Warum der Hans einen grossen Hosenlatz hat

Hans von Thann, die hölzerne Glöcknerfigur im Zytgloggeturm, muss wegen eines morschen Beins restauriert werden. Warum hat der goldige Hans von Thann eigentlich einen so auffällig Hosenlatz?

Der auffällige Hosenlatz der Zytgloggeturm-Figur warf bei den Lesern Fragen auf.

Der auffällige Hosenlatz der Zytgloggeturm-Figur warf bei den Lesern Fragen auf. Bild: Beat Mathys

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Die grosse Lindenholzfigur mit Helm und Harnisch entstand ums Jahr 1470. Damals war es modisch, dass Männer Schamkapseln trugen. Diese waren hohl, waren aus mehreren Stoff- oder Lederschichten gefertigt und oft mit Stroh und Pferdehaar ausgestopft.

Der Leerraum schützte die Genitalien vor Reibung und möglichen Schlägen. Denn damals hängten die Männer alle möglichen Utensilien an den Gürtel, wie etwa Schwerter, Dolche und schwere Geldbörsen. Zu jener Zeit gab es keine Hosentaschen. Deshalb wurden auch die Schamkapseln selber oft als praktischer Ort genutzt, an dem man Dinge verstaute.

Brayette als Schutz

Die Schamkapsel war oft farblich von der Hose abgehoben, manchmal sogar mit Bändern und Schleifen geschmückt. Die Form des Polsters variierte je nach dem Geschmack des Trägers. So gab es runde Polster, aber auch solche in Bananen- oder Gurkenform. Ein Genitalschutz war auch bei Ritterrüstungen üblich. Der Schutz musste allerdings zum Urinieren und zum Reiten leicht abnehmbar sein.

Einige Historiker sind der Meinung, dass die Schamkapsel ursprünglich entwickelt worden sei, weil die mit Spiessen bewaffneten Ritter – die sogenannten Pikeniere – ihre Feinde vorzugsweise in die ungeschützten Genitalien gestochen hätten. Doch die in der Schweiz häufig Braguette oder Brayette genannte Kapsel diente ganz klar auch zum Imponieren: Wer einen Harnisch mit einer möglichst grossen Brayette trug, demonstrierte damit seine Potenz – wie das vermutlich auch die Figur des geharnischten Hans von Thann tun soll.

Die Kirche kritisierte übrigens diese Betonung des männlichen Genitals heftig, aber erfolglos. Erst Ende des 16. Jahrhunderts verschwand die Schamkapsel von allein – weil sie aus der Mode kam. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.11.2013, 11:50 Uhr

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