Und täglich grüsst das Murmeltier

Bern

Das Geheimnis um die mysteriöse Litfasssäule im Mattequartier ist gelüftet: Die ehemalige Telefonkabine hat sich heute Mittwoch als Ausstellungssatellit des Naturhistorischen Museums entpuppt.

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Die sagenumwobene Litfasssäule bei der Schifflaube im Mattequartier existiert bereits seit den 1930er-Jahren. Jahrzehntelang, bis 2001, wurde sie als Telefonkabine und zur kommerziellen Plakatierung genutzt.

Das Werk der Kunst-Guerilla

Im Sommer 2010 sorgte das Denkmal für Furore: Die selbsternannte «Kunst-Guerilla der Matte» verschaffte sich Zugang zum Innenraum und gab dort eine ominöse altarähnliche Installation zum Besten. Die Reaktion der APG (Allgemeine Plakatgesellschaft) äusserte sich in einer sofortigen Verbarrikadierung, worauf die Kunst-Guerilla die Kabine mehrmals wieder aufbrach, um sie mit neuen Installationen zu schmücken.

Eines Tages war die APG das Katz-und-Maus-Spiel leid und übergab die denkmalgeschützte Säule der Stadt. Diese sprach daraufhin dem Matte-Leist eine Sondernutzungskonzession für 30 Jahre zu. Laut dessen Vorstand, Andreas Lüthi, stellte vordergründig die Normkonformität der Stromversorgung einen Knackpunkt dar – heute wird das Mini-Museum mit einer batteriebetriebenen LED-Lampe beleuchtet.

«Kuriosenkabinett mit magischer Wirkung»

Das Naturhistorische Museum hat die Kabine nun wieder zum Leben erweckt. In dem Museumssatelliten werden wechselnde kleine Ausstellungen gezeigt. «Die Leute müssen nicht mehr ins Museum gehen, sondern können die Schätze unserer Ausstellungen auch auf der Strasse bestaunen», so Museumsdirektor Dr. Christoph Beer. Alle drei Monate soll die kleine Wunderkammer neu bespielt und ein Kuriosenkabinett dargeboten werden, das auf alle Betrachter magische Wirkung ausübe. Besonders das Herz der kleinsten Betrachter soll dabei höher schlagen.

Passend zur Saison wird als erstes ein Murmeltier beim Winterschlaf gezeigt. «Die Tage sind kurz und dunkel, und die Leute sind der kalten Jahreszeit schnell müde. Manch einer möchte sich – wie das Murmeltier – am liebsten in den Winterschlaf verkriechen», begründet Ausstellungskuratorin Dora Strahm die Wahl. Mit der Installation habe man etwas Herzerwärmendes als Tristheits-Prophylaxe geschaffen.

Anders und stets im Wandel

Die Litfasssäule soll die Philosophie des Naturhistorischen Museums wiederspiegeln. Nach der Devise: Stets in einem Wandel und anders sein. Der Matte-Standort wird kommenden März durch eine weitere Wunderkammer in einer stillgelegten Toilette bei der Wyler-Bushaltestelle erweitert.

Die Organisatoren operieren momentan in einer befristeten Kooperation von zwei Jahren. Ein Thema wird die Kabine auch bei der nächsten Museumsnacht am 21. März 2014 sein, als Ausgangspunkt einer Schnitzeljagd.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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