Symphonieorchester startet poppig ins neue Jahrzehnt

Bern

Whisky, Stepptanz-Clowns und eine keltische Klangfee: Das BSO wartete beim Neujahrskonzert mit Witz und glanzvollen Gästen auf.

Stepptanz-Königinnen: Sophie und Emilie Rupp am Neujahrskonzert des BSO im Kultur-Casino.

Stepptanz-Königinnen: Sophie und Emilie Rupp am Neujahrskonzert des BSO im Kultur-Casino.

(Bild: Christian Pfander)

Wie klingt beschwipste Musik? Sir Peter Maxwell Davies hat es vorgemacht: Als raunender Beschwörer der Trunkenheit malt er in seinem Orchesterstück «An Orkney Wedding with Sunrise» eine durchzechte Festnacht aus, die in frühmorgendliche Dudelsackklänge mündet. Es ist das originellste Stück am Neujahrspopkonzert 2010 des Berners Symphonieorchester (BSO), in dem der Alkohol ein verkapptes Leitmotiv darstellt: Nicht genug damit, dass der Dudelsackspieler Michael Reid ein Whisky-Fläschchen hervorzaubert und an Maestro Andrey Boreyko weiterreicht, der sich virtuos als Torkelnder inszeniert. Auch BSO-Direktor Matthias Gawriloff – der Showmaster des Abends – kommt öfters darauf zu sprechen. Und zu guter Letzt wird dem Publikum im ausverkauften Kultur-Casino gar ein Glas Sekt offeriert.

Tänzerische Einlagen

Die stehenden Ovationen indes gelten dem Auftritt des Orchesters: Mit einer bunten Gästeschar übt sich das BSO in der Verquickung von Klassik, Pop und Folk und präsentiert ein irisch-schottisches Programm, das von Mendelssohns berühmter Hebriden-Ouvertüre über die schottischen Tänze von Sir Malcom Arnold bis zur «Celtic Dawn Suite» von Colm Ó Foghlú reicht.

Für tänzerische Einlagen sorgt derweil das weltmeisterliche Geschwisterpaar Emilie und Sophie Rupp, die sich im kuriosen «Tap Dance Concerto» von Morton Gould als missgünstige Stepptanz-Clowns gegenseitig zu übertrumpfen versuchen.

Flinkes Fabelwesen

Am meisten Applaus indes erhält Máiréad Nesbitt: Als flinkes Fabelwesen im Barbielook hüpft sie mit ihrer keltischen Violine über das Podium, und man könnte vollauf begeistert sein, wäre da nicht die Verstärkung, die den Geigenklang doch recht blechern erscheinen lässt. Nein, ein Abend für Freunde elaborierter Feinheiten ist es nicht. Doch nur notorische Nörgler würden monieren, dass der Orchesterklang öfters allzu massig, und die Schönheiten so geballt und laut daherkommen, dass sie mitunter schon fast wieder hässlich wirken. Als nonchalanter PR-Event für das Orchester und wider den Neujahrskater überzeugt das Konzert allemal.

Berner Zeitung

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