Schwefelbergbad

«Transsexualität ist nicht ansteckend»

SchwefelbergbadNach ihrem Coming-out als Transsexuelle hat Claudia Meier über 400 Reaktionen erhalten. Und die Hoteldirektorin wird auf der Strasse erkannt.

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Es war ein Coming-out nach «30 Jahren Lügen und Pokerface». Anfang Jahr klärte Andreas Heribert Meier sein Umfeld darüber auf, dass er transsexuell sei und fortan als Claudia Meier leben werde. Drei Wochen sind vergangen, seit diese Zeitung über diesen Schritt berichtete. «Jeder Tag seit dem Coming-out ist wie Geburtstag und Weihnachten gleichzeitig», sagte sie damals. Und so sei es auch heute noch.

Mehr als 400 Reaktionen hat sie erhalten: E-Mails, Briefe, Anrufe. Menschen gratulieren der 42-Jährigen zum Coming-out in der exponierten Stellung als Hoteldirektorin. Sie stellen Fragen zum Thema Transsexualität und wünschen alles Gute. Oder sie verwickeln Claudia Meier in eine Diskussion, ob und inwiefern Frauen anders fühlen als Männer. Auch mit Gästen im Hotel rede sie oft über ihr neues Leben als Claudia. Dabei könne sie vielen auch erklären, dass «Transsexualität nicht ansteckend» sei, erzählt sie und lacht auf. Unter den Reaktionen sei keine einzige negative gewesen, sagt Claudia Meier. Allen habe sie zurückgeschrieben, «mit persönlicher Anrede».

Auch bei dieser Zeitung gingen mit grosser Mehrheit positive Reaktionen zum Porträt über Claudia Meier ein. Kritisch beurteilt wurde etwa der Aspekt, ob und wie viel Krankenkassen für eine geschlechtsangleichende Operation zahlen sollen. Zwei Reaktionen mit Inhalt unter der Gürtellinie waren anonym.

Auf der Strasse erkannt

Auf der Strasse wird Claudia Meier nun ab und zu erkannt. Als sie nach der Berichterstattung erstmals in Bern unterwegs war, kam im Bahnhof eine Frau auf sie zu, die ihren Kindern sagte: «Eh, schaut, da kommt Frau Meier.» Das «Migros-Magazin» verlieh Claudia Meier letzte Woche den Titel «Frau der Woche». Menschen, die sie darauf ansprachen, dass ihr Coming-out ein PR-Gag für den Hotelbetrieb sei, entgegnet sie: «Überlegen sie sich doch einfach, ob sie mit so etwas spassen würden.»

An der Arbeit im Hotel habe sich nichts geändert. Buchungen hätten weder zu- noch abgenommen. Ein grosses Unternehmen hat einen Kongress abgesagt. Ob das mit dem Coming-out zu tun hat, ist völlig unklar. Den Grund hat Claudia Meier auch auf Nachfrage bisher nicht erfahren.

Wunsch nach neuer ID

Nach wie vor hat sie regelmässig Sitzungen bei der Psychotherapeutin. Auf eigenen Wunsch geht auch ihre Partnerin mit. «Mir geht es sehr gut», sagt Claudia Meier. Ermüdend findet sie die Verhandlungen für eine ID mit neuem Vornamen (siehe Kasten). Es dauert ihr zu lange, weil sie Verträge unterzeichnen muss. Lakonisch meint sie deshalb: «Ich hoffe, dass ich so schnell als möglich den Hormonstatus erreiche, dass dem Amt Genüge getan ist.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.03.2011, 13:09 Uhr

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Namensänderung

Auf der Identitätskarte von Claudia Sabine Meier steht weiterhin Andreas Heribert Meier. Ihre Anfrage für Namensänderung liegt beim Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst des Kantons vor. Dieses benötigt nebst einem ausführlich begründeten Antrag auch Material, das belegt, seit wann und dass der gewünschte Vorname verwendet wird. Nötig ist zudem das Einverständnis, den Ärzten Fragen stellen zu dürfen. Drei Monate dauert es etwa, bis ein solches Gesuch behandelt ist.

Laut Bundesgericht darf ein Name geändert werden, wenn der bisherige Name einer Person «konkrete und ernsthafte soziale Nachteile» verursacht. Oder anders ausgedrückt: wenn das Interesse des Namensträgers an einem neuen Namen «dasjenige der Verwaltung und der Allgemeinheit überwiegt». Gefühlte Gründe oder Meinungen des Umfelds reichen nicht. Ist die Vornamensänderung bewilligt, wird sie ins Personenstandsregister eingetragen, und die Person kann Dokumente mit neuem Vornamen beziehen.

Das Geschlecht der Person bleibt in den Ausweisen unverändert, wenn keine geschlechtsangleichende Operation durchgeführt wurde. Um dieses zu ändern, ist ein Gerichtsentscheid nötig. Einen solchen hat kürzlich das Zürcher Obergericht gefällt. Ein Mann könne auch zur Frau werden, wenn er sich keiner Operation unterziehe, sondern sich über lange Zeit hormonell behandeln lasse und als Frau wahrgenommen werde, hielt es fest. Eine in Zürich lebende Frau, die biologisch als Mann geboren wurde, wird nach langem Rechtsstreit im Zivilstandsregister demnach nun als Frau registriert.

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