde dieses für weitere sechs Jahre mit 35'000 Franken jährlich unterstützt. «Es ist uns wichtig, dass man unsere Zukunft zumindest auf politischer Ebene diskutiert», sagt Dussex. Er kennt aber auch den Sparkurs der Gemeinde. «Wir haben Respekt, weil es derzeit bei vielem heisst, man könne es sich nicht mehr leisten.»

«Es ist uns wichtig, dass man unsere Zukunft zumindest auf politischer Ebene diskutiert.»Nicolas Dussex, Geschäftsführer Infozentrum Eichholz

Der Gemeinderat habe immer klar gesagt, dass es keine weitergehende Finanzierung geben solle, sagt die Könizer Gemeinde­rätin Rita Haudenschild (Grüne). Doch nun zeige sich, dass sich insbesondere die Basisarbeit des ­Geschäftsführers kaum anders ­finanzieren lasse. «Wenn die Gemeinde das Zentrum nicht weiterhin mitfinanziert, wird es schwierig.»

Haudenschild hat das Projekt vor ein paar Jahren mitinitiiert und begleitet es selbst mit viel Herzblut. «Es ist auf jeden Fall in meinem Sinn, dass es sich in der heutigen Art weiterführen lässt», sagt sie. Das Infozentrum sei «ein wertvolles Bijou». Der Spardruck sei zwar da, doch ist Haudenschild optimistisch, «dass sich ein Kompromiss finden lässt». Darüber diskutiert hat der Gesamtgemeinderat aber noch nicht.

Als Ort beliebt

Nicolas Dussex hofft auf den weiteren Support. Denn der Betrieb im Zentrum läuft gut: 60 Anlässe wurden letztes Jahr durchgeführt, rund 5300 Personen haben das Infozentrum besucht. 56 Freiwillige haben sich für dieses engagiert. Auch die Mitgliederzahl des Trägervereins hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt, derzeit sind es rund 260.

«Ein Jahr könnten wir wohl ohne Gemeindebeiträge noch weiterwursteln», sagt Dussex. Dann aber müsste man eine neue Lösung haben. Will die Gemeinde das Infozentrum nicht weiter unterstützen, sieht Dussex zwei Möglichkeiten: «Entweder wir schränken unser Angebot massiv ein, oder wir finden einen neuen Partner.» Das könnte zum Beispiel eine Naturschutzorganisation sein.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt