Suppentopf statt Nobelküche

Wabern

Er hat in Gstaad und London die Reichen und Schönen bekocht. Jetzt hat Thomas Kurt an der Seftigenstrasse einen Suppenstand eröffnet.

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Der junge Koch Thomas Kurt hat in seinem kurzen Berufsleben bereits in mehreren ganz exquisiten Küchen gearbeitet. Dabei hat er die Geschmacksnerven so mancher Berühmtheit verwöhnt. Zum Beispiel im Palace Hotel in Gstaad, wo er kurz nach seinem Lehrabschluss für drei Saisons tätig war. Dort zählte etwa Roger Federer zu den Gästen.

Danach kochte Kurt ein Jahr lang im Londoner Nobelrestaurant von Anton Mosimann, der auch das Catering für die Queen ausrichtet. Hier pflegte Bono, der Sänger der Band U2, einzukehren. Nach weiteren Zwischenstationen in Genf und Edinburgh bewogen Kurt private Gründe, in die Heimat zurückzukehren. Mit im Gepäck hatte er eine Geschäftsidee, die ihn aus den Nobelküchen hinaus direkt an die dichtbefahrene Seftigenstrasse in Wabern geführt hat.

Marktlücke entdeckt

Vor kurzem hat Thomas Kurt in der Nähe der Tramendstation seinen Take-away-Stand Sag Suppe eröffnet. Täglich bietet er zur Mittagszeit zwei verschiedene Suppen an. Damit glaubt er, eine Marktlücke entdeckt zu haben: «Im Winter gibt es bei uns kaum ein gutes Take-away. Die Leute kaufen sich ein Sandwich oder einen Döner. Ich aber will etwas Gesundes anbieten, das auch wärmt», erklärt Kurt.

Einen bekannten Gaumen wie in Gstaad oder London werden seine Suppen in Wabern wohl kaum beglücken. Doch er empfindet das nicht als Abstieg. Im Gegenteil: «Es ist viel schöner, wenn die Leute hier bei mir vorbeikommen, um meine Suppen zu essen, als in Gstaad für Promis zu kochen.» Die positiven Reaktionen der bisherigen Gäste hätten ihn darin nur noch bestärkt.

Ein hartes Pflaster

Vier Monate lang hat Thomas Kurt auf die Eröffnung seines Suppenstandes hingearbeitet. Ursprünglich wollte er diesen in der Stadt Bern betreiben. Das scheiterte aber an der Bewilligung. «Ich hätte nicht gedacht, dass die Standortsuche derart schwierig würde. Jetzt aber bin ich zufrieden mit meinem Platz.»

Bei seinen Plänen wurde Kurt von seinem Umfeld tatkräftig unterstützt. Die Verlobte seines Bruders zum Beispiel entwarf das Logo. Freunde stellten Flyer her. «Diese Hilfe macht mir vieles einfacher. Aber auch um Kritik bin ich froh. Da kann ich immer etwas mitnehmen und lernen.»

Der Weg in die Selbstständigkeit kann beschwerlich sein. In Kurts Fall ist er vor allem kalt. Denn während die heissen Suppen in ihren Töpfen vor sich hin köcheln, bekommt Kurt die winterliche Kälte zu spüren. «Trotz Thermounterwäsche habe ich manchmal gefroren», gesteht er. Auch sonst macht sein Stand nicht den Eindruck, ein besonders angenehmer Arbeitsplatz zu sein. Zum Sitzen bleibt kaum Platz, und bei Wind bietet das an den Seiten offen stehende Stoffzelt keinen richtigen Schutz vor Regen und Schnee.

Täglich frisch

Aber Thomas Kurt lässt sich nicht entmutigen und glaubt an seine Suppen. Dabei sind ihm die Zutaten besonders wichtig: «Ich koche täglich mit frischen Produkten aus der Region. Auch den Fond mache ich selber, Bouillonwürfel kommen bei mir nicht in den Topf», erklärt der 27-Jährige. Derzeit kocht Kurt vor allem klassische Rezepte wie Kürbis- oder Gemüsecremesuppe. «Wenn der Stand läuft, möchte ich vermehrt mit Zutaten experimentieren und zum Beispiel auch Obst verwenden.» So will Kurt die Passanten an seinen Stand locken.

Allen, die nicht bei ihm vorbeikommen können, gibt er einen Tipp, wie sie sich zu Hause eine gute Suppe kochen können: «Man sollte immer genügend frische Zutaten verwenden. Viele Leute geben zum Beispiel zu wenig Gemüse in die Suppe. Darunter leidet der Geschmack, und man benötigt viel mehr Salz.»

Berner Zeitung

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