«Wir haben immer noch Angst, dass keiner ans Konzert kommt»

Bern

Vor gut einem Jahr tauften Yokko ihr Debut-Album im Bierhübeli in Bern. Aus zwei bis drei erhofften Konzerten wurden über 50 Shows. Die Gewinner des «Best Talent» am Swiss Music Awards 2014 beenden ihre fulminante Tour am Freitag in der Turnhalle.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Kurz vor Tourschluss habt ihr nochmals einen richtigen Konzertmarathon mit Gigs in der ganzen Schweiz absolviert und seid sogar in Deutschland und Holland aufgetreten. Wie fühlt sich das Leben im Tourbus an?Domenic: Obwohl wir oft erst spät in der Nacht von den Konzerten nach Hause kommen und am nächsten Tag wieder arbeiten müssen, ist es fantastisch. Wir führen momentan tatsächlich das klassische Band-Tour-Leben, fahren mit dem Bus von Konzert zu Konzert, bauen alles selber auf und danach geht‘s meistens gleich weiter.

Wie schafft ihr es, bei so viel Konzerten Musik und Job unter einen Hut zu bringen?Domenic: Wir haben alle liebe Freundinnen und flexible Arbeitgeber. Mats: Die Unterstützung aus unserem Umfeld ist riesig, ohne die wir heute mit Yokko nicht dort wären, wo wir sind.

Ihr blickt als Band auf ein ereignisreiches Jahr zurück, habt über 50 Konzerte und an Openairs gespielt. Welcher Auftritt ist Euch am meisten in Erinnerung geblieben?Mats: Für mich definitiv das Gurtenfestival. Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Gurten erinnern, als die Toten Hosen gespielt haben und ich ganz vorne am Gitter war. Und plötzlich standen wir selber auf der Zeltbühne. Domenic: Oh, da gab’s so viele schöne Momente. Das Stars in Town in Schaffhausen, wo wir mit Birdy und Hurts gespielt haben ist eines der schönsten Festivals. Die ganze Altstadt war voller Leute. Und dabei haben wir immer noch jedes Mal Angst, dass niemand zu unserem Konzert kommt.

Warum?Domenic: Als wir im September letztes Jahr im Bierhübeli unsere Platte tauften, hatten wir uns lediglich erhofft, dass unsere Freunde das Album kaufen und wir so zwei bis drei Konzerte spielen können. Und nun sehen wir im Publikum Menschen, die an jedes Yokko-Konzert kommen, egal ob in Chur oder in Zürich. Es ist schön zu sehen, wenn unsere Musik die Leute berührt. Mats: Wir müssen plötzlich gar nicht mehr erklären, wer Yokko ist.

Die Einstieg von Yokko ins Musikbusiness war nicht gerade einfach. Das erste Album, welches ihr in den Staaten aufgenommen habt, wurde nie veröffentlicht, weil das Label Konkurs ging.Domenic: Für uns war dieses Angebot wie ein Sechser im Lotto. Wir unterschrieben einen Vertrag bei angesehenen Produzenten in Amerika, liessen uns etwas vom Studio und deren Erfolgsgeschichte blenden. Heute sind wir da vorsichtiger mit unseren Songrechten... Mats: Ja, wir mussten von vorne anfangen. Als wir das Album in der Schweiz nochmals aufnahmen, hatten wir dafür mit Philippe Stalder, den ehemaligen Gitarristen und Cellisten von Paten Ochsner, einen super Mentor. Dank ihm haben wir weitere Fehler nicht gemacht. Domenic:Und Philippe Cornu haben wir auch viel zu verdanken. Wir durften 2012 auf dem Gurten spielen, obwohl wir noch nicht mal ein Album herausgegeben hatten. Das ist aussergewöhnlich.

Das letzte Album habt ihr in der Abgeschiedeneit im verschneiten Jura aufgenommen. Wo und wann nehmt ihr das zweite Album auf?Domenic: Eigentlich hätten wir längst damit anfangen wollen. Aber wir wurden mit Anfragen überhäuft. Wir mussten uns richtig zwingen, im neuen Jahr keine Konzertermine mehr anzunehmen, um uns völlig auf das neue Album zu konzentrieren, das ja bereits nächsten Herbst erscheint. Mats: Dieses Mal gehen wir nach Berlin. Nach dem Land in die Grossstadt sozusagen.

Wie klingt Yokko 2015?Domenic: Es wird eckiger und kantiger. Wir haben uns gar nie als Popband gesehen – eher die Öffentlichkeit, aber das ist ja wegen des Debut-Albums auch nachvollziehbar. Beim zweiten Album werden all die Eindrücke von den Shows irgendwie einfliessen.

Ihr wurdet schon mehrfach nach der Bedeutung Eures Bandnamen gefragt, habt Euch aber nie festelgen wollen.Mats: Man kann sich den Namen einfach gut merken. Und wir möchten uns wie Domenic gerade gesagt hat, nicht in eine musikalische Schublade stecken lassen. Da hilft so ein Name sicher.

Nicht nur der Name ist eher ungewöhnlich, sondern auch die Tatsache, dass Yokko konsequent als Band auftritt und nicht wie üblich der Leadsänger das mediale Aushängeschild ist. Wie kam es dazu?Mats: Wir sind eine Band und keine Einzelkünstler und haben alle genau das gleiche Ziel. Insofern können wir uns blind vertrauen, wenn mal nicht alle Bandmitglieder an einen Interviewtermin kommen können, wie es heute der Fall ist. Weil wir dasselbe wollen, vertreten wir nach aussen auch das Gleiche.

Yokko wird zwar oft als Berner Band gehandelt, aber eigentlich kommt nur ihr beide aus Bern. Wieso das? Unser Bandraum ist halt in Bern. Aber es ist tatsächlich immer sehr lustig, wenn Adi, unser Sänger das Publikum mit einem «Hoi zeme, mir sind Yokko us Bern» in seinem breitesten Aargauer-Dialekt begrüsst.

Warum habt ihr gerade die Turnhalle für Euren Tourabschluss ausgewählt?Domenic: : Wir haben die Tour in Bern im Bierhübeli gestartet und deshalb passt es perfekt, sie in Bern zu beenden. Und wir haben noch nie in der Turnhalle gespielt.

Yokko spielen am Freitag, 5. Dezember, in der Turnhalle in Bern. Türöffnung/Beginn: 21.00 Uhr/22.00 Uhr. www.starticket.ch

Berner Zeitung

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