Bern

Wetten, dass Sie dieser Geschäftsbericht nicht langweilt?

BernGäbe es einen Preis für den originellsten Geschäftsbericht, er ginge ans Naturhistorische Museum Bern. Dort werden die Zahlen im Rahmen eines Kurzfilmes mit Matto Kämpf und viel schwarzem Humor präsentiert.

Büsu – Der Geschäftsbericht des Naturhistorischen Museum Bern 2014 im Video. Quelle: www.vimeo.com/nmbern


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Geschäftsberichte sind nicht gerade die spannendste Lektüre, die man sich vorstellen kann. Oftmals werden sie mehr durchgeblättert als akribisch studiert. Um dem entgegenzuwirken, hat sich das Naturhistorische Museum Bern etwas ganz Spezielles einfallen lassen. Die Museumsleitung präsentiert ihren aktuellen Geschäftsbericht in einem kurzweiligen und äusserst amüsanten Film.

Protagonist des Kurzfilmes mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors ist der Berner Autor und Schauspieler Matto Kämpf. Realisiert wurde der Streifen von denselben Machern, die hinter der Mini-Doku-Soap «Experiment Schneuwly – ebenfalls mit Matto Kämpf – stecken. Der Berner Schauspieler betritt zu Beginn des Filmes das Museum mit einem Abfallsack in der Hand. Darin befindet sich seine tote Katze Büsu. Sein Plan: Er möchte den dahingeschiedenen Vierbeiner ausstopfen lassen und in seiner Wohnung ausstellen.

Herzinfarkt beim Fischebeobachten

Um sein Vorhaben kundzutun, schlendert Kämpf, begleitet von beschwingter Musik, kreuz und quer durchs Museum und begegnet zahlreichen Museumsangestellten, die sogleich mit einer Namenseinblendung vorgestellt werden. Aber auch drei ältere Besucher konfrontiert der Schauspieler mit seinem toten Büsi, das er immer mal wieder aus dem Sack holt und präsentiert. Büsu habe beim Aquariumbeobachten offenbar einen Herzinfarkt erlitten, klärt er die drei verdutzten Herren auf.

Der Clou an dem kurzweiligen Film ist, dass die Macher bei Matto Kämpfs Museums-Odyssee immerzu kurze Einbledungen platzieren, um Geschäftszahlen und diverse Highlights des letzten Jahres zu präsentieren. Etwa, dass 2014 insgesamt 116’745 Personen das Naturmuseum im Kirchenfeld besuchten – davon 900 Schulklassen. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr (118'303). Hingegen wurde im regnerischen Juli ein Besucherrekord erzielt. Die 14'990 Eintritte entsprechen etwa dem vier- bis fünffachen, die sonst in einem durchschnittlichen Monat Juli gezählt werden.

Barry sorgt für Besucherrekord

Nebst dem trüben Wetter war jedoch auch ein anderes Highlight für den Besucherrekord im Juli verantwortlich. Denn in jenem Monat erhielt der ausgestopfte Bernhardinerhund Barry, das Wahrzeichen des Museums, eine Dauerausstellung, was der Institution viel mediale Präsenz bescherte. Natürlich fehlt dieser Hinweis im «Geschäftsbericht» nicht, ebensowenig die neu installierte «Photobooth», in der sich Besucher mit dem berühmten Lawinenhund fotografieren lassen können.

Diese Ausstellung und ein klärendes Gespräch mit Museumsdirektor Christoph Beer inspirieren Matto Kämpf im Film schliesslich dazu, für Büsu eine ähnliche Ausstellung auf die Beine zu stellen wie diejenige für Barry. Um die Möglichkeiten dafür auszuloten, begegnet er weiteren Museumsangestellten wie etwa Marc Nussbaumer (Kurator Kynologie), Dora Strahm (Ausstellungskuratorin) oder Ursula Menkveld (Paläontologin), die gerade Fossilien der letzjährigen Grabung in Anwil untersucht. Via Einblender erfährt der Zuschauer, dass insgesamt neun Palletten Aushubmaterial davon ausgewertet werden.

Auch in das im Frühling 2014 gestartete Projekt «Die Bar der toten Tiere» verirrt sich Matto Kämpf im Film. Dort erhält Simon Jäggi, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, Gelegenheit, ein paar Worte über das zweite Museumshighlight neben Barry zu verlieren.

«Viele positive Reaktionen»

Simon Jäggi begründet den Entscheid, einen trockenen Geschäftsbericht in der Form eines unterhaltsamen Filmes vorzustellen: «Zuvor haben wir jeweils einen aufwändig zusammengestellten Bildband verschickt, der aber wenig Reaktionen auslöste.» Also habe man im Dezember den Entschluss gefasst, als Versuchsprojekt einen Kurzfilm zu realisieren. Ausserdem lasse sich ein Film via Internetlink besser und vor allem günstiger verbreiten, als der übliche Bildband via Paketpost.

«Wir haben bereits viele positive Reaktionen erhalten», sagt Simon Jäggi. Ihm war bei der Veröffentlichung etwas bange zumute, da die Handlung mit dem toten Büsi eventuell nicht bei allen auf Anklang stossen würde. Doch noch habe sich niemand darüber beklagt. «Wir sind halt ein Haus der toten Tiere», so Jäggi. Die leblose Katze wurde den Filmemachern übrigens von der Abteilung Veterinärmedizin der Universität Bern zur Verfügung gestellt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.05.2015, 15:03 Uhr

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