Tram-Gegner ­splittern sich auf

Bern

Am Dienstag wollen gleich zwei Komitees erläutern, warum das geplante Tram nach Ostermundigen kein gutes Projekt sei. Dass sie mit ihrem getrennten Marsch das Nein-Lager schwächen, glauben sie nicht.

Gegen das Tram nach Ostermundigen kämpfen gleich zwei Komitees.

Gegen das Tram nach Ostermundigen kämpfen gleich zwei Komitees.

(Bild: PD)

Stephan Künzi

Die Einladung machte stutzig. Kaum hatten am Donnerstag die Befürworter eines Trams von Bern nach Ostermundigen ihre Abstimmungskampagne lanciert, lud ein «Grün-Mitte-liberales Bürgerkomitee» zu seinem Medientermin ein. Es will am Dienstag mit Argumenten gegen den 100-Millionen-Kredit antreten, über den der Kanton am 4. März an der Urne befindet.Sechs Leute setzten ihren Namen unter das Schreiben, unter ihnen die zwei Grossräte Thomas Brönnimann (GLP) und Ulrich Stähli (BDP) aus Köniz. Ausgerechnet – wo doch die Vororts­gemeinde nach dem Nein zum ersten Tramprojekt im Herbst 2014 beim Bus bleiben wird. Und sich den lauten Protest eigentlich sparen könnte.

Nachfragen im gegnerischen Lager fördern noch Erstaun­licheres zutage. Denn plötzlich rückt ein weiterer Punkt in den Fokus: Die Gruppe um Brönnimann und Stähli wird am Dienstag nicht allein vor die Medien treten. In der Stunde zuvor will sich auch das Referendumskomitee erklären, jene Kraft also, die gegen den Tramkredit Unterschriften gesammelt und so den Urnengang überhaupt erst möglich gemacht hat.

Eine Überraschung

Die Befürworter sind am Donnerstag geeint und mit voller Kraft in den Abstimmungskampf gestiegen – ob ihnen nun eine aufgesplitterte, geschwächte Gegnerschaft gegenübersteht? Thomas Schneiter stellt es energisch in Abrede. Er sitzt in der vierköpfigen Leitung des Refe­ren­­dumskomitees. Er stellt in den Raum: Von einer Spaltung könne keine Rede sein. Immerhin sässen fünf der sechs Einladenden aus der neuen Gruppe auch in seinem Gremium. Vielmehr habe man sich auf eine Arbeitsteilung verständigt: Das Bürgerkomitee sei politisch ausgerichtet, was sich in seiner Zusammensetzung spiegle. Das Referen­dums­komitee dagegen fokussiere sich auf Bürgeranliegen.

Ob den Befürwortern eine aufgesplitterte, geschwächte Gegnerschaft gegenübersteht?

Ihre Kampagne haben die Gegner längst begonnen. An diversen Orten hängen bereits kleine Plakate, die ein Tram auf Geldsäcken zeigen und so das Projekt als zu teuer brandmarken. Geplant sind auch Handzettel mit Botschaften wie der, dass das Tram die Alleen an der Strecke schädige. Oder der, dass es mit Bus und S-Bahn gute Alternativen gebe. Auf Flyer setzen übrigens auch die Befürworter. Für sie kann nur ein Tram die wachsenden Pendlerströme bewältigen und die erhofften wirtschaftlichen Impulse bringen.

Der Wahlkampf naht

Die Gruppe um Brönnimann und Stähli sagt vor dem Termin am Dienstag nichts zu ihren Aktivitäten und zum Verhältnis der beiden Nein-Komitees zueinander. Zu hören ist aber, dass es trotz allen anders lautenden Beteuerungen nicht ganz ohne Spannungen geht. Schuld sind die Grossratswahlen von Ende März: Allen voran Brönnimann störe sich daran, wie sich SVP-Kollege Stefan Hofer aus Bern via Referendumskomitee zu profilieren versuche, heisst es hüben. Brönnimann benütze seine neue Gruppe genauso als Wahlkampflokomotive, tönt es von drüben zurück.

Ganz ohne ­Spannungen geht es nicht.

Mit seinem Nein stellt sich Brönnimann gegen die eigene GLP, die bereits die Ja-Parole ­gefasst hat. In der letztjährigen Grossratsdebatte zum Tram hatte er sich im entscheidenden Umgang noch der Stimme enthalten. Konsequenter ist Stähli, der auch im Grossen Rat Nein gesagt hat. Seine BDP wird sich erst noch auf eine Abstimmungsempfehlung festlegen.

Berner Zeitung

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