Statt Rüebli gibt es Medaillen für die Besten

Bern

Attraktion im Berner Bärengraben. Trialfahrer locken das Publikum in Scharen zur alten Sehenswürdigkeit. Und irgendwie werden Erinnerungen wach.

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Jubel brandet auf. Begeistert klatschen Gross und Klein und gebannt schauen sie dem Treiben im Bärengraben zu. In drei Reihen stehen die Besucher rund um die Arena und als Ur-Berner fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Aber: Es räkelt sich nicht Urs im Bärengraben, und es ist auch nicht Berna, die sich die Sonne auf den dicken Braunbärenpelz scheinen lässt.

Andrei Burton und sein Trial-Bike stehen vor Sektion 3. Mit dem Zweirad soll der Brite vom sicheren Boden auf kunstvoll aufgeschichtete Baumstämme hüpfen. Etwas, was zu Fuss und ohne Velo eine Herausforderung darstellt. Bis der Brite Anlauf nimmt, hat es noch kein Fahrer anlässlich der Trial-EM geschafft, mit den 26-Zoll-Rädern dieses Hindernis zu bewältigen.

Burton scheitert drei Mal, bleibt aber auf dem Rad. Der vierte Anlauf soll es bringen. Burton, Spitzensportler und Showman, fordert die Zuschauer auf, ihm Applaus zu spenden. Die braven Bernerinnen und Berner tun, wie ihnen geheissen. Ohne Erfolg. Aller Zuspruch von den vielen hundert Zuschauenden hilft nicht, auch der Mann von der Insel scheitert im Bärengraben an der ihm gestellten Aufgabe.

Europas beste Fahrradartisten beissen sich dort, wo in der Vergangenheit Urs und Berna mit ihren Tänzen ‑ oder einfach auf dem Rücken liegend und in gelebter Faulheit ‑ Rüebli, Kiwi oder Äpfel erbettelt hatten, die Zähne aus. Streckenbauer Stefan Moor und sein Team haben der Trial-Elite im tiefer gelegten Rund eine Aufgabe präsentiert, die kaum zu bewältigen ist.

Der Stimmung am Finaltag der Trial-EM tut das reihenweise Scheitern der Könner keinen Abbruch. Die Mischung zwischen Sport und Unterhaltung stimmt, die Fahrer leben im Bärengraben und am Klösterlistutz Körper- und Fahrzeugbeherrschung sowie ihr Talent zur Show nach Kräften aus. Und Bern hat für ein paar Stunden seine Attraktion, den Bärengraben wieder. Die früheren Bärenwärter Rudolf Grossenbacher und Emil Hänni würden ebenso staunen, was da in ihrem ehemaligen Reich abgeht, wie es die vielen hundert Bernerinnen, Berner und Touristen an diesem Juni-Tag auch tun.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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