Wo die Lehrer lehren lernten

1000 Kinder und Jugendliche nahmen am Dienstag am Erlebnistag der Pädagogischen Hochschule Bern teil. In verschiedenen Workshops wurden sie für einen Tag zu Studenten.

Wer ist schneller? In der physikalischen Spielecke erforschen die Kinder verschiedene Phänomene.

Wer ist schneller? In der physikalischen Spielecke erforschen die Kinder verschiedene Phänomene.

(Bild: Beat Mathys)

Jeder einzelne Platz im grössten Hörsaal der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern ist besetzt. Ein Blick durch die Reihen genügt, damit man sieht, dass etwas nicht stimmt. Dort sitzen keine Studenten, die auf den Beginn der nächsten Vorlesung warten. Dort sitzen Kinder und Jugendliche. Sie sind zu Besuch im Schulhaus der Lehrer, um den Unterricht für einmal von einer anderen Seite kennen zu lernen. In ein paar Minuten wird Rektor Martin Schäfer sie begrüssen.

Die PH Bern feiert heuer ihr 10-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass hat sie Kindergarten- und Schulklassen aus dem ganzen Kanton Bern zu einem Erlebnistag eingeladen. Dozenten und Studenten der Hochschule gewähren den jungen Gästen anhand von Workshops einen Einblick in die verschiedenen Fachgebiete.

Programmieren für Kinder

Nach der Rede des Rektors strömen die Klassen aus dem Hörsaal. Sie begeben sich nun auf den Weg zu ihrem ersten Workshop. Da rund 1000 Kinder und Jugendliche in Begleitung ihrer Lehrkräfte auf dem Areal der PH unterwegs sind, kommt es in den Gängen zu einem Stau. «Die Studenten, die nicht als Guide aushelfen, haben frei. Sonst wäre es zu ernsthaften Platzproblemen gekommen», sagt Stefan von Wyl. Er ist Leiter des Ressorts Hochschulentwicklung und hat bei der Organisation des Erlebnistages mitgeholfen. «Die Einladung ist auf ein riesiges Echo gestossen, deshalb kann nur eine begrenzte Anzahl an Klassen teilnehmen», so von Wyl weiter.

Gaby Zahnd und ihre Zweitklässler sind aus Schwarzenburg angereist. Am Vormittag belegen sie den Kurs «Technik und Programmieren auf der Vorschul- und Primarstufe». In Teams sitzen die Kinder vor einem Computer und versuchen einen Legoroboter zum Leben zu erwecken. Damit sie dies schaffen, müssen sie selbst ein passendes Computerprogramm schreiben. Dafür stellt die PH den Schülern eine vereinfachte Software zur Verfügung.

Die Legoteile sind schnell zusammengesetzt, beim Programmieren brauchen die Kinder jedoch etwas Hilfe von den Studenten. Plötzlich fangen die Roboter an, sich zu bewegen und Fussbälle zu kicken. Die Zweitklässler sind begeistert. «Jetzt will ich etwas programmieren!», ruft ein achtjähriger Junge. Beim zweiten Versuch wissen die meisten bereits, was sie zu tun haben. Nach ein paar Stunden entstehen im Klassenzimmer sogar lebendige Legotorwärter.

Inspiration für Lehrkräfte

Während sich die Zweitklässler aus Schwarzenburg mit moderner Technik auseinandersetzen, geht es ein paar Türen weiter ganz anders zu und her. Dort hat nämlich das Schulmuseum Bern ein Klassenzimmer wie zu Urgrossmutters Zeiten eingerichtet. Die Schülerinnen und Schüler unternehmen eine Zeitreise in die Vergangenheit und lernen das Alphabet der alten deutschen Kurrentschrift auf einer Schiefertafel schreiben. Auch die jungen Physiker kommen am Erlebnistag nicht zu kurz.

Wer das Rahmenprogramm «Physikalische Spielecke» besucht, kann vor allem experimentieren. «Die Kinder sollen Gefallen an den physikalischen Phänomenen finden, und das geht nur, wenn sie diese selbst sehen», sagt Stefan von Wyl. Die Workshops sind fast alle auf die Praxis ausgerichtet. «Viele Lehrer fokussieren sich zu stark auf den theoretischen Teil der Bildung», so von Wyl.

Der Erlebnistag ist nicht nur das Geburtstagsfest der Pädagogischen Hochschule, sondern auch eine Inspiration für die Lehrerinnen und Lehrer. Sie sollen neue Ideen für den Unterricht sammeln können.

Berner Zeitung

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