Bern

Ursula Marti: «Als Präsidentin bin ich Moderatorin»

BernUrsula Marti (SP) ist gestern Abend einstimmig zur Präsidentin des Stadtrats und damit zur höchsten Stadtbernerin gewählt worden. Sie hat die Parlamentspräsidenten der Nachbargemeinden eingeladen – als bewusstes Zeichen.

Die neue Stadtratspräsidentin Ursula Marti nach ihrer glanzvollen Wahl.

Die neue Stadtratspräsidentin Ursula Marti nach ihrer glanzvollen Wahl. Bild: Christian Pfander

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Als Stadtratspräsidentin setzen Sie bei der aktiven Stadtpolitik quasi ein Jahr aus. Ist das ein Problem für Sie?
Ursula Marti: Ich wusste ja im Voraus, dass das ein Nebeneffekt sein wird. Ein bisschen reut es mich tatsächlich, denn ich politisiere gerne aktiv. Aber das Amt ist eine einzigartige Chance und ist auf ein Jahr begrenzt. Ich freue mich darauf.

Wie gross sind Ihre Einflussmöglichkeiten als höchste Stadtbernerin auf den Ratsbetrieb?
Die sind begrenzt. Das Reglement regelt den Betrieb, ich bin die Moderatorin. Was ich beisteuern kann: Ich kann die Sitzungen gut vorbereiten und sie übersichtlich und speditiv leiten. Aber ein bisschen Einfluss bleibt dennoch: etwa bei repräsentativen Aufgaben wie der 1.-August-Rede.

Wie haben Sie sich auf die Aufgabe vorbereitet?
Ich konnte während der Zeit als 1.Vizepräsidentin in die Aufgabe hineinwachsen. Im letzten Jahr habe ich als Stellvertreterin von Vania Kohli ja schon eine Sitzung geleitet.

Sie haben seit zehn Jahren ein eigenes Büro für Kommunikationsberatung. Welche Kommunikation braucht es im Stadtrat?
Eine respektvolle Kommunikation. Auch dann, wenn man politisch anderer Meinung ist.

Es ist Wahljahr. Da dürfte der eine oder andere Vorstoss eingereicht werden, der auf blosse Aufmerksamkeit zielt. Können Sie da Einfluss nehmen?
Das wird kaum möglich sein. Aber es ist nicht nur in einem Wahljahr so, dass auch politisiert wird, um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es ist einfach schade, weil wertvolle Sitzungszeit verloren geht, die ich viel lieber für die wesentlichen Geschäfte verwenden würde.

Sie haben sich politisch vor allem in den Bereichen Agglopolitik und Bildung sowie in Ihrem Wohnquartier, der Länggasse, engagiert. Werden Sie nach dem Jahr als Stadtratspräsidentin dort anknüpfen?
Ja, ich werde versuchen, nahtlos weiterzumachen. Jedenfalls kandidiere ich im Herbst wieder als Stadträtin. Ich mache jetzt einfach einen einjährigen Rollentausch

Sie haben gestern die Parlamentspräsidenten von Köniz, Ostermundigen, Zollikofen und Muri-Gümligen eingeladen. Was wollen Sie damit erreichen?
Exekutivpolitiker tauschen sich in der Regionalkonferenz aus. Unter Parlamentariern fehlt ein solcher Austausch aber bisher. Dabei ist es doch so: Immer mehr Geschäfte, sei es im Bereich Dienstleistung, Verkehr oder Infrastruktur, laufen grenzübergreifend. Ein gutes Beispiel ist die Sporthalle Weissenstein, für die Bern und Köniz zusammenspannten. Mit der Einladung will ich ein Zeichen setzen, dass man sich gegenseitig wahrnimmt.

Sie sind selber im Seeland aufgewachsen. Hatten Sie damals noch eine andere Sicht auf die Stadt Bern?
Soweit ich mich erinnere, nicht. Weil ich nicht in Bern aufgewachsen bin, konnte ich mir vielleicht etwas Aussensicht bewahren. Aber ich hatte schon vorher keine schlechte Meinung von der Stadt (lacht). (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.01.2012, 07:20 Uhr

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Personalia

Im Berner Stadtrat kommt es zum Start des Wahljahres zu einigen personellen Wechseln:

- Auf die auch im Rat zurücktretende Vania Kohli (BDP) wird im Stadtrat ihr Sohn Philip folgen, der bei den Grossratswahlen 2010 für die BDP antrat (wir berichteten).

- Auf Broncos-Chef Jimy Hofer, der per sofort aus dem Stadtrat zurückgetreten ist (siehe gestrige Zeitung), folgt Werner Pauli, der 2008 auf Hofers Liste kandidierte. Der jüngste bekannt gewordene Rücktritt ist der 34. in der laufenden Legislatur.

- Für den zurücktretenden Yves Seydoux (FDP) rückt der 40-jährige Peter Erni nach.

- Angekündigt ist bereits auch der Rückzug von Henri-Charles Beuchat (CVP).

Wie das Präsidium wählte der Stadtrat auch sämtliche Kommissionspräsidenten und deren Vize einstimmig:

- Präsident der Aufsichtskommission (AK) wird Claude Grosjean (GLP), Vizepräsidentin Nicola von Greyerz (SP).

- Die Kommission für Finanzen, Sicherheit und Umwelt (FSU) wird 2012 von Sonja Bietenhard (BDP) präsidiert. Vizepräsidentin ist Rahel Ruch (JA!).

- Daniel Klauser (GFL) steht der Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS)vor. Vizepräsident ist Mario Imhof (FDP).

- Das Präsidium der Kommission für Soziales, Bildung und Kultur (SBK) leiten Präsidentin Lea Kusano (SP) und Vize Roland Jakob (SVP).

Von Kohli zu Marti

«La reine est morte, vive la reine»: Mit diesen Worten verabschiedete sich Vania Kohli (BDP), Stadtratspräsidentin 2011, aus ihrem Amt und begrüsste ihre Nachfolgerin Ursula Marti (SP). Kohli, die auch aus dem Stadtrat zurücktritt, wurde mit Applaus verabschiedet. Marti wurde einstimmig und mit Applaus ins Amt gewählt.

In ihrer Antrittsrede empfahl Ursula Marti den Stadträten, sich mal in die Sicht eines Touristen zu versetzen. Ziel müsse es sein, dass ein Tourist nach einem Besuch einer Stadtratssitzung sagen würde: «Doch, das Parlament hat wichtige Entscheide zu fällen, die Politiker haben mich gepackt mit ihren Argumenten und kurzweiligen Voten.»

In ihrem Amtsjahr wolle sie das Stadtberner Parlament weitervernetzen, sagte Marti unter anderem in ihrer Rede (siehe auch nebenstehendes Interview). Am 29.März hat sie etwa das Könizer Parlament ins Rathaus eingeladen. Später sollen die Berner die Könizer Parlamentarier besuchen.

Zum ersten Vizepräsidenten des Stadtrats wurde Ruedi Friedli (SVP) ernannt. Zweite Vizepräsidentin ist Tania Espinoza (GFL). Beide wurden ebenfalls einstimmig gewählt.

Zur Person

Ursula Marti ist in Aarberg aufgewachsen, und sie ist mit 30 der SP beigetreten. Die 45-Jährige lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in der Länggasse. Sie ist Mitglied der Geschäftsleitung der SP Kanton Bern.

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