«Wieso soll ich den US-Behörden alles glauben?»

Auf 911untersuchen.ch äussern rot-grüne Nationalräte und andere Promis den harten Verdacht, die USA hätten 9/11 selber inszeniert. «Ich bin kein Verschwörungsheini!», verteidigt der Berner Blogger Stefan Schaer seine Website.

Monströse Lücken auf New Yorks Ground Zero. Und auch in den offiziellen 9/11-Untersuchungsberichten?

Monströse Lücken auf New Yorks Ground Zero. Und auch in den offiziellen 9/11-Untersuchungsberichten? Bild: Keystone

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Herr Schaer, wie erlebten Sie den 11.September 2001?
Stefan Schaer: Ich war im Büro. Jemand rief geschäftlich an und sagte, in New York passiere Ungeheures. Ich fuhr mit dem Fahrrad nach Hause, startete den Fernseher und blieb bis tief in die Nacht davor sitzen.

Hatten Sie sofort Zweifel an der offiziellen Version, dass al-Qaida die Attacken verantworte?
Nein. Erst ein Jahr später stiess ich auf ein Buch, das kritische Fragen stellte. Da packte mich das Thema als Journalist. Ich begann, zu recherchieren.

Wurde die Recherche zur Leidenschaft mit Suchtpotenzial?
Das ist zu einfach. Das Internet ist voll mit Theorien über unwichtige Fragen wie die, ob die Mondlandung real war. 9/11 aber halte ich für eines der wichtigsten und folgenreichsten internationalen Ereignisse unserer Zeit. Deshalb ist es interessant.

Was soll Ihre Plattform 911untersuchen mit Stimmen aus der kleinen Schweiz bewirken?
Seit Jahren versuche ich erfolglos Schweizer Medien auf Unstimmigkeiten in den offiziellen 9/11-Berichten hinzuweisen. Um sie aufzurütteln, habe ich jetzt respektierte Personen eingeladen, sich mit Statements an einer Petition für eine neue 9/11-Untersuchung zu beteiligen. Und siehe da, es wirkt: Medien schreiben über die Plattform, Sie interviewen mich. Solche Petitionen laufen weltweit, um Druck auf die US-Behörden aufzubauen.

Was muss man denn neu aufklären? Was fehlt in den offiziellen Untersuchungsberichten?
Wo soll ich anfangen? Es gibt so viele eklatante Lücken. Offiziell aufgezeichnete Zeitabläufe und Daten über die Reaktion der US-Luftwaffe wurden in den Berichten abgeändert, sodass niemand mehr für Fehler verantwortlich ist. Der eigenartige Einsturz des nicht getroffenen World Trade Center 7 wird im Hauptbericht unterschlagen. Ebenso fehlt eine Aufklärung, wer an der Börse vor 9/11 massiv spekuliert hat auf einen Kurssturz verschiedener Aktien, unter anderem von American Airlines und United, deren Flugzeuge abstürzten. Leute haben damit Millionen verdient.

Es ist zynisch, aber üblich an der Börse auf schlechte Geschäfte zu wetten und auf ein entsprechendes Ereignis zu warten.
Die Leute haben nicht gewartet, sondern unmittelbar vor 9/11 massiv auf einen Kurssturz der erwähnten Firmen gesetzt. Wer auf einen Terroranschlag spekuliert, hat Vorwissen.

Das behaupten Sie.
Man kann es als Zufall abtun. Im Untersuchungsbericht wird es heruntergespielt: Ein Bezug zu 9/11 bestehe nicht, da die Spekulanten US-Bürger seien.

Können Sie Unklarheiten und den Umstand, dass Behörden ihre Unterlassungssünden gerne beschönigen, nicht ertragen?
So kann man immer argumentieren. Die Menge an Daten, die nach 9/11 publik wurde und dann in den Abschlussberichten verschwiegen wurde, ist enorm. Der Hauptbericht ist über weite Strecken eine Fälschung.

Wie kommen Sie darauf? Das können sich die US-Behörden doch gar nicht leisten.
Der Bericht stützt sich vor allem auf CIA-Protokolle der Verhöre mit dem angeblichen Al-Qaida-Chefplaner Khalid Sheikh Mohammed, mit dem niemand Neutrales sprechen darf und der seine Aussagen im Lager Guantanamo laut mehreren Quellen unter dem Druck der Folter machte.

Khalid hat vor seiner Festnahme 2003 einem Journalisten Auskunft gegeben und dasselbe erzählt, was auch im Untersuchungsbericht steht.
Das Buch des Journalisten ist umstritten. Es könnte gefakt sein.

