Tarifexplosion verärgert Sportler

Bern

Die Stadt Bern hat die Parkgebühren bei der Sportanlage Bodenweid um 340 Prozent erhöht. Dies bereitet den Vereinen Sorgen.

Kämpfen gemeinsam gegen höhere Parkgebühren: Beat Mathys, Mehid Topalli und Roland Muehlheim (v.l).

Kämpfen gemeinsam gegen höhere Parkgebühren: Beat Mathys, Mehid Topalli und Roland Muehlheim (v.l).

(Bild: Raphael Moser)

Markus Ehinger@ehiBE

50 Rappen. So viel kostete eine Stunde Parkieren bei der Sportanlage Bodenweid bis Ende September 2018. Per 1. Oktober erhöhte die Stadt die Gebühr auf 2.20 Franken. Das entspricht einer Erhöhung um 340 Prozent.

Auf der Bodenweid trainieren und spielen unter anderen die Sportvereine SC Bümpliz 78, FC Prishtina und Sportclub EWB. Diese Clubs sind nun mit einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, beim Berner Gemeinderat vorstellig geworden. Darin äussern sie ihr Unverständnis über die Gebührenerhöhung. «Es handelt sich um eine signifikante Erhöhung, welche wir in diesem Ausmass nicht nachvollziehen können», heisst es in dem Schreiben.

Aufs Auto angewiesen

Die Vereine kritisieren, dass das Sportamt der Stadt Bern sehr kurzfristig informiert habe. Auch ein Dialog habe vorgängig nicht stattgefunden. Die Hauptkritik betrifft aber die Gebührenerhöhung. Viele Mitglieder und Sportler der Vereine wohnen zwar in Bümpliz und erreichen die Bodenweid mit dem ÖV oder mit dem Velo. «Nicht wenige unserer Sportler, Trainer und ehrenamtlich tätigen Mitglieder kommen jedoch von auswärts», sagt Beat Mathys, Präsident des SC Bümpliz 78. Sie seien auf die Nutzung eines Motorfahrzeugs angewiesen, was übrigens auch für die Spieler und Besucher von sehr vielen Gegnermannschaften zutreffe sowie vermehrt auch auf andere Vereine, die hier trainieren würden. «Je nach Engagement und Frequenz kann dies nun bedeuten, dass Personen aus dem Umfeld der Heimclubs der Bodenweid jährlich mehrere Hundert Franken für die Parkiergebühr aufwenden müssen», schreiben die Vereine in ihrem Brief an den Gemeinderat.

Bei Pendlern beliebt

Trotz Kritik: Die betroffenen Vereine bringen auch ein gewisses Verständnis für die Anpassung der Gebühren auf. Weil die Sportanlage nur wenige Gehminuten von der nächsten Tramstation entfernt liegt, sind die 52 Parkplätze bei Pendlern beliebt. «Wir verstehen daher, dass ein mögliches Schlupfloch für Pendler geschlossen werden soll.» Seit der Tariferhöhung werde der Parkplatz jedoch kaum mehr von Pendlern genutzt.

«Wir wurden darauf aufmerksam, dass der Parkplatz Bodenweid von Pendlern genutzt wird.»Christian Bigler, Leiter des Sportamts der Stadt Bern

Dies soll auch so bleiben, wie es bei der Stadt auf Anfrage heisst. «Aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung wurden wir darauf aufmerksam, dass der Parkplatz Bodenweid von Pendlern genutzt wird, weil der Bezahlautomat über längere Zeit defekt war», erklärt Christian Bigler, Leiter des Sportamts der Stadt Bern. Bei der Behebung des technischen Problems habe man festgestellt, dass die bisherigen Tarife auf der Bodenweid nicht mit den Tarifen auf den anderen Sportanlagen übereingestimmt hätten. «Um hier eine einheitliche Praxis zu gewährleisten, wurden die Parkiergebühren angeglichen», sagt Bigler.

Die Vereine schreiben in ihrem Brief, dass ihr Engagement für die Gesellschaft leider zu oft unterbewertet werde. Und weiter: «Die zur Diskussion stehende Verfügung empfinden wir als Schlag in die Magengrube.» Die Gebührenerhöhung bereite den Vereinen Mühe, «da ausschliesslich die Sporttreibenden zur Kasse gebeten werden».

Die Vereine schlagen als Kompromiss vor, dass man fürs Parkieren nicht wie aktuell während 24 Stunden und an 7 Tagen bezahlen muss. Vielmehr empfehlen sie, dass der Tarif werktags lediglich von 7 bis 17 Uhr gelten soll. «Damit wäre die Mass­nahme zielgerecht hinsichtlich Pendlern und nutzerfreundlich bezüglich der grossen Schar von Sporttreibenden», sagt Mathys.

Lösung für Härtefälle

Zu möglichen Lösungen kann sich Christian Bigler noch nicht äussern. Grundsätzlich gelte in der Stadt Bern, dass öffentliche Parkplätze bewirtschaftet werden. Heisst: Wer sie nutzt, muss einen Tarif bezahlen. «Dies gilt auch für die Besucher von Sportanlagen», betont Bigler. Das Sportamt anerkenne aber, dass es Situationen gebe, wo die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr nicht möglich sei, etwa wenn für die Trainings viel Material transportiert werden müsse oder wenn ein ehrenamtlicher Trainer im Nachwuchsbereich den frühen Trainingsbeginn wegen beruflicher Verpflichtungen nur dank der Anreise mit dem Auto einhalten könne. «Für solche Härtefälle gilt es, sachgerechte Lösungen zu finden», sagt Bigler. Dies liege aber wohl nicht in der Kompetenz des Sportamts, vermutet Beat Mathys. Er appelliert deshalb mit den Präsidentenkollegen der anderen Vereine an den Gemeinderat, dass dieser sich des Problems annimmt.


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