«Wir Frauen hatten es immer gut»

Claudia Sabine Meier ist wieder da: Die ehemalige Schwefelbergbad-Direktorin, die als erste Transfrau in der Schweizer Armee Dienst getan hat, blickt zufrieden auf ihre Zeit in der Swisscoy zurück.

Der  grosse Moment: Claudia Sabine Meier erhält die Erinnerungsmedaille für ihren Einsatz im Kosovo.

Der grosse Moment: Claudia Sabine Meier erhält die Erinnerungsmedaille für ihren Einsatz im Kosovo. Bild: Nadia Schärli

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«Ich gratuliere Ihnen», sagt die Frau im Service spontan, als sie Claudia Sabine Meier in der Gaststube sieht. Nach neun Monaten Swisscoy-Einsatz ist die 45-Jährige zurück aus dem Kosovo. Im Restaurant neben dem Armeeausbildungszentrum Swissint in Stans steht das erste Mittagessen in der Heimat an, und die Serviererin fährt fort: «Wissen Sie, ich habe von Ihnen gelesen.» Claudia Sabine Meier strahlt. Die Reaktion freut sie, die Tatsache, «dass mich jemand zum Mut beglückwünscht, meinen Weg zu gehen».

Von Andreas zu Claudia

Erst ein paar Wochen ist es her, seit die Medien gross über Claudia Sabine Meier berichteten. Als erste Transfrau, die in der Armee Dienst tat und offen zu sich selber stand, war die ehemalige Hotelière aus dem Schwefelbergbad in die Schlagzeilen geraten. Bereits damals hielt sie fest: In der Truppe sei ihre Geschichte bekannt – und gar kein Thema. Ihre Vergangenheit als Mann, der erst letztes Jahr mit der zweiten Operation körperlich zur Frau wurde, ihr Schritt von Andreas Heribert zu Claudia Sabine.

An der positiven Haltung ihrer Kolleginnen und Kollegen änderte sich auch mit den Berichten in den Zeitungen und Illustrierten nichts, in denen das bisher nur Angesprochene plötzlich in gedruckter Form vorlag und entsprechend weite Kreise zog.

Gespräche unter vier Augen

«Wir Frauen hatten es immer gut und lustig miteinander», erklärt Claudia Sabine Meier gerade auch mit einem Blick zurück auf diese letzte Zeit. Sie habe sich als Frau unter Frauen immer gut akzeptiert gefühlt – und Ähnliches, so fügt sie an, habe eigentlich auch im Verhältnis zu ihren viel zahlreicheren männlichen Kollegen gegolten. Gut, einige hätten sich im ersten Moment vielleicht etwas zurückgezogen. Aber spätestens mit einem Gespräch unter vier Augen am Stammtisch sei das Eis gebrochen.

Der Stammtisch – er gehörte zum weiteren Wirkungskreis von Claudia Sabine Meier. Sie arbeitete als Koch im Swisschalet, der Beiz für die Soldatinnen und Soldaten im Feldlager Prizren.

Eigene Akzente gesetzt

Dass sie sich in der Swisscoy angesichts ihrer langen Zeit als Hoteldirektorin ursprünglich einen anderen, verantwortungsvolleren Posten gewünscht hätte, sagt sie zwar offen. Dennoch zeigt sie sich nun im Rückblick zufrieden mit dem, was sie schliesslich tun konnte. Zumal sie dabei Akzente setzen konnte: Sie backte ihren Apfelkuchen, servierte den Claudia-Salat – unvermittelt kehrt sie zum Thema zurück, wenn sie erzählt: Diese Salatkreation habe sie schon im Schwefelbergbad geführt. Erst als Chefsalat, nach ihrem Coming-out als Transfrau eben als Claudia-Salat.

Mit den Medienberichten, erzählt sie weiter, sei ihre Geschichte vor allem bei den Partnerarmeen aus Deutschland und aus Österreich bekannt geworden. Nach einem Artikel in einer kosovarischen Zeitung wurden gar einheimische Männer auf Claudia Sabine Meier aufmerksam: «Ich bekam etliche Freundschaftsanfragen auf Facebook.» Getroffen hat sie die Männer nie, hält aber fest: Die muslimische Welt gehe mit Transsexualität offener um als etwa mit Homosexualität.

Weiter in der Armee

Mittlerweile haben sich die abtretenden Swisscoy-Angehörigen zur Abschlusszeremonie aufgestellt, es gibt Reden, Marschmusik und eine Erinnerungsmedaille. Jetzt, da der Einsatz fertig ist und sie der Armee ihre Leistungsfähigkeit als Transfrau endgültig bewiesen hat, strahlt Claudia Sabine Meier erst recht. Ihr Weg beim Militär geht übrigens weiter. Nächste Woche tritt sie eine Stellvertretung als Leiterin der Verpflegung bei Swissint in Stans an. Und trifft dann im Restaurant nebenan vielleicht auch hie und da wieder auf die Serviererin, die sie am Tag der Rückkehr so warm empfangen hat. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2014, 11:09 Uhr

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