Wenn der Stall besser als eine Weltreise ist

Am 19. Juni geht die Serie BEsonders weiter: Regula Rüetschi nimmt uns mit in ihren Geissenstall in der Hinteren Lorraine.

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Sie wohnt mitten in der Stadt Bern, würde mit ihren beiden grauen Zöpfen aber ebenso gut auf eine Alp passen. Die 57­jährige Heilpädagogin Regula Rüetschi hat sich ein Stück Landleben ins Lorrainequartier geholt. Seit vielen Jahren hat sie Tiere, auf die man sonst in der Stadt kaum trifft. Mit zwei Kollegen hält sie in der Hinteren Lorraine Geissen. Zwölf Tiere gehören derzeit zur Herde.

Begonnen hat alles mit Schafen, welche Rüetschi und ihre Familie auf einem von der Stadt gepachteten Landstück am Aarehang weiden liessen. Später kamen Esel dazu.

«Geissen haben in der Stadt eigentlich nicht viel verloren», findet Rüetschi. «Ausser dass sie vielen Leuten Freude machen.» Auch ihr selbst. «Es ist ein teures Hobby, das ich mir leiste», sagt Rüetschi. Subventionen habe sie in all den Jahren für ihre Tiere nie beantragt.

Konflikte mit Nachbarn habe es wegen der Geissen noch kaum je gegeben, sagt Rüetschi. Auch wenn diese nur zu gerne ausbüxen und sich auch mal an Johannisbeersträuchern, Reben oder anderen Gewächsen in der Nachbarschaft gütlich tun.

In der Stadt Tiere halten wollten Regula Rüetschi und ihr Ex-­Mann vor allem ihrer Kinder wegen. «Sie haben manches Drama mitbekommen – aber auch viel Schönes erlebt.

Das hat sie geprägt», blickt Rüetschi auf die Anfänge zurück. Inzwischen sind die Kinder erwachsen, helfen aber noch immer tatkräftig mit, ebenso wie Rüetschis Partner. Drei Stunden nimmt die Stallarbeit im Winter täglich in Anspruch, im Frühling und im Herbst ist es eine Stunde.

«Die Arbeit im Stall ist sehr erdend für mich.» Wenn sie die «Geissen mache», komme sie zur Ruhe, sagt Regula Rüetschi. «Das ist ein guter Ausgleich zu meiner Tätigkeit mit den Kindern in der Schule, die oft viel Geduld braucht.» Manchmal nimmt sie auch Schulkinder mit in den Stall und staunt bisweilen, wie weit weg von ihrem Alltag für diese das bäuerliche Leben ist. «‹Du huere Puur›, das ist für sie eines der schlimmsten Schimpfwörter, das sie sich austeilen können.»

Im Sommer leben die Geissen jeweils auf der Alp. Dann denkt Regula Rüetschi manchmal ans Aufhören. «Aber dann nimmt es mir den Ärmel doch wieder rein», sagt sie. Durch ihre Geissen habe sie viel gelernt. «Ein Teil des Lebens wird einem da gespiegelt, sei es das Sterben oder seien es Krankheiten. Das gehört einfach alles das. Fertig.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.07.2016, 15:58 Uhr

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