Über Neujahr bleiben viele Küchen kalt

Bern

Am Neujahrstag gibt es keine Partys und keine Konzerte in der Stadt, die Hallenbäder sind zu, viele Museen auch. Nur die Pizzakuriere haben ihren Spitzentag. Dank der Bestellungen von Leuten, die während des übrigen Jahres nicht Kunden sind.

Mit viel Arbeit ins neue Jahr: Für Pizzakuriere ist der 1.Januar ein besonders stressiger Tag. Wie Dieci-Pizza-Chef Petrit Himaj sagt, gehen bei ihm an Neujahr jeweils etwa 300 Bestellungen ein.

Mit viel Arbeit ins neue Jahr: Für Pizzakuriere ist der 1.Januar ein besonders stressiger Tag. Wie Dieci-Pizza-Chef Petrit Himaj sagt, gehen bei ihm an Neujahr jeweils etwa 300 Bestellungen ein.

(Bild: Andreas Blatter)

Am späten Nachmittag des 1. Januar werden an der Freiburgstrasse 111b in Bern die ersten Bestellungen hereinkommen: Pizza picante mit scharfer Salami, Pizza rustica mit Schinken und Speck und Pizza Dieci mit Rohschinken sind an Neujahr immer die Renner beim Pizzakurier Dieci. Zusätzlich zu den sechs Angestellten, die an einem normalen Werktag die Pizzas backen und ausliefern, bietet der Chef Petrit Himaj am 1. und am 2. Januar vier weitere Mitarbeiter auf. Erfahrungsgemäss liefern sie am ersten Abend im neuen Jahr rund 300 Pizzas. Das sind 30 bis 40 Prozent mehr als sonst.

Petrit Himaj wundert sich nicht über den Ansturm: «Die Leute haben über Weihnachten und an Silvester viel gegessen, viel getrunken und viel gefeiert. An Neujahr schlafen sie aus, bleiben am liebsten zu Hause in der Wärme und haben keine Lust zum Kochen», erklärt er. Gegen Abend meldet sich aber trotzdem bei den meisten der Hunger – und viele kommen dann auf die Idee, sich eine Pizza nach Hause liefern zu lassen. Etliche Anrufer an Neujahr sind keine Stammkunden, sondern Spontanbesteller, die sich einmal pro Jahr eine Pizza kommen lassen, sagt Himaj.

Grossaufgebot oder ganz zu

Es sind besonders die grossen und bekannten Pizzakuriere, die einen Spitzentag erleben. Bei der grossen Kette Pizza-Blitz macht sich der Berner Filialleiter Davor Buric auf einen Grosseinsatz gefasst: Statt 160 Pizzas wie an normalen Sonntagen wird er wohl um die 300 liefern, weiss er aus 15-jähriger Erfahrung. Er bietet deshalb ausnahmsweise acht statt fünf Kuriere auf. Auch Miro Prachar vom Pizza-Master an der Bernstrasse in Bümpliz liefert am 1. und 2. Januar jeweils doppelt so viele Pizzas wie an einem normalen Tag. Dafür bietet er sämtliche verfügbaren Autos und Angestellten auf. Ganz anders sieht es übrigens bei den kleineren Quartierpizzerias aus: Weil sie vor allem Berufstätige, Studenten und Schüler als Kunden haben, läuft an Neujahr weniger als sonst – oder sie haben ohnehin geschlossen.

Lieber italienisch als indisch

Die Bernerinnen und Berner sind an Neujahr auch eindeutig mehr erpicht darauf, sich Pizza liefern zu lassen als Sushi oder indische Currygerichte. Auch beim Berner Sushikurier an der Freiestrasse und im Curryhouse an der Freiburgstrasse rechnen die Chefs zwar mit etwas mehr Bestellungen an Neujahr. Aber ob es wirklich der Spitzentag des Jahres wird, ist unsicher.Sicher ist hingegen: Die meisten Bernerinnen und Berner mögen am 1. Januar nicht auswärts essen – ja nicht einmal beim Take-away-Anbieter vorbeigehen und ein paar fertige Häppchen abholen. So verzeichnet etwa das Tibits am Berner Bahnhof an den ersten Tagen im Jahr eine Flaute. Viele Berner Restaurants legen deshalb an Neujahr einen Ruhetag ein.

Berner Zeitung

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