Rüeggisberg

Tamilen kochen Fondue und Curry

RüeggisbergSeit fünf Jahren führt der gebürtige Tamile Kanet das Restaurant Bütschelegg. Einige begegneten ihm zu Beginn kritisch. Nun hat sich der ehemalige Flüchtling als Geschäftsführer des Lokals etabliert.

Wirt «Kanet» Seevaratnam Thekalolibawan (vorne) und sein Koch Sivabatham Vigi setzen auf traditionelle Schweizer Küche und tamilische Kost.

Wirt «Kanet» Seevaratnam Thekalolibawan (vorne) und sein Koch Sivabatham Vigi setzen auf traditionelle Schweizer Küche und tamilische Kost. Bild: Stefan Anderegg

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Noch schweizerischer geht es eigentlich gar nicht: Das Restaurant Bütschelegg in der Gemeinde Rüeggisberg sieht aus, wie aus einem Gotthelf-Film. Das 60-jährige Gebäude besteht aus viel Holz, rote Geranien schmücken die Terrasse. Das Interieur dekorieren Kuhglocken, Fünfliber-Schüsseln sowie Trophäen von Jodler- und Schwingklub.

Nur etwas passt auf den ersten Blick nicht ins urhelvetische Bild: der Pächter, der das Traditionshaus seit fünf Jahren führt, ist dunkelhäutig. Er stammt – wie ein Teil seines Personals – aus Sri Lanka.

Kritik als Chance

«Am Anfang wurde ich von manchen Gästen wegen meiner Hautfarbe wohl etwas kritischer beobachtet», sagt der 34-jährige Seevaratnam Thekalolibawam. Seine Freunde nennen ihn kurz Kanet. «Ich habe die kritischen Blicke aber als etwas Positives aufgenommen», erklärt er und lächelt. Viele Gäste, die ihm zum ersten Mal mit Skepsis begegnet seien, hätten sich in den letzten Jahren zu treuen Stammkunden entwickelt. Es mache ihm nichts aus, wenn die Gäste kritisch seien. «Wenn sie einmal hier sind, kann ich sie von meinem Restaurant überzeugen.»

Überzeugt hat Kanet in den letzten Jahren sehr viele Gäste. Seit er das Zepter auf der «Bütschelegg» übernommen hat, lief das Geschäft von Jahr zu Jahr besser. Viel verändert hat Kanet allerdings nicht. Wie sein Schweizer Vorgänger setzt er vor allem auf traditionelle, gutbürgerliche Küche. Zusätzlich findet man Currygerichte aus seiner Heimat auf der Speisekarte. «Ich habe zuerst gar nicht an so etwas gedacht», sagt Kanet. Seine Stammkundschaft habe ihn aber danach gefragt.

Die Namen der Currygerichte hat Kanet für seine Gäste ins Berndeutsche übersetzt. «Einige Gäste haben vorher wohl noch nie so etwas gegessen. Es freut mich natürlich, wenn sie jetzt ab und zu wieder ein Curry bestellen.» Nebst Speisen à la carte gibt es jeweils ein Tagesmenu mit Salat oder Suppe für 16.50 Franken.

1991 kam Kanet als 15-jähriger Flüchtling in die Schweiz. Ganz allein, ohne Geld, ohne Plan. Im Restaurant Schönau in Bern absolvierte er die Kochlehre; danach arbeitete er für mehrere Gastbetriebe in der Stadt. Schon immer hatte er vor, ein eigenes Restaurant zu führen. Als sich vor fünf Jahren die Chance ergab, die Bütschelegg zu übernehmen, zögerten er und seine Frau Sanketha keine Sekunde.

Stolzer Gastgeber

Wenn der zweifache Vater von seinem Betrieb erzählt, gerät er ins Schwärmen. «Es ist wunderschön hier oben.» Im Spätsommer und Herbst kommen besonders viele Gäste. Die Bütschelegg liegt auf 1023 Metern über Meer. Ist die Stadt Bern unter dichten Nebelschaden begraben, kommen viele Wanderer ins Schwarzenburgerland und verpflegen sich auf der Durchreise. «Wir sind hier oben natürlich vom Wetter abhängig», erklärt der Pächter. In letzter Zeit haben aber auch viele Hochzeitsfeiern, Taufen oder Konfirmationsfeiern in Kanets Gasthaus stattgefunden. Stolz präsentiert er seine Sammlung von Dankeskarten, die er von glücklichen Paaren erhalten hat.

Kanet hat mit dem Restaurant einen Traum verwirklicht. Auch wenn dieser Traum in der Realität oft 15 Stunden Arbeit täglich bedeutet. Der ehemalige Flüchtling ist auf dem Längenberg glücklich. «Ich weiss nicht, ob ich dieses Restaurant bis zu meiner Pensionierung führen werde – aber solange ich den Gästen nicht auf die Nerven gehe, bleibe ich hier.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.08.2010, 08:20 Uhr

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