Verdiente Ferien

Ostwärts

Abenteuer auf zwei Rädern: Die pensionierte Journalistin Laura Fehlmann fährt mit dem Velo über 6000 Kilometer quer durch Russland.

Die ehemalige BZ-Redaktorin Laura Fehlmann ist mit ihrem Velo auf dem Weg quer durch Russland. Von Kiew an den Baikalsee sind es rund 6150 Kilometer.

Die ehemalige BZ-Redaktorin Laura Fehlmann ist mit ihrem Velo auf dem Weg quer durch Russland. Von Kiew an den Baikalsee sind es rund 6150 Kilometer.

(Bild: Raphael Moser)

Unsere Schifffahrt über die Angara hat erstaunlicherweise geklappt und war ein tolles Erlebnis. Danach starten Burger und ich auf einer einsamen Nebenstrasse Richtung Irkutsk. Es ist bewölkt. Stundenlang sehen wir kein Dorf. Nur selten überholen uns Autos, und immer wieder stehen Rinder oder Schafe auf der Strasse.

So romantisch ist Sibirien – bis es richtig zu regnen beginnt und wir nach Stunden auf eine schlammige Dorfstrasse zur einzigen Unterkunft eines Orts an der Transsib kommen. Leider gibt es in der Pension nichts zu essen, also wieder aufs Velo und durch den Schlamm radeln, um einzukaufen.

Endlich satt und trocken im Bett, muss ich aufs WC und stelle fest, dass das Bad unter Wasser steht. Regen tropft durch die Gipsdecke, sie löst sich auf und fällt als Teig herunter. Die Dame von der Rezeption bringt zwei Lappen, die wir auf den Boden legen.

Am nächsten Tag gehts weiter. Abends zelten wir, fahren in aller Frühe wieder los und kämpfen uns stundenlang durch dichten Nebel. Wenigstens fahren jetzt sogar die russischen Automobilisten anständig.

Von Kiew an den Baikalsee: Rund 6150 Kilometer quer durch Russland. Quelle: Google Maps

Nach knapp sieben Stunden erreichen wir Irkutsk, die Sonne brennt, und ich bin hungrig. Sechs Stunden Rad fahren verbraucht rund 2000 zusätzliche Kalorien. Ich brauche Nahrung, sonst werde ich zittrig und grantig.

Essen ist in Russland fast immer ein Vergnügen. Nur sind Läden oder Restaurants oft rar. Mit Glück findet sich eine Stolovaja, eine Selbstbedienungskantine, die sich auch die Russen leisten können. Wir schlagen uns die Bäuche voll mit Piroggen, Salat, Fleisch und Kartoffeln. Köstlich. In mir steigt erstmals Ferienstimmung auf.

Der Endspurt unserer Reise steht noch aus: Die 70 Kilometer lange Fahrt zum Baikalsee. Bei fast 30 Grad setzen wir uns auf die Sättel und kommen auf der Autobahn gut voran. Dann wird die Strasse schmal, und es geht auf und ab mit Steigungen von 6 bis 15 Prozent.

Plötzlich, nach 65 qualvollen Kilometern, streift mich ein kalter Hauch. Die Luft wird herrlich frisch. Burger und ich treten in die Pedale. Trotz Sonnenschein fröstelt es mich.

Aus dem Angarafluss neben der Strasse wird ein See, der Baikalsee. Emotionen packen mich. Wir biegen auf einen Platz ein, stellen die Velos ab, ziehen uns aus und tauchen ins glasklare, eiskalte Wasser ein. Für diesen Moment haben wir 6000 Kilometer zurückgelegt. Endlich Ferien.

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