Was der Neufeldtunnel für die Luft bringt, steht erst 2013 fest

Seit fast zwei Jahren ist der Neufeldtunnel in Betrieb. Eine Untersuchung über die Auswirkungen des Tunnels findet erst 2013 statt – zum Ärger des Komitees, das gegen die Schliessung der Halenstrasse kämpfte.

Bis im Dezember fahren die Postautos noch auf der sonst autofreien Halenstrasse. Ab dem Fahrplanwechsel ist aber auch für sie Schluss.

Bis im Dezember fahren die Postautos noch auf der sonst autofreien Halenstrasse. Ab dem Fahrplanwechsel ist aber auch für sie Schluss. Bild: Stefan Anderegg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit August 2009 fahren Autos durch den Neufeldtunnel, seit Dezember des gleichen Jahres ist die Halenstrasse für den Privatverkehr gesperrt. Und seit letztem November steht die Polleranlage an der Neubrückstrasse. All diese Verkehrsmassnahmen gehen auf den gleichen Volksentscheid zurück: 2002 sagten die Stadtberner Stimmberechtigten in einer Variantenabstimmung Ja zum Tunnel mit einer Reihe flankierender Massnahmen im Raum Neufeld–Länggasse. Viele davon sind umgesetzt. Weitere Massnahmen an der Länggassstrasse sind noch durch Einsprachen blockiert und noch nicht realisiert.

In der Abstimmungsvorlage von 2002 hatte auch gestanden, dass bis spätestens ein Jahr nach der Tunneleröffnung eine Untersuchung bezüglich Lärm und Lufthygiene hätte stattfinden müssen, also eine Erfolgskontrolle. Doch diese Untersuchung wird nun frühestens 2013 durchgeführt, wie Kantonsoberingenieur Stefan Studer sagt. Der Grund sind nebst blockierten Massnahmen die laufenden Arbeiten an der Stadttangente sowie am Wankdorfkreisel. «Beide Baustellen haben grossen Einfluss auf den Verkehr im Raum Neufeld», begründet Studer. Erst die Auswirkungen aller Arbeiten würden einen echten Vergleich mit der Situation vor dem Tunnelbau zulassen.

Ab Dezember auch Postautos

Dass noch keine Zahlen zu den Emissionen vorliegen, ärgert das Komitee, das gegen die Schliessung der Halenstrasse kämpfte – also gegen eine der flankierenden Massnahmen. «Die Schliessung hat zu viel Mehrverkehr geführt. Schon jetzt stauen sich die Autos auf der Bremgartenstrasse», sagt Präsident Stefan Freudiger. Ihn stört, dass auf der gleichen Strasse ohne durchgehende Busspur bald auch noch Postautos fahren werden. Ab Dezember wird die Halenstrasse auch für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden.

Plus eine Million Kilometer

Freudiger hat eine Hochrechnung gemacht. Gemäss dieser führt die Schliessung der Halenstrasse aufgrund von Umwegen zu mehr als einer Million zusätzlichen Auto- und Buskilometern. Als Referenz hat er eine Fahrt von Bremgarten, seinem Wohnort, ins Berner Inselspital gewählt: einmal via Neufeldtunnel, einmal via Halenstrasse. Die Differenz beträgt 2,6 Kilometer (Hin- und Rückweg). Hochgerechnet ergibt das bei 1500 Fahrzeugen pro Tag gut eine Million «Umwegkilometer».

Nun komme noch ein 600 Meter langer Umweg für Postautos hinzu. Bei 129 täglichen Fahrten pro Richtung ab Dezember entstehen laut Freudiger noch einmal gut 56000 zusätzliche Kilometer. Insgesamt kommt der Ingenieur in seiner Hochrechnung auf schätzungsweise 233 Tonnen zusätzlichen CO2 jährlich. «Das ist ökologisch doch gravierend.» Aus Sicht von Umweltschutzverbänden wiederum war die Schliessung der Halenstrasse unabdingbar, um die Länggasse von Durchgangsverkehr, Lärm und CO2-Belastung zu befreien.

Gut 3600 Autos mehr

Wie sich Lärm und Emissionen tatsächlich entwickelt haben, wird erst die Untersuchung 2013 zeigen. Aktuelle Zahlen gibt es lediglich zu Frequenzen. So fuhren laut dem städtischen Tiefbauamt vor der Eröffnung des Neufeldtunnels rund 8000 Fahrzeuge täglich über die Bremgartenstrasse. Heute sind es 11600. Auf der Brüggbodenstrasse in Richtung Stadt waren es im Jahr 2004 9800 Fahrzeuge täglich, nun sind es deren 11600. Der Einfluss der Bauarbeiten auf der Autobahn auf diese Zahlen ist unbekannt.

Der Kanton erstellt laut Kantonsoberingenieur Studer zurzeit das Konzept für die Untersuchung. Die Stadt und das Bundesamt für Strassen sind miteinbezogen. Die Daten sollen schliesslich mit jenen verglichen werden, die dem Umweltverträglichkeitsbericht aus dem Jahr 1999 zugrunde liegen. Die damalige Koordinationsstelle für Umweltschutz verlangte, dass die Massnahmen die Verkehrsemissionen insgesamt reduzieren oder zumindest emissionsneutral sein müssen. «Wenn sich herausstellen sollte, dass die Schliessung der Halenstrasse ökologisch unverantwortbar ist, müsste sie der Regierungsrat wieder öffnen», findet Freudiger. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.07.2011, 06:27 Uhr

Länggass-/Bremgartenstrasse

Ampel statt Kreisel Am Knoten Länggassstrasse/Halenstrasse/ Bremgartenstrasse sollen Ampeln den heutigen Kreisel ersetzen. Auch diese Massnahme geht letztlich auf die Abstimmung von 2002 zurück. Mit der Interpellation «Lichtsignalanlage, ein millionenschweres Planungsrelikt?» fragte die Fraktion der Grünliberalen Partei kürzlich nach, ob diese Ampelanlage noch nötig sei. Sie stützte sich darin auf Aussagen des Oberingenieurkreises, laut denen der Knoten nach Abschluss der Massnahmen in der Länggasse ein «geringes Verkehrsaufkommen» zu bewältigen habe.
Der Gemeinderat hält in seiner Antwort an der Ampel fest. Er sei nicht der Meinung, dass das Verkehrsaufkommen gering sei. Auf der Bremgartenstrasse sei aufgrund der Schliessung der Halenstrasse und der Dosierung an der Neubrückstrasse mit «einer deutlichen Verkehrszunahme» zu rechnen. Eine Ampel stelle eine optimale Verkehrsdosierung für die Länggasse sicher. So könne eine Ampel bei Überlastungen im Länggassquartier die Autos ausserhalb des Wohngebiets zurückhalten, ohne dass der Busverkehr stark beeinträchtigt werde. Der Gemeinderat weist zudem darauf hin, dass es beim Kreisel zu auffällig vielen Velounfällen komme. Die Ampeln sollen 1,1 Millionen Franken kosten.
Anfang Juli reichten GLP und SP/Juso im Stadtrat eine als dringlich erklärte Motion ein, die den Verzicht der Anlage fordert. Eine Verkehrsdosierung könne auch mit dem Kreisel erreicht werden. Der Veloverkehr würde mit Ampeln benachteiligt, weil Zwangshalte nötig würden.wrs

Verkehrsmassnahmen Neufeld

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Hammerschlag für die Kunst: 15 Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka arbeiten im Kunstsilo in Emmen für die Ausstellung «Ich bin hier». (21. September 2017)
(Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey) Mehr...