Grossaffoltern

Viel Geld für wenige Hochbegabte

GrossaffolternDie Gemeinde Grossaffoltern setzt den letzten Willen der verstorbenen Greti Huldi um: Sie hat eine Stiftung zur Förderung von Hochbegabten gegründet. 1,2 Millionen Franken liegen bereit – die Verteilung dürfte sich aber eher schwierig gestalten.

Brachte 1,2 Millionen ein: Die Gemeinde Grossaffoltern erbte und verkaufte dieses Mehrfamilienhaus in Safnern. Das Geld ist für Gescheite gedacht.

Brachte 1,2 Millionen ein: Die Gemeinde Grossaffoltern erbte und verkaufte dieses Mehrfamilienhaus in Safnern. Das Geld ist für Gescheite gedacht. Bild: Urs Baumann

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Greti Huldi war reich, kinderlos und verbrachte praktisch ihr ganzes 100-jähriges Leben in Grossaffoltern. 2011 starb die Frau und vermachte der Gemeinde ein Achtfamilienhaus in Safnern. Grossaffoltern verkaufte die Liegenschaft für 1,2 Millionen Franken. Geld, das nicht etwa die marode Gemeindekasse sanieren würde, nein, Greti Huldi hat im Testament klar deklariert, wofür der Erlös der Liegenschaft eingesetzt werden soll: Für die Förderung besonders begabter Kinder.

Dieser letzte Wille brachte den Grossaffolter Gemeinderat ins Schwitzen – er hätte es lieber gesehen, wenn alle Schüler im Dorf von Huldis Hinterlassenschaft profitieren könnten. Weiter erwies sich der Wunsch der Verstorbenen, dass eine zu gründende Stiftung diese Aufgabe zu übernehmen habe, als schwierig.

Die Hürden sind hoch

«Es war eine spezielle Übung», sagt Gemeindepräsident Niklaus Marti (BDP). «Wir mussten uns während der juristischen Verhandlungen den Einfluss auf die Geldverteilung richtiggehend erkämpfen.» So wollten der Erbvollstrecker wie auch der Kanton eine selbstständige Stiftung ins Leben rufen. «Dann hätten wir als Gemeinde aber nichts mehr zu melden gehabt», so Marti. Doch der Gemeinderat konnte sich durchsetzen und hat eine unselbstständige Stiftung errichtet. Heisst, der Gemeinderat ist gleichzeitig Stiftungsrat. «Wir entscheiden also, wer von Huldis Geld profitiert», sagt Marti. Und nach Greti Huldis Willen sind dies nur die Besten der Besten.

Ein Stiftungsausschuss hat die Richtlinien erarbeitet, sie sind seit Anfang Jahr in Kraft und streng: Angesprochen sind Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer (attestierten!) speziellen Begabung in ein Förderprogramm aufgenommen werden, Beruflernende mit herausragender Leistung an Meisterschaften wie den Swiss Skills oder Studenten an einer Hochschule für Künste, die weiterführende Meisterkurse absolvieren wollen.

Auch im Bereich Sport sind die Hürden hoch: Bewerben dürfen sich lediglich Inhaber einer Swiss Olympic Card, also Athleten von nationalen Verbänden mit einem Nachwuchsförderkonzept. Wer eine nicht olympische Sportart ausübt, muss über ein Top-3-Resultat an kantonalen oder nationalen Wettkämpfen verfügen.

Der Aufwand war gross

Wer jetzt denkt: Das geht ja alles noch, liegt falsch. Weil die wohl einschränkendste Bestimmung ist diese: Nur Personen bis zum 25.Lebensjahr mit Wohnsitz in Grossaffoltern dürfen sich um einen Batzen bewerben. Gemeindepräsident Marti gibt unumwunden zu: «Das werden nicht viele sein.» Er schätzt den Anteil auf ein Promille; bei aktuell 2900 Einwohnern sind dies knapp drei Personen. «Das kann sich wieder ändern. Die Prognose ist gewagt, da wir über keine entsprechenden Daten verfügen.»

Immerhin, eine erste Bewerbung ist bereits eingegangen. Von wem, das will Marti nicht preisgeben. «Aber wir werden der Person Geld zusprechen.» Im Schnitt würden Beträge zwischen 5000 und 10000 Franken gesprochen, die Empfänger müssen ihre Ausgaben belegen. Bei der geringen Anzahl von Bewerbern wird es lange dauern, bis Huldis Geld aufgebraucht ist.

Niklaus Marti ist froh, kann er dieses Geschäft nun abschliessen. Sein Fazit: «Wir mussten einen ziemlichen Aufwand betreiben, um Greti Huldis letztem Willen gerecht zu werden.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 31.01.2015, 11:16 Uhr

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