Wankdorf-Center: Mehr Gastronomie – aber weniger Mode

Bern

Das Einkaufszentrum im Stade de Suisse feiert sein zehnjähriges Bestehen. Die Hauptmieterin Coop ist mit den Umsatz- und Besucherzahlen zufrieden. Demnächst kommt es zu diversen Mieterwechseln.

Flippernd feiern: Peter Baumgartner von Coop lancierte gestern die Aktivitäten zum 10-Jahr-Jubiläum des Wankdorf-Centers.

Flippernd feiern: Peter Baumgartner von Coop lancierte gestern die Aktivitäten zum 10-Jahr-Jubiläum des Wankdorf-Centers.

(Bild: Stefan Anderegg)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Mantelnutzung. So hiess das Zauberwort vor einem Jahrzehnt. In der Schweiz hielt das Konzept Einzug, dass die Hülle eines Fussballstadions als Einkaufszentrum und für Büros genutzt wird. Der nach diesem Konzept erstellte Basler St.-Jakob-Park wurde im Jahr 2001 eröffnet. Im August 2005 folgte das Wankdorf-Center im Stade de Suisse in Bern.

Am Dienstag zogen die Verantwortlichen Bilanz: «Wir haben die vor zehn Jahren gesteckten Ziele erreicht», sagte Peter Baumgartner. Er ist Leiter Einkaufszentren bei Coop Region Bern und in Personalunion Leiter des Wankdorf-Centers. Er betont, dass die Besucherzahl zwischen 2006 – dem ersten vollen Betriebsjahr – und 2014 um 19,5 Prozent gestiegen sei. Im vergangenen Jahr zählte das Wankdorf-Center 2,7 Millionen Besucher. Diese werden bei den Eingängen durch einen Sensor gezählt.

Umsätze nehmen zu

Umsatzzahlen gibt Coop dagegen nicht bekannt. Baumgartner sagt bloss, dass die Umsätze aller eingemieteten Detaillisten zwischen 2006 und 2014 um 20 Prozent gestiegen seien. Kleinere Umsatzrückgänge verzeichnete das Einkaufszentrum im Juli 2008, als es wegen der Fussball-EM an drei Tagen geschlossen war, und von 2009 bis 2011 wegen des Baus des Wankdorfkreisels.

Die Eröffnung des Migros-Einkaufszentrums Westside habe das Wankdorf-Center dagegen kaum gespürt, so Baumgartner.

Besitzer des Wankdorf-Centers – ohne den Stadionbereich – sind drei UBS-Fonds. Coop ist Generalmieterin und vermietet 46 Prozent der Fläche an Detailhändler, die Teil der Coop-Gruppe sind. Dazu gehören der Coop Megastore, Interdiscount, Fust, die Bijouteriekette Christ sowie die Import-Parfümerie. 54 Prozent der Fläche haben andere Anbieter gemietet. Wichtige Untermieter sind die Modeketten Zara und C&A sowie der Sportartikelhändler Athleticum.

Mieterwechsel stehen an

Die Untermieter unterzeichnen jeweils Fünfjahresverträge. Ende August läuft eine solche Periode aus. Deshalb wird es in nächster Zeit zu diversen Mieterwechseln kommen. So werden die Modeketten Esprit und Zero ausziehen. Die Flächen der beiden Anbieter übernimmt das spanische Label Bershka, das wie Zara zur Inditex-Gruppe gehört.

Mit Chicorée und Tally Weijl haben zwei weitere Modeketten ihren Vertrag nicht verlängert. Auch der Kopierdienstleister Copy Quick schliesst seine Filiale. Die Suche nach Nachmietern läuft noch. Anbieter von Herrenmode oder von Spielsachen wären Wunschmieter von Baumgartner.

Potenzial in der Gastronomie

Auch der Musik- und Buchhändler Ex Libris wird aus dem Wankdorf-Center ausziehen. Hier dürften zwei Gründe eine Rolle gespielt haben. Ex Libris leidet unter den schrumpfenden Umsätzen im Musikgeschäft. Zudem gehört das Unternehmen zur Migros-Gruppe. Auf der frei werdenden Fläche wird der neu gegründete Gastroanbieter Hua Guan chinesisches Essen anbieten.

Bereits im 2014 ersetzte mit dem Sandwichanbieter Subway ein Gastronomiebetrieb eine Modekette. Peter Baumgartner glaubt nicht, dass diese Kündigungen ein Indiz dafür sind, dass das Wankdorf-Center für die Detaillisten zu wenig attraktiv ist. Laut ihm sind die Gründe für die Kündigungen jeweils unternehmensspezifisch.

Umgekehrt sieht er im Wankdorf-Center noch viel Potenzial für Gastroanbieter. Dies weil die SBB und die Post kürzlich ihre Hauptsitze im Wankdorfquartier eröffnet haben. Im nächsten Jahr wird zudem das Verwaltungszentrum Guisanplatz des Bundes seinen Betrieb aufnehmen.

Zudem verpflegen sich schon heute viele Studierende diverser Schulen im Nordquartier gerne im Wankdorf Center. Heute belegen Gastroanbieter 8 Prozent der Fläche im Stade de Suisse. «Ich könnte mir vorstellen, dass es einmal 15 Prozent sein werden», sagt Baumgartner.

«Einkaufen als Erlebnis»

Zwei Entwicklungen beobachtet Baumgartner genau: Mit der Eröffnung des Post-Parcs beim Berner Bahnhof wird das Angebot an Verkaufsflächen im Kanton Bern weiter zunehmen. Hinzu kommt, dass der Detailhandel unter der Konkurrenz im Internet und dem Einkaufstourismus leidet. Dies hat zur Folge, dass die Mietpreise für Detailhandelsfläche unter Druck kommen.

Dennoch ist er auch für die nächsten zehn Jahre optimistisch: «Wir haben einen guten Mietermix und freundliches Personal. Und mit unseren Veranstaltungen wollen wir das Einkaufen zum Erlebnis machen. Dies kann das Internet nicht bieten.»

Das Jubiläum

Das Wankdorf-Center feiert bis zum 29.August sein zehnjähriges Bestehen. Unter anderem mit Aktivitäten rund um Flipperkästen und einem Konzert der Berner Band Span, das am kommenden Freitag um 18 Uhr stattfindet.

Berner Zeitung

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