Theologische Widerrede gegen Pfarrerin, die nicht an Gott glaubt

Muri-Gümligen

Elf Berner Theologinnen und Theologen halten Ella de Groot entgegen: Als Pfarrerin Gott in Abrede zu stellen, gehe nicht. Eine Kirche ohne Gott sei nicht Kirche.

Pfarrerin Ella de Groot muss sich nun der Kritik aus den eigenen Reihen stellen.

Pfarrerin Ella de Groot muss sich nun der Kritik aus den eigenen Reihen stellen.

(Bild: zvg)

Stephan Künzi

Gibt es einen Gott, und, wenn ja, in welcher Art existiert er? Elf junge Berner Pfarrerinnen und Pfarrer schalten sich ein in die Debatte, die ihre Kollegin Ella de Groot Mitte Monat angestossen hat. In einem Radiointerview hatte die reformierte Pfarrerin aus Muri-Gümligen erklärt, dass sie nicht an einen realen Gott glaube. Die Schlagzeilen waren ihr sicher. Sogar in Berlin und Wien wurde über die Schweizer Theologin holländischer Abstammung berichtet, die so sehr neben der kirchlichen Tradition zu stehen scheint.

Für die elf Pfarrerinnen und Pfarrer jedenfalls ist es keine Frage, dass sie das tut. Es sei zwar wertvoll und wichtig, halten die jungen Berufsleute in einer öffentlichen Erklärung fest, «dass unter dem Dach unserer reformierten Landeskirche vielfältige Glaubensformen und Gottesbilder Platz finden». Aber: «Der kleinste gemeinsame Nenner unserer Vielfalt muss unser Glaube an Gott sein. Kirche ohne Gott ist nicht Kirche.»

Neue Worte für Gott

Delia Zumbrunn-Richner gehört zu den Initiantinnen der Erklärung, und sie hält fest: Problematisch sei vor allem die Tatsache, dass jemand in der Funktion als Pfarrerin die Existenz Gottes abstreite. Klar: «Auch für uns ist Gott keine Figur, die im Himmel sitzt und Wolken hin und her schiebt.» Und klar: «Wir sollen über Gottesbilder diskutieren, müssen als heutige Menschen neue Worte finden, wenn wir über Gott reden.»

Wenn Gott wie bei Ella de Groot auf ein Ereignis von Mensch zu Mensch reduziert werde – «und so verstehe ich sie»–, gehe dies aber zu weit. «In der Liebe zum Beispiel kann man Gott zwar erleben. Doch ich würde nicht sagen, dass menschliche Liebe allein das ist, was Gott ausmacht.»

Eher evangelikal

Delia Zumbrunn-Richner sagt offen, dass die elf jungen Pfarrerinnen und Pfarrer eher der evangelikalen Strömung in der Landeskirche zuzurechnen sind. Auch wenn sie gleich betont, dass Schubladisierungen wie «evangelikal» und «liberal» nie zuträfen: «Ich sage von mir immer, dass ich eine liberale Evangelikale bin. Oder eine evangelikale Liberale.»

Berner Zeitung

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