Surfbrett-Pontoniere beleben die Aare

Bern

Neben anderen Wassersportlern beleben neuerdings Stand-up-Paddler die Aare. Begeisterte Surfer betreiben die Trendsportart vor allem zu Trainingszwecken, erteilen Einsteigern aber auch Kurse.

Der Blick schweift in die Ferne: Aufrecht steht der Berner Sandro Joss auf seinem SUP-Board und paddelt über den Wohlensee.

Der Blick schweift in die Ferne: Aufrecht steht der Berner Sandro Joss auf seinem SUP-Board und paddelt über den Wohlensee.

(Bild: Stefan Anderegg)

Vorsichtig werden die auffallend langen Surfbretter abgeladen: Bei der Wohleibrücke am Wohlensee wartet am Mittwochabend ein gutes Dutzend Wasserratten auf die Sportgeräte, die Sandro Joss und Stefan Haldemann hertransportiert haben. Auf den Surfbrettern will die gut gelaunte Schar über den See paddeln. Die Trendsportart nennt sich «Stand up Paddle Surfing» oder kurz «Stand up Paddling» (SUP). Auch in Bern findet man immer mehr Anhänger.

Im Unterschied zum herkömmlichen Wellenreiten nehmen die SUP-Surfer ein Paddel zur Hilfe, um sich schneller und aufrecht stehend fortbewegen zu können. Joss und Haldemann bieten Interessierten seit vergangenem Frühling SUP-Kurse und -Ausflüge an. So jeden Mittwochabend an verschiedenen Aareabschnitten, zum Beispiel vom Altenberg nach Worblaufen oder eben am Wohlensee. «Je nach Wassermenge und Level der Teilnehmer», erklärt Joss. Paddelnde Surflehrer

Seine Wurzeln hat SUP im Wellenreiten und damit in der polynesischen Kultur. Durch die Reisen der Polynesier verbreitete sich das Wellenreiten in der gesamten Südsee und erlebte seinen Höhepunkt auf Hawaii, wo Surfen bis heute als kultureller und spiritueller Bestandteil gilt. Haldemann weiss von Mythen, wonach sich polynesische Könige aufrecht und mithilfe eines Paddels in den Wellen fortbewegten, während sich das übrige Fuss- respektive Surfvolk liegend durch die Wellen kämpfte.

Fotos aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – die Amerikaner machten das Wellenreiten zu einer Trendsportart – zeugen von paddelnden Surflehrern. Diese nutzten ein Paddel, um schneller vom Strand zu den wellenbrechenden Riffs und umgekehrt gelangen zu können. Die mit dieser Technik einhergehende aufrechte Körperhaltung ermöglichte den Lehrern einen besseren Überblick über ihre Schüler. SUP biete auch heute einen grossen Vorteil, erklärt Sandro Joss: «Stehend siehst du die Welle eher kommen und bist schneller dort, wo sie dich zu tagen vermag.»

Von den Riesenwellen Hawaiis zurück an den idyllischen Wohlensee: Die Strömung ist nur schwach und von Wellen keine Spur. «Ideal für Anfänger», sagt Joss. Der Berner SUP-Pionier kam wie sein Kollege Haldemann vom Wellenreiten zum SUP. Der Berner Surfszene ist der 33-jährige Geschäftsführer eines Surf-, Snowboard- und Skateladens bestens bekannt, sitzt er doch im Vorstand des Vereins Flusswelle Bern. Nach einer kurzen Einführung begeben sich die Frauen und Männer ins Wasser.

Balanceakt auf dem Wasser

Während die einen noch etwas wacklig auf ihren Brettern stehen, sieht es bei anderen sicher aus. Langsam paddelt die Gruppe flussaufwärts. Bald landen die ersten im kühlen Nass. Doch schnell stehen sie wieder auf ihren Brettern und versuchen die Tipps von Haldemann und Joss zu befolgen. Nach einigen Versuchen gelingen allen die ersten Drehungen.

Die Surfer müssen sich ständig auf ihren Brettern hin und her bewegen und so das Gewicht verlagern. Nur so bleiben sie wendig. Um vorwärtszukommen, stellen sich die SUP-Surfer aufrecht in die Mitte des Bretts und paddeln einige Schläge rechts, einige links. Um sich zu drehen, ist es notwendig, sich schräg nach hinten zu bewegen. Die Brettspitze ragt so zum Wasser heraus, und mit ein paar Paddelschlägen dreht sich das Brett samt Surfer.

Ein Ganzkörpertraining

Die Teilnehmer werden übermütiger: Nicht immer gelingt der Kampf ums Gleichgewicht. Die Stürze ins kühle Nass mehren sich. Mit jedem Mal wird das Zurückhieven aufs Brett mühsamer. Die Anstrengung und das kühle Wasser fordern ihren Tribut und lassen die Kräfte schwinden. Doch niemand gibt so rasch auf. Bretter werden ausgetauscht. Gross sind die Unterschiede. Die langen, breiten und dicken sind sehr stabil, dafür aber träge. Im ruhigen Gewässer grenzt es mit ihnen an Kunst, überhaupt ins Wasser zu fallen. Doch die anderen schmaleren, flacheren und kürzeren sind wendiger und schneller, dafür umso instabiler.

Mit der untergehenden Sonne wird es kühl auf dem Wohlensee. Einigen wird nun doch kalt, und die Wassersportler freuen sich auf den anschliessenden Grillspass, den Joss und Haldemann mitorganisieren.

Berner Zeitung

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