Tschäppät wegen Italiener-Witzen angezeigt

Bern

Alexander Tschäppäts Auftritt als Komiker im Zelt hat nun sogar ein juristisches Nachspiel: Der Basler Anwalt Carlo Alberto Di Bisceglia hat gegen den Berner Stapi Strafanzeige eingereicht.

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Eigentlich wollte Alexander Tschäppät bei seinem Auftritt im Zelt am 12. Dezember die Leute zum Lachen bringen. Bei den Italiener-Witzen des Berner Stadtpräsidenten jedoch blieb einigen das Lachen im Hals stecken. So sehr, dass der Basler Anwalt Carlo Alberto Di Bisceglia gar den Tatbestand des Artikels 261 des Strafgesetzbuches – der sogenannten Strafnorm gegen Rassendiskriminierung – als eindeutig erfüllt sieht, wie die Nordwestschweiz am Montag berichtet.

Bei Tschäppäts Sprüchen handle es sich «um öffentliche Herabsetzungen – Diskriminierungen der Menschenwürde einer klar definierbaren ethnischen Personengruppe», heisst es in dem Gesuch um Anklageerhebung weiter.

Kritik aus Italien

Am Wochenende haben verschiedene Medien über Alexander Tschäppäts Italiener-Witze berichtet, am ausführlichsten die auflagestärkste politische italienische Tageszeitung «La Repubblica».Den prominent aufgemachten Artikel zu Tschäppäts Auftritt als Komödiant betitelte das linksliberale Blatt wie folgt: «Die Italiener? ‹Faul und klein› – die Schweiz holt den Rassismus aus der Mottenkiste» (Artikel online nicht verfügbar).

Tschäppät habe die sogenannten Tschinggenwitze aus den Zeiten der italienischen Gastarbeiter hervorgeholt, hiess es im Artikel. Zu Wort kommen liess die «Repubblica» den Berner SP-Nationalrat Corrado Pardini. Er sprach von einem «unverzeihlichen Ausrutscher» des Stadtpräsidenten. Er erinnerte auch daran, dass die Schweiz ihren Wohlstand unter anderem den italienischen Einwanderern zu verdanken habe.

Keine Entschuldigung

Tschäppät machte zwei «Witze» über unsere südlichen Nachbarn: «Wissen sie, warum die Italiener so klein sind? Weil ihnen ihre Mütter sagen: Wenn du mal gross bist, musst du arbeiten gehen.» Die zweite Äusserung, die Tschäppät zum Besten gab, lautete: «Könnt ihr euch das vorstellen? Ein Süditaliener, der zu viel arbeitet?»

Der SP-Politiker wollte bis jetzt keine Stellung nehmen. «Sollte ich die Gefühle einzelner Personen verletzt haben, dann bedauere ich das», liess er jedoch vor einigen Tagen über seinen Mediensprecher ausrichten. Dass sich Tschäppät nicht entschuldigen wolle, zeige, dass er «entweder schlecht erzogen ist oder den politischen Kompass verloren hat», fügte Corrado Pardini bei.

tan

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