Therese Frösch solls richten

Die ehemalige Berner Gemeinderätin und Nationalrätin Therese Frösch soll neu die Spitex Bern präsidieren. Der bisherige Vorstand tritt mit einer Ausnahme zurück.

Therese Frösch: Die frühere Gemeinde- und Nationalrätin stellt sich als Spitex-Präsidentin zur Verfügung. Die Generalversammlung wählt am 13. Juni einen neuen Verwaltungsrat.

Therese Frösch: Die frühere Gemeinde- und Nationalrätin stellt sich als Spitex-Präsidentin zur Verfügung. Die Generalversammlung wählt am 13. Juni einen neuen Verwaltungsrat. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Der Verwaltungsrat der Spitex Bern schlägt Therese Frösch als neue Präsidentin vor. «Sie ist eine ausgewiesene Persönlichkeit mit breiter und fundierter Erfahrung auf verschiedensten Ebenen», sagt Verwaltungsrätin Regina Natsch. Frösch war von 1993 bis 2004 Gemeinderätin in der Stadt Bern und stand zuerst der Finanz-, anschliessend der Sozialdirektion vor. Zwischen 2003 und 2011 politisierte die Grüne im Nationalrat. Sie soll auf Rahel Gmür folgen, die der Spitex während 18 Jahren vorstand und sich nicht zur Wiederwahl stellt.

Frösch kenne die Spitex-relevanten Belange und engagiere sich seit vielen Jahren im Alters- und Betagtenbereich, sagt Natsch. Zudem sei sie im Versorgungsgebiet der Spitex verwurzelt. «All dies wird der Spitex Bern zugutekommen.»

Weiter steht fest, dass die bisherigen Verwaltungsräte mit einer Ausnahme zurücktreten. Neben Gmür legen Christoph Minnig, Peter Huber und Regina Natsch ihr Amt nieder. Catherine Gasser hingegen befindet sich noch in einer laufenden Amtszeit und ist bis 2020 gewählt.

Fünf Neue im Rat

Künftig soll der Verwaltungsrat aus sieben Personen bestehen. Neben Frösch und Gasser sollen Sabine Hahn, Thomas Stauffer, Regula Unteregger, Nora Willi und Johanna Zawadynska das Gremium komplettieren.

Der Verwaltungsrat habe grösstes Gewicht «auf die optimale personelle Zusammensetzung des Gremiums gelegt», sagt Natsch. So decke es die wichtigsten Kompetenzfelder ab wie etwa Gesundheitspolitik, Medizin, Pflege, Demenz, Palliativmedizin, Recht und Sozialversicherungswesen, Bildungswesen, Kommunikation, Marketing und Betriebswirtschaft. Mindestens so wichtig sei auch, «dass die Persönlichkeiten als Team funktionieren».

«Dass wir uns nicht mehr zur Wahl stellen, sind individuelle Entscheide.»Regina Natsch

Hahn ist Leiterin Pflege beim Departement Gesundheit der Berner Fachhochschule. Stauffer ist Anwalt, arbeitet bei der Armee und war bis 2012 Gemeindepräsident von Kehrsatz. Unteregger ist Leiterin des Alters- und Versicherungsamts der Stadt Bern und trat vorletztes Jahr aus dem Ostermundiger Gemeinderat aus. Willi kommt aus Bolligen, ist Betriebsökonomin und unter anderem Präsidentin von Swiss Volley. Zawadynska schliesslich ist in leitender Funktion in der Pflege der Inselgruppe tätig.

Die Wahlen finden am 13. Juni anlässlich der Generalversammlung der Spitex-Genossenschaft im Eventforum Bern statt.

Krise sorgt für Veränderung

Die Spitex Bern ist in den Gemeinden Bern und Kehrsatz tätig. Anfang Jahr geriet sie in eine schwere Krise. Geschäftsführer Daniel Piccolruaz wurde freigestellt und erhob anschliessend schwere Vorwürfe an den Verwaltungsrat. Er kritisierte einen sorglosen Umgang mit Geld und sprach von einer «aufgeblasenen Verwaltung». Die Spitex-Spitze wiederum bezichtigte Piccolruaz, ein Komplott gegen die Organisation geschmiedet zu haben.

In die Schlagzeilen geriet auch Verwaltungsratspräsidentin Rahel Gmür wegen ihres Lohns von rund 185 000 Franken. Zudem verfügte sie bei der Spitex über eine Festanstellung. Ende Februar kündigte sie ihren Rücktritt an, seither ist sie zudem krankgeschrieben.

