Südanflug verzögert sich um mindestens ein Jahr

Bern-Belp

Das umstrittene Südanflugverfahren Bern-Belp verzögert sich um mindestens ein Jahr. Die Aviatikverbände freuen sich. Die Einführung sei aber nicht in Gefahr, heisst es beim Bund.

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Johannes Reichen

Vor exakt einem Jahr legte der Flughafen Bern-Belp das Gesuch für ein neues Anflugregime auf. Der Plan war es, dass mit dem satellitengestützten Verfahren die Anflüge auf den Flughafen vermehrt aus Richtung Süden erfolgen und damit der Norden mit der Stadt Bern entlastet wird. Ziel war es, dass das neue Verfahren schon ab diesem Frühling gilt. Jetzt ist klar, dass dieses Ziel verfehlt wurde. Und zum Plan gibt es offene Fragen.

Ein Sturm der Entrüstung fegte im Januar 2014 aus dem Aaretal und dem Oberland in Richtung Flughafen. Gemeinden und Anwohner südlich des Belpmooses fürchteten sich vor mehr Flugverkehr und Lärm. Die Aviatikklubs und -verbände wiederum bangten um den nötigen Luftraum für ihre fliegerischen Tätigkeiten. Sie fühlten sich vom Flughafen an den Rand gedrängt.

Jetzt frohlocken sie. «Ob das Südanflugverfahren wie geplant durchgesetzt wird, ist offen», sagt Christian Markoff, Luftraumbeauftragter des Schweizerischen Hängegleiterverbandes. Und sicher werde der dafür vorgesehene Luftraum neu überprüft. Er beruft sich auf Informationen aus dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). «Wir haben unser Ziel erreicht», sagt er.

Verzögerung um ein Jahr

Der Flughafen Bern-Belp nahm gestern keine Stellung. Dafür Bazl-Sprecher Urs Holderegger: Er hält fest, dass das Südanflugverfahren nicht sistiert sei. Der satellitengestützte Anflug sei sicherer als die aktuell praktizierte Methode per Sicht, die Einführung des Verfahrens werde weiterhin angestrebt. Das Bundesamt benötige aber vom Flughafen noch zusätzliche Unterlagen und warte nun darauf. «Dabei geht es insbesondere um Fragen zum Umweltverträglichkeitsbericht», sagt Holderegger. Er bestätigt zudem, dass es mit der für den Südanflug notwendigen Änderung des Luftraums nicht mehr so sehr pressiere. Die Anpassung des Luftraums wurde vor Jahresfrist öffentlich aufgelegt. Jetzt wird sie auf Eis gelegt. «Wir haben die Einführung für das Jahr 2015 zurückgestellt», sagt Holderegger.

Das bedeutet, dass etwa Motor- und Segelflieger, Hängegleiter und Ballons noch mindestens ein zusätzliches Jahr ihre gewohnten Kreise ziehen können. «Wir fliegen weiter, das war unser Ziel», sagt Markoff.

Auf der grünen Wiese

Auf der Website des Hängegleiterverbandes schreibt Markoff zudem: «Das Bazl hat uns vor Weihnachten mitgeteilt, dass das Projekt des Südanflugs in Bern nicht wie geplant umgesetzt, sondern auf grüner Wiese nach neuen Lösungen gesucht wird.» Bei der Lösungssuche würden die Vertreter der Kleinfliegerei frühzeitig miteinbezogen, damit eine für alle tragbare Lösung gefunden werden könne.

Bazl-Sprecher Holderegger spricht von einem Missverständnis. Dabei gehe es nicht um den Südanflug, sondern allein um die Anpassung des Luftraums: «Hier wird nach einer neuen Lösung gesucht.»

Eine neue Lösung

Laut Markoff wird nun geprüft, ob der Südanflug womöglich doch durch einen teilweise unkontrollierten Luftraum erfolgen könne. Das würde bedeuten: Linienflugzeuge würde wie geplant satellitengestützt anfliegen, jedoch wären in gewissen Bereichen bei Sichtflugbedingungen auch nicht kontrollierte Hängegleiter, Segel- und Motorflugzeuge unterwegs. Christian Markoff: «Für uns wäre das eine sehr gute Lösung.»

Berner Zeitung

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