Streit um Egelsee-Bar geht weiter

Bern

Der frühere Entsorgungshof am Egelsee soll im Sommer wieder zu einem Gastrobetrieb werden. Der Regierungsstatthalter hat eine Bewilligung für fünf Jahre erteilt. Anwohner wehren sich weiterhin dagegen.

Für die Bar au Lac am Egelsee. geht es nach einem Jahr Pause wieder weiter

Für die Bar au Lac am Egelsee. geht es nach einem Jahr Pause wieder weiter

(Bild: Enrique Muñoz García)

Markus Ehinger@ehiBE

Ausgehmöglichkeiten gibt es im Gebiet des Egelsees nur sehr begrenzt. Umso beliebter war vor zwei Jahren die dortige temporäre Bar au Lac. «Viele Quartierbewohner haben den Stadtgarten am Egelsee besucht. Und wir haben Tausende glückliche Gesichter gesehen – Familien mit Babys und Kindern, junge Erwachsene und auch ältere Semester», schrieben die Betreiber des Gastrolokals im ehemaligen Entsorgungshof zum Abschluss der dreimonatigen Zwischennutzung.

Im letzten Jahr herrschte wieder Ruhe und Leere am Egelsee. Regierungsstatthalter Christoph Lerch (SP) erteilte zwar eine Bewilligung für die Bar, wurde aber von Volkswirtschafts­direktor Christoph Ammann (SP) zurückgepfiffen. Ammann hiess die Beschwerde von einigen Anwohnern und vom Angel­fischerverein gut.

Kein Take-away erlaubt

Nun kommt wieder Bewegung in die Sache. Stadtgrün Bern stellte beim Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland ein Baugesuch um Umnutzung des früheren Entsorgungshofes in eine Kaffeebar mit einer Aussenbewirtungsfläche, befristet auf fünf Jahre. Den Betrieb soll die Betreiberin der Caffé-Bar Sattler führen. Gegen das Baugesuch gingen Einsprachen ein, unter anderem von Anwohnern.

Christoph Lerch hat die Einsprachen geprüft und nun die Baubewilligung für einen Gastgewerbebetrieb mit 24 Aussenbewirtungsplätzen auf fünf Jahre befristet erteilt. Gemäss Auflage darf kein Take-away Betrieb geführt werden, teilte der Regierungsstatthalter am Mittwoch mit. Damit soll die Anzahl Besucherinnen und Besucher auf die bewilligte Anzahl Sitzplätze begrenzt werden. Mit dieser Massnahme erachtet Lerch die befürchteten Immissionen als nicht übermässig und die beantragten Öffnungszeiten der Aussenfläche bis 23 Uhr als vertretbar.

«Unseriöser Entscheid»

Postwendend reagierte am Mittwoch die IG Egelsee, die sich gegen die Bar wehrt. «Wir befürchten, dass die erteilte Ausnahmebewilligung von Regierungsstatthalter Lerch wie bereits beim letzten Entscheid mehr politisch als rechtlich begründet ist», heisst es in einer Mitteilung. Sein Entscheid fusse auf einer geplanten städtischen Zonenplanänderung, die gegenwärtig vom Kanton noch überprüft werde. «Einen Entscheid auf der Rechtsgrundlage von ‹eventuell kommenden Recht› zu fällen, ist unseres Erachtens schlicht unseriös», schreibt die Interessengemeinschaft.

«Kein politischer Entscheid»

Dem widerspricht der Regierungsstatthalter. «Das stimmt nicht. Das ist kein politischer, sondern ein rechtlich abgestützter Entscheid», sagt Lerch. Er räumt ein, dass es sich bei der Bar um eine «zonenfremde Nutzung» handelt. «Es ist uns auch klar, dass, Stand heute, die Zonenplanänderung noch nicht erfolgt ist, deshalb wurde die Bewilligung auf fünf Jahre befristet erteilt.»

Die Volksabstimmung über die Zonenplanänderung für das Gebiet Egelsee-Wyssloch findet voraussichtlich Ende 2020 statt.

Weiterzug des Entscheids

Eine der Einsprecherinnen ist Yvonne Prieur. Sie werde den Entscheid nun genau analysieren, sagt sie. Sollte er tatsächlich politisch statt rechtlich getroffen worden sein, werde dies kurz- und mittelfristig dem Ruf des Regierungsstatthalteramtes als unabhängige Entscheidbehörde schaden. Geht es nach Yvonne Prieur, wird es in diesem Sommer am Egelsee keine Bar geben. «Momentan gehe ich davon aus, dass ich den Entscheid an die nächste Instanz zur Überprüfung weiterziehen werde», sagt sie.

Berner Zeitung

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