Wohnen über der Autobahn: Investoren haben Interesse

Bern

Der Architekt Hansruedi Bolliger will die Autobahn beim Bremgartenwald überdecken und Wohnungen darüber bauen. Das Projekt stösst auf Interesse bei Generalunternehmern. Der Ball liege aber bei den Planungsämtern.

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Benjamin Bitoun

Statt knappes Bauland einzuzonen oder Wald zu roden, will der pensionierte Architekt Hansruedi Bolliger die Berner Wohnungsnot dort entschärfen, wo bereits asphaltiert wurde: auf der sechsspurigen Autobahn beim Bremgartenwald. Bis zu 1650 Wohnungen könnten hier laut Bolliger in einer ersten Bauetappe entstehen.

Das Projekt des Thuners mutet futuristisch an: Windkraftwerke, Solarzellen und die optimale Ausrichtung zur Sonne machen die Wohnungen energieeffizient. Der Autobahndeckel schluckt den Strassenlärm, die Abgase können zum Heizen wiederverwendet werden. Zudem erlaubt die selbsttragende Konstruktion, hoch und damit wirtschaftlich zu bauen.

Interesse an Zusammenarbeit

Bau- und Umweltingenieure bescheinigen Bolligers Projekt Alltagstauglichkeit – doch was halten Generalunternehmer und mögliche Investoren davon? «Aus meiner Sicht sind die Ideen von Herrn Bolliger sehr interessant», sagt Daniel Bösiger, Leiter Immobilien bei der Marti AG. «Falls sich diese Idee konkretisieren und rentabilisieren lässt, sind wir an einer Zusammenarbeit sehr interessiert.»

«Eine clevere Idee»

Ähnlich tönt es bei der Frutiger-Gruppe: «Wir haben mit Herrn Bolliger Gespräche geführt», bestätigt Jürg Wanzenried, Leiter Immobilienentwicklung bei der Frutiger AG. «Eine clevere Idee.» Generell sei Frutiger am Thema der Autobahnüberdachung interessiert, da es der Idee des verdichteten Bauens Rechnung trage.

Zentral dabei sei der Standort: «Wir sind sicher, dass eine Autobahnüberbauung nur dort wirtschaftlich sein kann, wo Bauland knapp und der Bedarf an Wohnungen hoch ist», sagt Jürg Wanzenried.

Planungsamt am Drücker

Damit Bolligers Vision konkret werden könne, sei eine Projektentwicklung mit städtebaulichen und planungsrechtlichen Massnahmen erforderlich, sagt Wanzenried.

Der Lead liege primär bei der öffentlichen Hand, insbesondere bei den Planungsämtern. «Wir hoffen, dass die urbanen Gemeinden den Ball aufnehmen.» Das Projekt Westside habe gezeigt, dass man mit innovativen Ideen neue, hochwertige Lebensräume schaffen könne.

Altendorf zeigt, wie es geht

Eine Gemeinde im Kanton Schwyz hat getan, was Hansruedi Bolliger vorschwebt: 2003 wurde in Altendorf die A3 auf 500 Metern überdacht. Dort, wo die Autobahn das Dorf früher in zwei Hälften schnitt, stehen heute Häuser und ein Sportplatz. Investor der 45 Millionen Franken teuren Überbauung war die Suva.

Auch in Freiburg ist die Idee, zwischen den Anschlüssen Freiburg-Nord und Freiburg-Süd ein Stück der A12 zu überdachen, wieder ein Thema. Jean-Daniel Wicht, Direktor des Freiburgischen Baumeisterverbands und Grossrat, sagte vergangene Woche gegenüber Radio SRF, es gebe interessierte private Investoren. Wenn aufgrund einer Autobahnüberdachung rund 50'000 Quadratmeter Land überbaubar würden, seien Wohnbauprojekte mit einem Wert von 200 Millionen Franken und mehr möglich. Das Kantonsparlament hat nun den Freiburger Staatsrat damit beauftragt, ein entsprechendes Projekt voranzutreiben und mit dem Bundesamt für Strassen Astra das weitere Vorgehen zu besprechen. Dieses habe sich offen gezeigt für eine Partnerschaft. Astra bietet Hand

Auf Anfrage signalisiert das Astra auch im Fall einer Autobahnüberbauung beim Bremgartenwald Zustimmung – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. So müssten etwa die Bauarbeiten so ausgeführt werden, dass keine wesentlichen Verkehrsbehinderungen verursacht würden.

Zudem müssten die Finanzierung des Bauvorhabens und der Anteil an die Unterhalts- und Betriebskosten für die nächsten dreissig Jahre vorgängig gesichert sein.

Berner Zeitung

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