Stollen teurer als erwartet

Lyss

Nun sind die Kosten für den Lysser Hochwasserschutz bekannt: Mit 51,2 Millionen Franken ist das Projekt teurer als angenommen. Den Löwenanteil übernehmen Bund und Kanton. Für die Gemeinden wirds nicht teurer.

Der Stollen, der Lyss dereinst vor Hochwasser schützen soll, kostet 51,2 Millionen Franken. Diesen Kredit unterbreitet die Kantonsregierung dem Grossen Rat im Januar zur Bewilligung. Damit ist das Bauprojekt teurer als ursprünglich angenommen. Anfang Jahr wurden die Kosten auf 40 Millionen Franken geschätzt. Dass das Projekt nun 11,2 Millionen Franken teurer sein soll, komme nicht überraschend, sagt Projektleiter Jörg Bucher vom kantonalen Tiefbauamt. Die ursprüngliche Schätzung habe lediglich den Bau des Stollens berücksichtigt. «Die 51,2 Millionen Franken beinhalten jedoch sämtliche Bauarbeiten, Nebenkosten sowie die Kosten für den nötigen Landerwerb.» Auch seien Reserven eingeplant, damit bei Komplikationen kein Nachkredit beantragt werden müsse. Teurer sei das Projekt nicht zuletzt deshalb, weil sich das Bauen untertags in den letzten Jahren massiv verteuert habe.

Verband zahlt nicht mehr

Für den Lyssbachverband bleibt der Kostenanteil im Rahmen der bisherigen Schätzungen. Die gute Nachricht für die sechs Verbandsgemeinden Busswil, Grossaffoltern, Lyss, Rapperswil, Schüpfen und Seedorf: Der Löwenanteil der Kosten ist durch Subventionen abgedeckt. Der Kanton übernimmt 17,77 Millionen Franken, der Bund voraussichtlich 22,45 Millionen Franken. Bei den Bundessubventionen seien noch kleine Abweichungen von maximal 2 Prozent möglich, erklärt Bucher. Damit bleiben 12,08 Millionen Franken für den Lyssbachverband. Diesen Betrag berappen die Gemeinden nach einem festgelegten Verteilschlüssel.

Ebendies war bis heute für die Gemeinde Schüpfen Stein des Anstosses. Der Anteil der Gemeinde sei mit 23 Prozent zu hoch, monierte die Schüpfener Exekutive. Störend war für den Gemeinderat auch, dass die Projektkosten bis heute nicht feststanden. Noch im Sommer gab sich die Gemeinde zurückhaltend, als der Verband beschloss, den Verbandsanteil über eine Sonderfinanzierung zu regeln. Voraussetzung dafür war, dass alle sechs Gemeindeexekutiven einverstanden sind, ihren Kostenanteil der Bevölkerung vorzulegen (wir haben berichtet). Falls sich die sechs Gemeinden einigen, will Lyss mit einem Vorabbeitrag in Millionenhöhe die Verbandskosten reduzieren. Die einzelnen Gemeinden müssten also weniger zahlen. Zusätzlich setzt der Kanton Druck auf: Kommt bis Ende des Jahres keine Regelung zu Stande, nimmt der Kanton die Realisierung des Stollens an die Hand und verfügt den Kostenteiler.

Mittlerweile ist Schüpfen mit im Boot: Wie Gemeindepräsident Ueli Hunziker (SVP) gestern bestätigte, hat der Schüpfener Gemeinderat in seiner Sitzung vom Mittwoch entschieden, dass er der Bevölkerung den Gemeindeanteil unterbreitet. Die Urnenabstimmung findet voraussichtlich am 2.Februar 2009 statt.

Ball bei der Bevölkerung

Bereits entschieden haben die Gemeinderäte von Grossaffoltern, Busswil und Rapperswil: Ende dieses oder zu Beginn des nächsten Jahres befinden dort die Gemeindeversammlungen über das Geschäft. In Seedorf soll über die Vorlage im Februar an der Urne entschieden werden – sofern der Gemeinderat dem Geschäft gestern Abend zugestimmt hat. Auch die Lysser stimmen im Februar über die Kostenbeteiligung ab – vorausgesetzt, der GGR sagt Anfang Dezember Ja zum Geschäft.

Berner Zeitung

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