Südanflug sorgt für weiteren Ärger

Belp

Der Flughafen Bern-Belp kritisiert das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Dafür hat er sich im Luftraumstreit mit den Aviatikverbänden geeinigt – wenigstens zum Teil.

Falkenfluh ob Oberdiessbach: Auch die Deltasegler sorgen sich um ihren Luftraum.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Falkenfluh ob Oberdiessbach: Auch die Deltasegler sorgen sich um ihren Luftraum.

(Bild: Patric Spahni)

Der Flughafen Bern-Belp will ein neues Anflugregime einführen, welches instrumentengestützte Anflüge aus südlicher Richtung ermöglicht. Der Flughafen verspricht sich davon mehr Sicherheit und eine tiefere Umweltbelastung. Doch er stiess auf heftigen Widerstand. Wegen der rund 300 Einsprachen von Verbänden, Gemeinden, Organisationen und Privaten wurde die einst auf Anfang dieses Jahres geplante Einführung um mindestens ein Jahr verzögert. Nun dürfte es laut Flughafendirektor Mathias Häberli gar noch länger dauern. «Ich rechne nicht vor Ende 2016 mit der Inbetriebnahme», sagt er.

Die Kritik des Präsidenten

Damit nicht genug: Der Südanflug sorgt beim Flughafen für weiteren Ärger. Dies zeigte sich an der Hauptversammlung der Interessengemeinschaft Berner Luftverkehr am Mittwochabend in Belp. Beat Brechbühl, Verwaltungsratspräsident des Flughafens, kritisierte in einem Referat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) sowie die Flugsicherung Skyguide.

«Ich verstehe nicht, warum sie unseren Vorschlag abgelehnt haben», sagte Brechbühl zu den rund 70 Mitgliedern und Gästen, darunter zahlreiche Politiker sowie Vertreter von Wirtschaft und Behörden.

Darum gehts: Mit dem satellitengestützten Anflug muss der Luftraum südlich von Belp neu definiert werden. Gegen die ersten Pläne liefen Aviatikverbände Sturm. Sie fürchten, dass sie ihre Tätigkeiten wie Deltasegeln oder Segelfliegen wegen des neuen Anflugregimes nicht mehr wie bisher ausüben können.

Deshalb habe der Flughafen zusammen mit den Verbänden einen neuen Vorschlag ausgearbeitet, sagt Häberli. Doch im Rahmen der Anhörung zum Luftraum sei diese Lösung vom Bazl und von der Skyguide nicht berücksichtigt worden. Damit lasse sich Brechbühls Ärger erklären. Das Bazl nahm nicht Stellung.

Aeroclub teilweise zufrieden

Laut Häberli sieht die getroffene Luftraumlösung im Grundsatz so aus: Der Luftraum in der Region Thun soll in eine südliche und eine nördliche Hälfte aufgeteilt werden. Bei einem Anflug auf Bern-Belp würde jeweils die eine Hälfte für den Anflug aktiviert – je nachdem ob eine Maschine von Süden oder Norden her anfliegt, bevor sie via Aaretal in Belp landet. Die andere Hälfte müsste dagegen nicht blockiert werden und könnte von der Kleinfliegerei benutzt werden. «Zudem möchten wir den Luftraum zeitlich flexibel bewirtschaften», sagt der Flughafendirektor.

Laut dem Berner Aeroclub hat sich die Situation aber nur zum Teil entschärft. «Es stimmt, dass wir am runden Tisch eine Lösung gefunden haben», sagt Präsident Peter Dürig. «Wir haben uns jedoch lediglich punkto Aufteilung des Luftraums geeinigt.» Bezüglich Bewirtschaftung des Luftraums gebe es mit dem Flughafen noch immer Differenzen. «Da sind wir noch nicht zufrieden.» Gegen den satellitengestützten Anflug an sich habe der Aeroclub nichts einzuwenden.

Dieses Jahr passiert nichts

Klar ist, dass die Anpassung des Luftraums für dieses Jahr zurückgestellt wurde. Womit auch Zeit dafür bliebe, die Unklarheiten zu beseitigen. Flughafendirektor Häberli geht davon aus, dass der Vorschlag später noch berücksichtigt wird – im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens für das satellitengestützte Anflugverfahren. Er betont, dass der Flughafen am eingereichten Anflugverfahren festhalte. Weitere Verzögerungen will er jetzt verhindern. «Wir sind bestrebt, uns mit dem Aeroclub anlässlich der Einspracheverhandlungen zu einigen.» Ansonsten werde dieser an die nächste Instanz gelangen, was wiederum Zeit koste.

Berner Zeitung

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