Bern

The Blues Brothers erobern mit Guerilla-Aktionen die Bistros

BernSeit acht Jahren gehören die legendären Blues Brothers zum guten Ton an der Berner Fasnacht. Getreu deren Filmen erscheinen sie plötzlich in einem Lokal, sorgen für ausgelassene Partystimmung.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Um 20.30 Uhr empfängt Blues Brother und Leadsänger Tom Walther die ersten Bandmitglieder im Übungsraum. «Wir haben noch keinen Plan, wo wir als Erstes auftreten», sagt er lässig. Seine Pianistin Maja Nydegger, eine der zwei Blues Sisters im achtzehnköpfigen Ensemble, justiert ihre Krawatte nach.

Auf Leiterwagen karren die bluesigen Desperados Teile ihrer kleinen Soundanlage durch die Gassen der Altstadt Richtung Postgasse. Gegen 22 Uhr kapern die Blues Brothers das Café Postgasse, das schon mit Guggen und Fasnächtlern überfüllt ist. «Der Wirt will die Tische nicht auf die Seite stellen», enerviert sich Sänger Tom Walther. «Okay, dann stehen wir eben auf die Tische», meint er trocken. Gesagt, getan. Innert weniger Minuten verkabeln die Musiker ihre Anlage mitten im Pulk, stehen auf die Tische und verkünden: «Everybody Needs Somebody to Love.» Sie schmettern dem Publikum die berühmt-berüchtigten messerscharfen Bläsersätze um die Ohren. Die Party steigt unmittelbar von null auf 180.

Mafiöser Maturstreik

Die Berner Adaption der original Blues Brothers entstand «an einem Mafiamaturstreik», erzählt Bluesharper Christian Binz, der damals mit Bassist Florian Keller in einer «Maturstreikbluesband» spielte. «Daraus erwuchs dann die Idee, eine Blues-Brothers-Coverband zu gründen, welche nur an der Berner Fasnacht, an Hochzeiten, Geburtstagspartys oder Firmenanlässen auftaucht», sagt Florian Keller.

Seit acht Jahren tingeln die Berner Blues Brothers nun an jeder Fasnacht durch die Bistros der Stadt Bern. Dabei zelebrieren sie mit ihren weissen Hemden, schwarzen Anzügen, Al-Capone-Hüten und Sonnenbrillen die Show der Blueslegenden John Belushi und Dan Aykroyd perfekt.

Locker könnte die Formation, in der die meisten Musiker Vollprofis sind, auf den grossen Bühnen der Schweiz aufspielen. «Uns geht es eben nicht um die grosse Bühne», sagt Christian Binz, der Bluesharper Aykroyd eins zu eins kopiert. Die Leute würden jedes Mal staunen, wenn sie irgendwo aufträten, da unter all den Fasnachtsguggen niemand mit einer Bluesband rechne, sagt Christian Binz. «Die Reaktionen sind gewaltig. Die Leute passen uns richtiggehend ab. Innert fünf Minuten ist der Raum platschvoll, wenn wir loslegen», meint der Bluesharper stolz.

«Postgässli» bebt bedrohlich

Die Bluescombo stimmt den Aretha-Franklin-Klassiker «Respect» an. Wenn man die Augen geschlossen hält, wird man das Gefühl nicht los, dass die R&B-Lady höchstpersönlich anwesend ist. Den Part singt jedoch die junge Berner Sängerin Corinne Huber. Sie ist heute Abend für Leadsängerin Christina Scheidegger eingesprungen. «Eigentlich singe ich eher in Jazzformationen. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, sich gegen die vielen Bläser um mich herum durchzusingen, aber es macht unglaublich Spass», sagt die Sängerin noch ganz ausser Atem.

Das Publikum steht nun ebenfalls auf den Tischen und klatscht und stampft. Die Holzdiele des Cafés Postgasse bebt bedrohlich. «Jetzt stürzt das ‹Postgässli› dann bald den Hang runter in die Aare», schreit ein Fasnächtler durch den Saal. Vor der Nummer «Twist It» gibt der charismatische Sänger Tom Walther eine Bestellung übers Mikrofon auf: «Wir arbeiten nun seit mehreren Nächten und sind die Einzigen, die noch nichts zu trinken bekommen haben. Bitte dringend 18 Bier für Tisch 25». (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.02.2013, 07:55 Uhr

Bildstrecke

Berner Fasnacht 2013

Berner Fasnacht 2013 Am Samstag fand mit dem grossen Umzug der alljährige Höhepunkt der Berner Fasnacht statt.

Artikel zum Thema

Tausende verfolgen fantasievollen Berner Fasnachtsumzug

Bern 54 Guggenmusiken und Fasnachtsgruppe haben am Samstagnachmittag am grossen Fasnachtsumzug durch Bern teilgenommen. Tausende verfolgten den Höhepunkt der 32. Berner Fasnacht. Mehr...

Der Fasnachtsbär ist wach

Bern Mit der Bärenbefreiung hat am Donnerstag die Berner Fasnacht begonnen. Über dem Traditionsanlass beim Berner Käfigturm schwebte ein Hauch von Hollywood: Der Fasnachtsauftakt wurde als «Osbär«-Verleihung inszeniert. Mehr...

Drei Musketiere füllen die Beizen

Bern Erstmals gibts an der Fasnacht eine spezielle Soiree. Am Donnerstag werden in vier Restaurants ausschliesslich Schnitzelbänke zelebriert. Die Idee dazu hatten die drei Musketiere, die seit 13 Jahren Prominente durch den Kakao ziehen. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

History Reloaded Der radikale Moralist

Bern & so Karaoke

Die Welt in Bildern

Abkühlung: Der kleine Gorilla Virunga wird von seiner Mutter Nalani durch den Biopark Valencia in Spanien getragen. Virunga ist der zweite Gorilla, der im Rahmen des europäischen Artenschutzprogrammes geboren wurde. (17.August 2018)
(Bild: Manuel Bruque/EPA) Mehr...