Vegan zum Sieg: BZ-Journalistin gewinnt Medienpreis

In eigener Sache

Am Mittwoch konnte BZ-Redaktorin Claudia Salzmann den Swiss Press Award in der Kategorie «Online» entgegen nehmen. Damit wurde ihr einmonatiger Vegan-Selbstversuch geehrt.

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«Fühlt sich dieser Gewinn besser an, als in einen veganen Kuchen zu beissen?», fragte Mireille Jaton, Moderatorin des Swiss Press Awards. Die Antwort von Claudia Salzmann kam schnell und mit einem Lachen: «Natürlich!»

Einen Monat lang hatte sich die BZ-Redaktorin im vergangenen Oktober vegan ernährt, sich mit Fleischessern gestritten, Restaurants getestet, mit Aktivisten gesprochen oder sich an einen veganen Stammtisch gesetzt. Am Mittwochabend wurde sie für die resultierende Multimedia-Onlinereportage mit dem Swiss Press Award geehrt. Der Preis wird von der Fondation Reinhardt von Graffenried an Medienschaffende im Bereich Lokaljournalismus verliehen und ist mit 20'000 Franken dotiert.

«Der Entscheid war sehr knapp, aber einstimmig», sagte Jury-Mitglied und Journalist Nick Lüthi nach der Preisverleihung im Hotel Bellevue. Das Thema Veganismus sei heute in aller Leute Munde. «Eigentlich reagiere ich als Fleischesser auf diesen Hype allergisch – aber die Reportage war erfrischend nüchtern.» Zudem habe die BZ-Redaktorin die verschiedenen Online-Formate wie Videos oder Karten vielfältig genutzt.

Käse am meisten vermisst

Der globale Trend war bei Claudia Salzmann dann auch der Grund für das Interesse. «Wir bekamen immer wieder Pressemitteilungen zugeschickt, die meine Neugierde weckten», sagte sie. «Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, ass jeden Tag mehrmals Fleisch und war überhaupt nicht sensibilisiert auf das Thema.» Das Fleisch hat die Redaktorin beim Selbstversuch zu ihrem Erstaunen aber am wenigsten vermisst. «Käse war viel schwieriger», sagte sie. «Will man Käse und Milchprodukte wirklich vermeiden, muss man jede Packungsbeilage studieren.»

Einmal habe sie gesündigt – mit einer YB-Wurst. Ganz extrem habe sie zudem nicht gelebt: «Ich hätte theoretisch auch keine Lederjacke tragen können, hätte neues Putzmittel kaufen müssen und nicht rauchen dürfen.» Beim Putzmittel wäre jedoch ihre WG auf die Barrikaden gegangen, da die Mitbewohner dem Experiment sowieso kritisch gegenüber standen. «Ich hatte noch nie so viel Krach wie in diesem Monat», erinnert sich Claudia Salzmann.

Die teils heftigen Reaktionen haben sie erstaunt. «Ich glaube, dass die Leute eigentlich wissen, dass Veganer recht haben: Sich so zu ernähren, ist gesund und sicher besser für die Umwelt. Und deshalb reagiert man mit einer Abwehrhaltung.»

Seit dem Selbstversuch isst die Bernerin wieder Fleisch, aber viel weniger. «Ich habe seither nur etwa fünf Mal Fleisch gekocht», sagt sie. «Aber ich nehme gerne in einem Restaurant mal ein gutes Steak.»

Die weiteren Sieger

Neben Claudia Salzmann gewannen noch zwei weitere Deutschschweizer sowie ein Tessiner die Swiss Press Awards. In der Kategorie Print siegte Carlo Silini vom «Corriere del Ticino». Er hatte sich mit den psychischen Konsequenzen eines Hauseinsturzes auseinandergesetzt. Den Preis in der Kategorie Radio holten Silvio Liechti und sein Team vom Radio SRF, in der Kategorie TV siegte Raphael Amrein von der SRF-Sendung «Schweiz aktuell». Schweizer Fotograf das Jahres wurde der Waadtländer Yvain Genevay.

Neben den vielen Journalisten gab es auch zwei Ehrengäste: Während Mundartrocker Polo Hofer sein neues Lied «Schurni-Blues» zum Besten gab, lobte Bundesrat Alain Berset qualitativ guten Lokaljournalismus: «Ich glaube, es ist sehr wichtig, neugierig zu sein», sagte der Bundesrat.

Berner Zeitung

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