Bern

Virtuoser Pianist im Belle Epoque

BernDer deutsche Starpianist Dirk Raufeisen gibt im Hotel Belle Epoque in Bern nicht nur Konzerte. Der Jazzmusiker arbeitet im Viersternbetrieb nebenbei noch als «Mädchen für alles».

Dirk Raufeisen ist nicht nur begnadeter Jazzpianist, sondern im Hotel Belle Epoque auch «Mädchen für alles».

Dirk Raufeisen ist nicht nur begnadeter Jazzpianist, sondern im Hotel Belle Epoque auch «Mädchen für alles». Bild: Stefan Anderegg

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Freundlich begrüsst er die neu eingetroffenen Hotelgäste an der Rezeption. Wenig später eilt er auf die Terrasse, serviert Getränke. Bei Engpässen hilft er in der Küche, am Feierabend rückt er auch Tische und Stühle zurecht, und taucht im Hotel Belle Epoque ein Computerproblem auf, ist er der richtige Mann zur Behebung des Problems. Die gute Seele des Hotels, der Mann für alle Fälle, heisst Dirk Raufeisen. Der geborene Gastronom.

Nein, das ist er nicht. Der 47-jährige gebürtige Deutsche aus Hanau ist eigentlich Berufsmusiker. Nicht irgendeiner. Raufeisen ist Jazzpianist, er arbeitet international mit Leuten, die wie er selber in der Champions League spielen. Am 13.November steht er im Belle Epoque weder an der Rezeption noch in der Küche, noch räumt er Tische ab. Ab 19 Uhr sitzt er am Piano und gibt als Mitglied des Trios Two for One ein Konzert.

Die beiden anderen Bandmitglieder sind die Ausnahmekönnerinnen Lindy «Lady Bass» Huppertsberg, Europas angesagteste Bassistin, und Carola «Noisy Mama» Grey, Deutschlands Schlagzeugerin Nummer eins. Dirk Raufeisen, der es musikalisch ebenfalls faustdick hinter den Ohren hat, gibt sich bescheiden und sagt bloss: «Ich habe mit vielen fantastischen Musikern zusammengespielt.»

Woode, Antolini, Raufeisen

Mit 6 Jahren lernte Dirk Raufeisen Gitarre spielen. Bereits zwei Jahre später wechselte er die sechs Saiten mit 88 Tasten. «Ich hatte eine klassische Ausbildung, und meine Lehrerin war sehr streng», erzählt er. Ausbilden liess er sich auch am Bass und am Schlagzeug. Als er 22 Jahre alt war, spielte der Pianist erstmals mit der Bassistin Huppertsberg und dem US-Drummer Tommie Harris am jährlich stattfindenden Hot Jazz Festival at Sea, auf einem Schiff im Mittelmeer.

Es dauerte nicht lange, bis auch andere Jazzgrössen auf den jungen Raufeisen aufmerksam wurden. Etwa der 2005 verstorbene amerikanische Bassist Jimmy Woode, der unter anderem mit Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Miles Davis und Duke Ellington gespielt hatte. Woode hatte einen einfachen Geschmack: Er war mit den Besten zufrieden. 1994 gründete er die Band Super-Trio – mit Charly Antolini am Schlagzeug und Dirk Raufeisen am Klavier.

Liebe zur Gospeltradition

Raufeisen selbst hat auch Formationen gegründet, etwa das Trio Jazzfingers. Und er hat musikalisch noch eine andere Liebe: Gospels. Vor drei Jahren initiierte er mit Walter Däppen The Dirk Raufeisen Singers. Im Mittelpunkt steht die amerikanische Gospeltradition. «Wir singen sowohl alte Standards als auch modernere poppige Titel, die hierzulande nicht so bekannt sind», meint Raufeisen. Die Gruppe ist länderübergreifend und besteht aus etwa dreissig Mitgliedern aus der Schweiz und Deutschland. Alljährlich organisieren Däppen und Raufeisen zudem Gospelworkshops an der Lenk.

Meister am Piano und am PC

Dirk Raufeisen gibt im In- und Ausland und im Belle Epoque Konzerte. Aber wie kommt ein gefragter Pianist aus Deutschland dazu, seit einem Jahr als Angestellter in einem Berner Hotel «Mädchen für alles» zu spielen? «Den 30. Dezember 2003 vergesse ich nie», erzählt Raufeisen, der damals in Frankfurt lebte und zu Besuch in Bern war. «Ich spazierte durch die Altstadt und wurde auf ein Glas Wein ins Belle Epoque geführt.»

Als er sich im Gespräch mit der ebenfalls aus Deutschland stammenden Barchefin als Jazzpianist geoutet habe, sei diese plötzlich verschwunden. «Dann kommt sie mit dem damaligen Hoteldirektor Jürg Musfeld zurück, der mich fragt, ob ich am nächsten Tag, also an Silvester, spielen würde.» Raufeisen sagte zu – und besuchte in der Folge bei seinen Bern-Aufenthalten regelmässig das Hotel.

Und als im Belle Epoque einmal ein PC-Problem auftrat, wurde es von Raufeisen gelöst. Er anerbot sich auch für andere Hilfeleistungen. Da er sich nicht nur ins Hotel, sondern auch in die Stadt Bern verliebt hatte, zog er vom hessischen Ortenberg an den Nydeggstalden, wo er heute mit seiner Frau wohnt.

Konzerthinweise: 13.11. Trio Two for One (19 Uhr); 25. bis 28.11. Pianofestival Offstage, Luzern; 19.12. Bags Groove, Belle Epoque; 31.12. (ebenda): Dirk Raufeisen & Tommie Harris (19.30 Uhr). (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.11.2014, 19:31 Uhr

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