Bern

Wie digital ist das Schulzimmer von heute?

BernEin Tablet für jedes Kind? Ein Touchscreen anstelle der Wandtafel? Ein Besuch auf der nationale Bildungsmesse «Swissdidac», die diese Woche auf dem Bernexpo-Areal stattfand.

Auf der nationalen Bildungsmesse «Swissdidac» in Bern gab es von Lehrmitteln in klassischer Buchform bis hin zu digitalen Pulten mit integriertem Bildschirm alles zu entdecken.
Video: Sibylle Hartmann

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Das Handy wird heute oft bereits kurz nach dem ersten Schrei im Gebärsaal gezückt. Jedes Kleinkind schaut fasziniert auf das Display in Mamis oder Papis Hand und beherrscht die Wischbewegung nicht selten vor dem ersten Geburtstag. Viele Eltern sind jedoch darauf bedacht, den Nachwuchs so lange wie möglich von Smartphones, PCs und dem Fernseher fern zu halten.

Spätestens im Schulzimmer werden die Kinder aber damit konfrontiert. Wie digital ein Schulzimmer von heute sein kann, zeigte die Bildungsmesse «Swissdidac», die von Mittwoch bis Freitag auf dem Bernexpo-Areal stattfand. Ein Touchscreen, eingebettet zwischen zwei Wandtafeln, ein Hocker für die Lehrperson mit integriertem Beamer, der Spiele für Kindergartenkinder direkt auf den Boden projiziert oder ein Pult mit integriertem Bildschirm. In der einen Halle jagt eine digitale Innovation fürs Schulzimmer die nächste.

Bücher und analoge Spiele

In der zweiten Halle werden aber auch im Jahr 2018 noch unzählige Bücher und analoge Spiele ausgestellt und locken nicht weniger Besucher an - die meisten von ihnen sind Lehrer. Wie analog sind die Klassenzimmer in der Realität noch?

«Das ist sehr unterschiedlich. Viele Schulen im Kanton Bern sind digital gut ausgerüstet, andere haben noch Nachholbedarf», sagt Peter Niklaus, Leiter Vermarktung vom Schulverlag plus. In Zukunft komme das «Eins-zu-Eins-Computing» immer mehr, aber noch habe längst nicht jedes Kind sein eigenes Tablet. Vom Lehrplan 21, der neu das Fach Medien und Informatik beinhaltet, gebe es aber sicher mehr Druck bezüglich der Digitalisierung als bisher.

Trotzdem: Der Lehrplan 21 könnte aktuell auch in einem komplett analogen Schulzimmer umgesetzt werden, ist Niklaus überzeugt. Einbussen würde es vor allem bei der Vorbereitung durch die Lehrkräfte geben.

Erste Schritt der Digitalisierung im Lehrerzimmer

Genau an diesem Punkt setzt der Geschäftsbereich Bildungskunden von Microsoft an. «Für eine Schule ist es sehr sinnvoll, wenn sich zuerst die Lehrkräfte selber digitalisieren», sagt Marc Weder. Dabei spricht der Geschäftsbereichsleiter etwa von E-Mails, digitalen Kalendern und Dokumentenablagen. Als zweiten Schritt folge die Digitalisierung im Lehrergremium untereinander. «Dann erst sei der Schritt ins Klassenzimmer mit der Digitalisierung der pädagogischen und didaktischen Prozesse sinnvoll», sagt Weder. So seien die Erfolge erfahrungsgemäss am grössten.

Weder betont zudem, dass eine Digitalisierung der Digitalisierung Willen keinen Sinne mache. Die Frage sei stets, was man damit erreichen wolle. Auch Peter Niklaus vom Schulverlag plus sieht von der Digitalisierung auf Biegen und Brechen ab. Welchen Mehrwert die Digitalisierung einen als Lehrkraft bringe, werde an dieser Messe gut veranschaulicht.

Und wie lange dauert es noch, bis an den Schulen nicht einmal mehr die Handschrift erlernt wird? «Ich bin total überzeugt, dass die Handschrift nach wie vor gebraucht werden wird», sagt Niklaus. Man habe festgestellt, dass ein Lernprozess handschriftlich dokumentiert im Hirn nachhaltiger abgespeichert werde. «Drum wird es die Handschrift immer brauchen, wenn auch etwas weniger.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2018, 15:15 Uhr

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