Wie steht es um den Brandschutz im Münster?

Viele Massnahmen schützen das Berner Münster. Ein Feuer wie in der Notre-Dame de Paris wäre trotzdem möglich.

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Kaum jemanden liessen die Bilder der brennenden Notre-Dame de Paris kalt. Die lodernden Flammen haben über 800 Jahre Geschichte zerstört. Die Mauern der Kathedrale überstanden das Feuer zwar grösstenteils. Trotzdem wird der Bau eine längere Zeit nicht mehr aussehen wie vor dem Brand. Nach diesem Ereignis stellen sich viele Berner die Frage: Ist ein solches Flammenmeer auch in unserem Münster möglich?

Tatsächlich weisen das Hauptschiff und das Dach in Paris grosse Ähnlichkeiten mit dem Berner Wahrzeichen auf. Auch am Münster sind ständig risikoreiche Restaurationsarbeiten im Gang. Die verantwortliche Architektin Annette Löffel ist sich solcher Risiken bewusst. Auf einem Rundgang erklärt sie, welche Sicherheitsvorkehrungen es gibt, um das Brandrisiko zu mini­mieren.

Entrümpelter Dachstock

Wie in der Notre-Dame-Kathedrale liegt auch in Bern über dem steinernen Deckengewölbe ein hölzerner Dachstuhl. «Erst zur Jahrtausendwende haben die Restaurationsarbeiter den Dachstock entrümpelt, um das Risiko zu verringern», erklärt Löffel. Auch die jahrhundertealten Balken und Bretter seien ein grosses Brandrisiko. «Die Handwerker haben das Holz früher jährlich mit Chemikalien überzogen, die leider brandbeschleunigend wirken», sagt die 45-jährige Architektin. Diese damals verbreitete Massnahme zur Konservierung des Holzes habe vermutlich auch in Paris zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen. «Grundsätzlich wäre es natürlich immer besser, den ganzen Dachboden durch brandfeste Metallstege zu ersetzen», erklärt Löffel.

Feuerwehr kennt Tücken

Viele – für die Öffentlichkeit nicht sichtbare – Türen und Wände sind mit Brandschutzplatten ausgekleidet. Zudem ist das Münster mit zahlreichen Rauchmeldern ausgestattet. Diese ermöglichen eine schnelle Lokalisierung des Brandes und erleichtern die Arbeit der Feuerwehr. Auf den Einbau einer Sprinkleranlage verzichten die Verantwortlichen bewusst. Das flächendeckende Durchnässen bedrohe nicht nur die verschiedenen Kunstwerke in der Kirche, sondern könnte sogar zum Einsturz der Decke führen.

Das Brandrisiko ist auch im Münster ein stetiges Thema.
(Video: Keystone-SDA)

Alain Sahli, Bereichsleiter Planung und Einsatz der Berufsfeuerwehr Bern, erläutert die Einsatztaktik: «Dank den Rauchmeldern können wir über den kürzesten Weg vorstossen und das Feuer präzis bekämpfen.» So vermeide die Feuerwehr unnötige Wasserschäden. Im Ernstfall wird der Pikettdienst der am Münster arbeitenden Steinmetze aufgeboten. Diese kennen das mittelalterliche Gemäuer gut. «Sie können am besten einschätzen, ob ein Einsturz droht und das Löschen mit Wasser zu gefährlich ist», sagt Sahli.

Bei regelmässigen Begehungen klärt die Feuerwehr zudem, was sich nach Renovationen geändert hat und im Einsatz beachtet werden muss. Die Drehleitern der Berufsfeuerwehr Bern seien genug hoch, um das Dach des Hauptschiffs von oben zu löschen. Der Münsterturm ist der höchste Kirchturm der Schweiz. Um dort drin ein Feuer zu bekämpfen, sind im Münster verschiedene «Steigleitungen» installiert. «Dank diesen Leitungen können wir Wasser direkt vom Löschfahrzeug in die notwendigen Bereiche pumpen und müssen nicht auf dem gesamten Weg Löschschläuche verlegen», erklärt Sahli. Auch für einen Brand im Bundeshaus hat die Berufsfeuerwehr ähnliche Vorbereitungen getroffen.

DieMünsterarchitektin Annette Löffel findet solche Sicherheitsvorkehrungen sinnvoll. «Wichtig ist aber nicht nur der Brandschutz, sondern auch die sorgfältige Restauration», betont sie, «sonst kann dabei – genau wie bei einem Brand – die ursprüngliche Bausubstanz zerstört werden.»

Berner Zeitung

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