Umstrittenen Spez-Sek-Klassen gehts an den Kragen

Köniz

Die gymnasiale Vorbereitung am Gymer Lerbermatt soll abgeschafft werden. Das hat das Könizer Parlament am Montagabend beschlossen.

Auf verlorenem Posten: Gemeinderat Hans-Peter Kohler (FDP).

Auf verlorenem Posten: Gemeinderat Hans-Peter Kohler (FDP).

(Bild: Walter Pfäffli)

Bei dieser Vorlage ging es um jede Stimme. Und damit darum, möglichst vollzählig im Saal anwesend zu sein. Denn 21 Politikerinnen und Politiker hatten den Vorstoss unterzeichnet, der am Montagabend im Könizer Parlament zur Debatte stand. Sollten alle Leih halten, war das Geschäft angenommen. Und ein erstes klares Votum gegen die Spez-Sek-Klassen im Gymnasium Lerbermatt gefallen.

Sollte dagegen nur einer abweichen oder fehlen, auch das liess sich im Vorfeld abschätzen, war der Ausgang nicht mehr sicher. Bei 40 Sitzen konnte die Mehrheit rasch kippen.

Das Thema beschäftigt die Politikerinnen und Politiker in Köniz seit mittlerweile mehr als 20 Jahren, die Argumente blieben dabei immer die gleichen. Während die einen dafür kämpften, dass die gymnasiale Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auch in Zukunft im gymnasialen Rahmen der Schulanlage Lerbermatt stattfinden kann, sprachen die anderen von einem teuren Luxus zulasten der anderen Gymervorbereitungsklassen an den Oberstufenzentren. Wenn zu viele Kinder in die Lerbermatt abwanderten, fehlten den Oberstufenzentren die leistungsstarken Schüler für die Spez-Sek-Niveaugruppen.

Am Ende wohl das Volk

Das Geld spielte auch jetzt, da es um die Könizer Finanzen alles andere als gut steht und zum wiederholten Mal eine Steuererhöhung im Raum steht, wieder eine Rolle. Obwohl Erstunterzeichner Casimir von Arx (GLP) in seinen einleitenden Worten darauf erst an zweiter Stelle zu sprechen kam: Er könne nicht verstehen, führte von Arx aus, dass der Gemeinderat die 200'000 Franken Mehrkosten im Jahr nicht einsparen wolle. Wenn man gleichzeitig über Sparmassnahmen reden müsse, die weit schmerzlicher seien.

Zumal, so von Arx weiter, von einem Sparen im negativen Sinn die Rede sein könne. Der GLP-Politiker bemühte sich redlich, die Schliessung der Spez-Sek-Klassen in der Lerbermatt als Stärkung und nicht als Schwächung des Angebots dazustellen: Nur an den Oberstufenzentren seien durchlässige Klassen möglich, in denen die Kinder ihren spezifischen Fähigkeiten entsprechend die einzelnen Fächer mal auf Spez-Sek-Niveau und mal nur auf Sek-Niveau besuchen könnten. Am Gymnasium Lerbermatt dagegen sei keine Durchlässigkeit möglich, müsse ein Schüler, müsse eine Schülerin den ganzen Unterricht im höheren Niveau belegen.

Während von Arx die Linke und die Grünen auf seiner Seite hatten, hielten SVP und FDP genauso engagiert dagegen: Die behaupteten finanziellen Einsparungen seien so nicht erwiesen, eine Berechnung von unabhängiger Stelle gebe es nicht, führte Dominic Amacher (FDP) aus. Auch bildungspolitisch argumentierte er anders: Er sehe nicht ein, wieso das funktionierende Angebot im Gymnasium Lerbermatt zerstört werden solle. Wo es doch nicht zuletzt dank seiner Homogenität optimal auf die Matur vorbereite.

In dieser Richtung argumentierte auch Gemeinderat Hans-Peter Kohler (FDP), seit jeher ein glühender Verfechter der Spez-Sek in der Lerbermatt. Es half nichts: Mit 21 gegen 16 Stimmen bei 2 Enthaltungen stimmte das Parlament dem Vorstoss und damit der Aufhebung der umstrittenen Klassen zu. Das letzte Wort wird aber wohl das Volk an der Urne haben. Dort geniessen die Lerbermatt-Klassen erfahrungsgemäss viel Rückhalt.

Berner Zeitung

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