Wenn Gärtnern zum Sport wird

Ried bei Kerzers

Die Gärtner machen den Anfang: Gestern fanden im Seeland die ersten Teilprüfungen für die Berufsmeisterschaft Swiss- Skills statt. Die Teilnehmer legten sich dabei voll ins Zeug.

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Marco Spycher

In einem Raum warten 16 junge Berufsleute auf ihren ersten Einsatz. Sie gehören zu den besten Gemüsegärtnern der Schweiz und befinden sich auf dem Gemüse­betrieb von Pascal Gutknecht in Ried bei Kerzers. Die drei Frauen und dreizehn Männer nehmen an den ersten Teilprüfungen für die bevorstehende Berufsmeisterschaft Swiss Skills teil.

Naturgemäss können die Gärtner Feldarbeiten nicht auf dem Gelände der Bernexpo ausführen, wo Mitte September die Swiss Skills stattfinden werden. Deshalb findet die erste Hälfte des Wettkampfs bereits jetzt im Seeland statt. Dieses Jahr wird erstmals ein Schweizer Meister im Gemüsegärtnern gekürt.

Die Prüfungen sind wie ein Postenlauf organisiert, wobei ­immer nur eine Person einen Posten absolvieren kann. Bei Sonnenschein können die frisch ausgebildeten Gemüsegärtner den Wettkampf in Angriff nehmen. Die Chemie unter den Teilnehmenden stimmt, und alle geben sich locker. Sobald die erste Prüfung ansteht, ist ihnen jedoch die Anspannung anzumerken.

Die Disziplin Pflügen

Ob auf dem Feld, im Gewächshaus oder sogar am Laptop, die Gemüsegärtner müssen sich den verschiedenen Arbeitsorten ­an­passen. Auf dem Feld wird den Teilnehmenden bei enormer ­Hitze alles abverlangt. Bei der Disziplin Pflügen steht die ­Genauigkeit im Vordergrund. ­Die Geschwindigkeit wird nicht ­be­wertet. Innerhalb einer vorgegebenen Zeit haben die Gärtner ihre Arbeiten zu erledigen.

Beim Säen von Zwiebeln ist vor allem das Wissen aus der Theorie gefragt. Die Lehrabgänger ­müs­sen die Saatgutmenge ­berechnen und anschliessend rund zehn Aren säen. Wenn die Saatdichte zu nah eingestellt ist, erhalten die Zwiebeln später nicht mehr genug Licht, da sie ­gegenseitig Schatten werfen.

Wenn sie jedoch zu weit eingestellt wird, bildet sich zwischen den Zwiebeln Unkraut. Zudem müssen die Teilnehmer kontrollieren, dass alle Aggregate funktionieren. «Wenn eines von vier Aggregaten nicht sät, fehlen bei der Ernte 25 Prozent der Menge», sagt Pascal Gutknecht.

Vielseitige Arbeiten

Im Gewächshaus ist es gefühlt doppelt so heiss wie auf den ­Feldern. Die Gemüsegärtner ­widmen sich hier den Tomaten und den Gurken. Sie führen die Pflegearbeiten möglichst schnell und sauber durch. Anschliessend ernten sie das Gemüse. Hierbei achten die Berufsleute auf einen schonenden Umgang mit dem Produkt. Sie müssen ­sicher­stellen, dass der Reifegrad in jedem Erntegebinde etwa ähnlich ist.

Ebenfalls im Gewächshaus ­findet die Ernte der Radieschen statt. Die Aufgabe der Gärtner lautet, «möglichst viele 10er-Bünde innerhalb der vorgegebenen Zeit zu ernten». Auf dem Vorplatz des Hofes befindet sich der ­Posten zum ­Thema Pflanzenschutz. Hier kommt der Laptop zum Einsatz. Aus einer Datenbank kann der Kandidat ein geeignetes Produkt zur Bekämpfung der Krankheit oder des Schädlings finden. ­Anschliessend muss er die ­korrekte Menge berechnen und anmischen.

Früh übt sich

Einer der 16 Titelanwärter ist der 18-jährige Gian-Luca Anker aus Ins. Er ist einer von drei Berner Anwärtern auf Edelmetall an den Swiss Skills und hat im Juli seine Ausbildung als Gemüsegärtner erfolgreich abgeschlossen. «Es freut mich sehr, dass ich an den Swiss Skills teilnehmen darf», sagt er.

Bereits als kleiner Junge war er gerne in der Natur und half den Eltern auf dem Hof. Der ­Hobbyschwinger war sich nicht sicher, ob er Landwirt oder ­Gemüsegärtner werden möchte. Er entschied sich für die zweite Option und bereut es bis heute nicht. Auf dem Hof seiner Eltern ist er bereits für den Pflanzenschutz zuständig. An seinem ­Beruf bereiten ihm zwei Tätigkeiten besonders ­Freude: «Das Traktorfahren und das Säen von Gemüse macht mir am meisten Spass.» Und er fügt hinzu: «Ich bin eher der Freilandtyp. Im ­Gewächshaus arbeite ich dagegen weniger gerne.»

Die Zukunftspläne

Als Gemüsegärtner hat Gian- ­Luca Anker die Möglichkeit, sich als Agrotechniker oder Agrokaufmann ­weiterzubilden. Welchen Weg er wählen wird, weiss er noch nicht. Im Moment will er vor allem arbeiten und anschliessend die Rekrutenschule absolvieren. Längerfristig will er eines Tages den Hof seiner Eltern über­nehmen.

Seine Chancen bei den Swiss Skills schätzt er als mittel­ bis gut ein, da seine Konkurrenz auch aus gut ausgebildeten ­Berufsleuten besteht. Ein echter Konkurrenzkampf besteht aber nicht. Die meisten kennen sich bereits aus der Berufsschule, denn es gibt in der Deutschschweiz nur eine davon.

Mit seiner Leistung am ersten Wettkampfmorgen ist er zufrieden. Er kann sich weiterhin Chancen auf den Titel ausrechnen. Doch der Sieg ist für ihn nicht das Wichtigste. Er lebt nach dem Motto: «Mitmachen und ­dabei sein ist alles.»

Der zweite Teil der Meisterschaft findet ab dem 12. September an den Swiss Skills auf dem Bernexpo-Gelände in Bern statt. Bis dann haben die Spitzen­gärtner noch Zeit, sich in Topform zu bringen.

Berner Zeitung

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