Bern

Widerstand gegen «Baumzimmer»

BernNach dem Ja des Stadtrats zum Kredit für einen Neubau in der Lorraine probt ein Teil des Quartiers den Aufstand. Die Situation ist so verworren wie die bisherige Projektgeschichte.

Ellipsenförmige Balkone als «Baumzimmer»: Es bleibt auch nach 
dem Ja des Stadtrats fraglich, ob sie jemals gebaut werden.

Ellipsenförmige Balkone als «Baumzimmer»: Es bleibt auch nach dem Ja des Stadtrats fraglich, ob sie jemals gebaut werden. Bild: zvg

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In Teilen der Lorraine ist es die Frage der Woche: Lässt sich der Neubau am Centralweg noch stoppen? Als der Stadtrat letzte Woche den Kredit über 8,8 Millionen Franken bewilligt hatte, schien der Bau von 13 Wohnungen geregelt. Seither regt sich im Quartier aber der Widerstand.

Laut Alt-Stadträtin Catherine Weber vom Verein Läbigi Lorraine hat «das Projekt nichts mehr mit dem zu tun, was ursprünglich vorgesehen war». Sie zitiert aus dem Bericht der Jury: «Gut die Hälfte des Wohnungsangebots soll im Segment ‹Günstiger Wohnraum› vermietet werden», hiess es Ende 2010, als die Stadt das Siegerprojekt bekannt gab.

Günstig war einmal

Das Versprechen günstiger Wohnungen war bereits mit dem Vortrag des Gemeinderats gebrochen. Am Ende wurden gar «Luxuswohnungen zu Marktmieten» beschlossen, weil der Stadtrat nicht mit 2,65 Millionen aus dem Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik Wohnungen für den Mittelstand subventionieren wollte. Deshalb ist für Catherine Weber klar: «Wir fordern einen Übungsabbruch.»

Dies ist aber knifflig: «Das Geschäft ist letzte Woche vom zuständigen Organ abschliessend verabschiedet worden», sagt Stadtschreiber Jürg Wichtermann. «Deshalb kann höchstens mit parlamentarischen Vorstössen oder einer Initiative versucht werden, das Projekt noch zu stoppen.» Allerdings sei dieses mit dem Stadtratsentscheid «politisch legitimiert».

Projekt bleibt subventioniert

Helfen könnte den Gegnern, dass nach der Abstimmung im Stadtrat viele unzufrieden waren. Allen voran SP und GB: Zunächst überstimmten sie jene, die das Geschäft zurückweisen wollten. Als diese danach die Subventionen bachab schickten, mochte sich auch Rot-Grün nicht mehr über die teuren Wohnungen freuen.

«Wenn es eine Möglichkeit gibt, das Projekt zu verändern, sind wir bereit, uns das anzuschauen», sagt deshalb SP-Fraktionschefin Annette Lehmann. Weil keine Lösung auf dem Tisch liege, will sie mindestens für künftige Projekte die Lehren ziehen: «Wenn bei einem Projekt derart der Wurm drin ist wie bei den ‹Baumzimmern›, müssen wir künftig früher auf die Bremse treten.»

Die Grünliberalen würden sich zumindest «einem Gespräch nicht verschliessen», sagt deren Fraktionschef Michael Köpfli. Die Initiative müsse aber von Rot-Grün kommen.

Noch nicht erörtert wurde bisher der Aspekt, dass das Projekt trotz des Neins zu den Subventionen faktisch subventioniert bleibt: Der Gemeinderat gab den Wert des Areals am Centralweg mit dem Buchwert von 156'000 Franken an – weit weniger, als bei einer Abgabe im Baurecht für das Land veranschlagt werden könnte. Zum Vergleich: Für das kleinere Nachbarareal bot die Stadt dem Eigentümer drei Millionen.

Baubewilligung schwierig

Das Projekt dürfte es auch im Baubewilligungsverfahren schwer haben. Längst bekannt ist, dass die Nachbarn das nötige Näherbaurecht für die «Baumzimmer» nicht gewähren dürften. Dann müsse man halt auf einige Balkone verzichten, heisst es bei der Liegenschaftsverwaltung lapidar. Dabei wird unterschlagen, dass es laut Jury eben diese «Baumzimmer» waren, die «identitätsstiftenden Charakter und interessante zwischenräumliche Bezüge» schafften. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.05.2013, 07:42 Uhr

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