Die Spitex-Affäre beschäftigte auch die Politik. Im März forderte Gesundheits- und Fürsorgedirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) den gesamten Verwaltungsrat zum Rücktritt auf. Davon wollte dieser nichts wissen. Nun erfüllt sich Schneggs Forderung grösstenteils doch noch.

«Dass wir uns nicht mehr zur Wahl stellen, sind individuelle Entscheide von Rahel Gmür, Peter Huber, Christoph Minnig und von mir», sagt Regina Natsch. Wenn aber der zuständige ­Gesundheitsdirektor – ob nachvollziehbar oder nicht bleibe dahingestellt – das Vertrauen gegenüber der Leitung der Spitex Bern infrage stelle, habe das Unternehmen einen unbelasteten Neustart verdient.

Angestellte sind zufrieden

Zufrieden ist eine Gruppe von Angestellten, die sich gegen den bisherigen Verwaltungsrat stellte. Sie hatte angekündigt, selber geeignete Personen für den Verwaltungsrat vorzuschlagen. «Wir haben mehrere Personen angefragt, aber von allen eine Absage erhalten», sagt ein Mitglied dieser Gruppe. «Mit dieser Auswahl können wir aber sehr gut leben, es sind gute Leute darunter.»

Besonders erfreulich sei zudem, dass der bestehende Verwaltungsrat grösstenteils zurücktritt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.05.2018, 15:06 Uhr

«Ich kann kein Himmelfahrtskommando übernehmen»

Die designierte Spitex-Präsidentin Therese Frösch überlegte sich gut, ob sie das Präsidium übernehmen will. Ein umfassender Neustart war eine Bedingung.

Wann wurden Sie angefragt, das Präsidium der Spitex Bern zu übernehmen?
Therese Frösch: Ganz genau weiss ich es nicht. Am 6. April hatten wir ein erstes Gespräch.

Mussten Sie lange überlegen?
Ja, das musste ich. Es war ein Prozess. Ich musste wissen, wo die Spitex heute steht, wie und mit wem es weitergehen soll.

Haben Sie Bedingungen ­gestellt?
Das ist das falsche Wort. Aber für mich war klar, dass ich kein Himmelfahrtskommando übernehmen kann. Es gibt Dinge, über die man Verhandlungen führt. Und es gab für mich auch ein No-go.

Welches?
Wenn der alte Verwaltungsrat grösstenteils geblieben wäre.

Warum?
Wenn ein Gremium, das eine so hohe Verantwortung hat, eine Krise nicht meistern konnte, dann macht es keinen Sinn, mit den gleichen Leuten einen Neuanfang zu machen. Das ist nicht gegen diese Personen gerichtet, aber es geht einfach nicht. Das haben weder die Kundinnen und Kunden noch die Angestellten verdient. Um Vertrauen zu schaffen, muss man neue Pferde aus dem Stall nehmen.

Wie wollen Sie jetzt Vertrauen schaffen?
Der VR steht in der Pflicht, rasch gute betriebliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Bei der Spitex Bern gibt es derzeit einige wichtige Positionen, die nicht besetzt sind. Das ist für das Personal schwierig. Die Spitex hat immer mehr Kunden, es gibt immer mehr ältere Menschen, die Unterstützung brauchen. Wir müssen diese Stellen besetzen, für eine gute Führung, für gesunde Finanzen und für eine weitsichtige Strategie sorgen.

Haben Sie sich schon ein Bild von der Spitex machen können?

Ich sehe nicht in das Unternehmen. Aber ich bin seit 13 Jahren Verwaltungsratspräsidentin bei Domicil Bern und habe in Bern die Spitalbewegung aufgebaut, da sammelt man viel Erfahrung. Ich kenne dieses Gebiet. Die Spitex hat viel Gutes geleistet. Aber es ist sehr schade, dass sie in diese totale Krise geraten ist.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Nein. Das ist heute nicht mehr wichtig. Ich war nicht dabei, und ich schaue in die Zukunft.

In welchem Umfang werden Sie für die Spitex tätig sein?
Ich gehe davon aus, dass das erste Jahr ziemlich streng sein wird. Danach sollte die Belastung abnehmen. Als Präsidentin bereitet man monatliche Sitzungen vor, leitet sie. Hinzu kommen die Führung und die Unterstützung des Kaders, Verhandlung und Strategie.

Wie viel werden Sie verdienen?
Das ist eine Nebensache. Aber klar ist: Solche Sachen wie bis jetzt wird es nicht mehr geben. Wir müssen Erfolg haben und bescheiden sein. Die Honorare müssen nachvollziehbar sein. Verwaltungsratspräsidien von Spitalzentren wie etwa im Oberaargau werden mit 20 000 Franken bis 25 000 Franken entschädigt. Das könnte ein guter Wert sein.
Interview: Johannes Reichen

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