Zürcher Firma bekocht Berner Kitas

Während eines Versuchsjahres beliefert ein Zürcher Unternehmen elf Berner Kitas mit Essen. Die Mahlzeiten werden in Zürich vorgekocht. Berner Firmen hätten die geforderten Kriterien nicht erfüllen können, rechtfertigt sich der Gemeinderat.

Im Rahmen des ilotprojekts wird geprüft, ob ein flächendeckendes Mahlzeiten-Catering für die Stadt Bern in Frage kommt.

Im Rahmen des ilotprojekts wird geprüft, ob ein flächendeckendes Mahlzeiten-Catering für die Stadt Bern in Frage kommt.

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In elf Stadtberner Tagesstätten und Tagesschulen soll ein einjähriger Pilotversuch mit einer Zürcher Cateringfirma gestartet werden. Dies teilte der Gemeinderat gestern mit. Die städtische Beschaffungskommission hat dem Cateringunternehmen Menu and More AG den Zuschlag erteilt. Auch wenn es sich vorerst nur um einen Versuch handelt, wird Kritik laut: Wieso eine Zürcher Firma, welche die Mahlzeiten in Zürich vorkocht?

Kritik wegen Auslagerung

Wenig begeistert von den Plänen sind die betroffenen Institutionen. Der emotionale Bezug zum Essen müsse unbedingt erhalten bleiben, und dies könne nur mit den bestehenden Küchen erreicht werden, schrieb die Konferenz der Tagesschulleitungen in einer gemeinsamen Stellungnahme im Juni. Ausserdem würden eigene Produktionsküchen einen wichtigen Beitrag zu einem gesunden Essverhalten leisten. Die Küchen seien Herz und Seele der Tagesschulen.

Unterstützung erhalten die Schulleitungen von SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat. «Sparen bei den Kleinsten» laute die Devise des Gemeinderats, kritisiert Beuchat. «Die Köchinnen und Köche der Tagesschulen sind Bezugspersonen für die Kinder.»

Ist das ökologisch?

Die Herstellung der Mahlzeiten erfolgt im Cook-and-Chill-Verfahren. Dabei werden die Mahlzeiten in einer Zentralküche in der Stadt Zürich zubereitet und rasch auf vier Grad abgekühlt. Anschliessend werden die Mahlzeiten in die Betreuungsinstitutionen geliefert und kurz vor dem Essen wieder aufgewärmt.

«Es wäre auch mein Traum, wenn man in allen Kitas selber kochen könnte», sagt die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB). Dann müsste man sie aber nachrüsten. «Eine neue Produktionsküche kostet bis zu 500'000 Franken. Uns stellt sich die banale Frage, ob wir die Investitionen, die uns gemäss städtischer Finanzplanung zustehen, in Schulraum, Turnhallen oder Produktionsküchen investieren.»

Teuscher macht keinen Hehl daraus, dass sie lieber ein Cateringunternehmen aus der Region Bern hätte. «Das wäre ökologischer.» Bei der öffentlichen Ausschreibung habe aber offenbar kein Berner Unternehmen mithalten können. «Gemäss Beschaffungswesen darf man das lokale Gewerbe nicht bevorzugen.» Auch die Produkte kommen im Testjahr aus Zürich. Teuscher verspricht, sie werde die Zeit nutzen, um mit regionalen Unternehmen das Gespräch zu suchen.

Entscheid ist noch offen

Derzeit stellen die meisten Tagesschulen und Tagesstätten ihre Mahlzeiten selber her. Durch das Catering erhofft sich der Gemeinderat Sparmöglichkeiten. Die heutigen Kosten für die Mahlzeiten werden nur teilweise durch die Elternbeiträge gedeckt: Sie bezahlen 8 Franken, die Mahlzeiten kosten aber 12 bis 14 Franken. Franziska Teuscher sieht drei Möglichkeiten: «Entweder müssen wir das Essen weiter subventionieren, 2012 waren das rund 1,6 Millionen Franken.

Oder wir erhöhen die Elternbeiträge, was ich als unsozial erachte. Oder wir schauen mit dem Pilotprojekt für das Catering, ob man bei den Produktionskosten sparen kann.» Sie betont, dass der Pilotversuch kein vorgezogener Entscheid für oder gegen eigenes Kochen sei. «Wir wollen jetzt in erster Linie Erfahrungen sammeln.» Den Entscheid über das weitere Vorgehen fälle der Gemeinderat erst, wenn der Pilotversuch ausgewertet sei. Am Pilotversuch beteiligen sich diejenigen elf städtischen Betreuungsinstitutionen, welche sich bereits heute ihre Mahlzeiten liefern lassen.

Diese Tagesstätten und Tagesschulen nehmen am Catering-Versuch teil: Tagi Kleefeld, Kita/Tagi Holenacker, Tagi Murifeld, Kita Ausserholligen, Kita Weissenstein, Tagesschule Rossfeld, Tagesschule Muesmatt, Tagesschule Marzili, Tagesschule Sulgenbach, Tagesschule Bitzius, Tagesschule Munzinger. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2014, 06:39 Uhr

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