Jetzt brennt Ihr Misstrauen durch mit Ihnen. Alles könnte gefakt sein. Und niemand kennt die abschliessende Wahrheit.
Mit einer neuen Untersuchung würde man die Wahrheit vielleicht finden.

Welche Wahrheit meinen Sie?
Ich will mich nicht auf die Äste hinauslassen. Sonst werde ich als Verschwörungsheini abqualifiziert. Und das bin ich nicht. Ich stelle einfach kritische Fragen.

Es gibt drei Thesen zu 9/11: Die US-Behörden wurden überrascht; die US-Behörden wussten im Voraus davon und liessen es zu; die US-Behörden organisierten 9/11 selbst. Tendieren Sie – wie die Verschwörungstheoretiker – zur zynischen dritten Variante?
Für These zwei und drei gibt es sehr viele Indizien. Für These eins habe ich bis heute keine gerichtstauglichen Belege gesehen.

Es gibt nicht für alles Belege. Und man kann sich in seiner 9/11-Skepsis auch verirren. Auf Ihrer Plattform beruft sich PR-Mann Klaus J. Stöhlker auf Irans Präsidenten Ahmadinejad, der als Holocaustleugner nicht gerade vertrauenswürdig ist.
Stöhlkers Äusserung mag pointiert sein. Aber er sagt bloss, Ahmadinejad könnte recht haben mit dem Vorwurf, die US-Regierung habe 9/11 organisiert. Stöhlker verteidigt ihn nicht als Person. Die Diskussion läuft immer gleich: Man sagt mir, dass man doch nicht allen Verlautbarungen der US-Behörden misstrauen könne. Ich frage zurück: Warum sollte ich den US-Behörden, die etwa in Sachen Irak-Krieg nachweislich gelogen haben, trauen? Glauben Sie den US-Behörden einfach alles?

Nein. Aber vielleicht unterschieben Sie ihnen eine allzu stringente, böse Strategie. Und vielleicht unterschätzen Sie die Rolle von Zufällen und banalen Nachlässigkeiten.
Die meisten Medienleute, mit denen ich rede, haben, wie Sie, weder die 9/11-Berichte noch Analysen gelesen und wollen dann aus dem Bauch heraus etwas glauben oder in Abrede stellen. Man muss dieses Bauchgefühl abstellen und die Fakten betrachten.

Ich erkenne auch bei Ihnen und den rot-grünen Politikern auf Ihrer Plattform einen Glauben: Den an das böse Amerika und den bösen Ex-Präsidenten Bush.
Diesen linken Anti-Amerika-Reflex gibt es. Aber mir geht es um die epochalen Folgen von 9/11. Die Schmälerung der Menschenrechte, die Legitimierung der Folter, die Kriege in Irak und Afghanistan, den angeheizten Zwist zwischen Westen und islamischer Welt – auch in der Schweiz.

10 Jahre nach 9/11 regiert der liberale Barack Obama, die USA ächzen unter der Schuldenkrise und sind als Supermacht auf dem Abstieg. Sie greifen mit Ihrer Plattform ein Amerika an, das es gar nicht mehr gibt.
Da bin ich anderer Meinung. Unter der Obama-Administration hat sich die Situation der Menschenrechte kaum verändert. Die Kriege laufen weiter. Die US-Aussenpolitik ist nicht sanfter und die US-Armee um keinen Düsenjet kleiner geworden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.09.2011, 09:00 Uhr

Blogger Stefan Schaer. (Bild: zvg)

Stefan Schaer

Der 41-jährige Berner Journalist, Gestalter und Blogger (www.stefan-schaer.ch), Sohn der früheren SP-Regierungsrätin Dori Schaer, hat die Internetplattform www.911untersuchen.ch aufgeschaltet, auf der unter anderen Politiker und Wissenschaftler mit Statements eine neue Untersuchung der Anschläge vom 11.September 2001 fordern. Aus der Politik kommen grüne Nationalräte und Nationalrätinnen zu Wort: der Berner Alec von Graffenried, Geri Müller, Daniel Vischer, Francine John-Calame, Yvonne Gilli, dazu SP-Frau Hildegard Fässler. Neben Ex-Radiomann Roland Jeanneret äussern sich Militärstratege Albert A.Stahel, PR-Berater Klaus J.Stöhlker oder Historiker Daniele Ganser, der die Möglichkeit in Betracht zieht, dass US-Kreise die Anschläge verantworten. In Reaktionen, auf der Plattform nicht sichtbar, wird den Autoren fehlende Distanz zu Verschwörungstheorien vorgeworfen. svb

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