Stammtischgepolter plus Poesie gleich «Bierglaslyrik»

Bern

Wenn drei Männer ein Hobby suchen, entsteht «Bierglaslyrik». Reto Boschung, Michael Bucher und Oliver Käsermann aus Bern geben seit einem Jahr eine Zeitschrift zum Mitschreiben heraus. Im Juni erscheint die nächste «Bierglaslyrik» unter dem Titel «Tabu».

Drei Männer, drei Biergläser und etwas Poesie: Oliver Käsermann, Reto Boschung und Michael Bucher (v.l.) geben die Zeitschrift «Bierglaslyrik» heraus.

Drei Männer, drei Biergläser und etwas Poesie: Oliver Käsermann, Reto Boschung und Michael Bucher (v.l.) geben die Zeitschrift «Bierglaslyrik» heraus.

(Bild: Beat Mathys)

Man nehme: drei Freunde, alle mit einem Flair für die Sprache, Hopfen und Malz. Es entsteht: «Bierglaslyrik». Drei junge Berner, leidenschaftliche Biertrinker, gründeten vor einem Jahr die Zeitschrift zum Mitschreiben. «Bierglaslyrik» verbindet Stammtischgepolter mit Poesie. Vor kurzem veröffentlichten Reto Boschung (28), Oliver Käsermann (31) und Michael Bucher (29) die siebte Ausgabe unter dem Thema «Amerika».

Entstanden ist die Idee einer eigenen Zeitschrift – natürlich – bei einem Bier am Küchentisch in einer Berner Wohngemeinschaft. «Wir waren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung», erzählt Käsermann. Boschung ergänzt mit einem Augenzwinkern, eine Band zu gründen oder eine Bar zu eröffnen, sei auch zur Debatte gestanden. Aber die Liebe zur Sprache setzte sich durch. «Wir haben alle drei eine Schwäche für Stammtischgespräche», erzählt Bucher, der als Redaktor bei der Berner Zeitung arbeitet. Der Ablauf bei Stammtischgesprächen entspreche dem Konzept von «Bierglaslyrik»: «Es fällt ein Thema, und jeder sagt frei von der Leber weg, was er darüber denkt.» So publizieren die drei jeweils in der alten Ausgabe das Schlagwort für die nächste. Alle sind eingeladen, ihre Kolumnen, Essays, Geschichten oder Gedichte einzusenden. «Je abstrakter das Thema ist, desto weniger Texte erhalten wir», sagt Boschung. Zu den Themen «Pärchenabend» und «Füdlibürger» wurden bisher die meisten Texte eingesandt. Wer sich hinter den Texten verbirgt, wissen die drei selten. «Aber die Einsendungen stammen teilweise sogar aus Österreich und Deutschland», sagt Bucher.

Für alle sieben Ausgaben hatten Boschung, Bucher und Käsermann die Qual der Wahl, Texte erhielten sie immer mehr als genug. Deshalb verläuft die Aussortierung der Texte nach einem Punktesystem. Boschung mag bitterböse Texte, Bucher hat es gern kolumnenhaft und satirisch, während Käsermann am liebsten der Kunst der Lyrik frönt.

Bier spielte nicht nur bei der Namensgebung eine grosse Rolle. Jeder Autor gibt am Ende seines Textes seine Lieblingsbiersorte an. Kommt die Ernsthaftigkeit bei allen Spässchen nicht etwas zu kurz? Das verneinen die drei vehement. «Satirische Texte können sich durchaus auch mit sehr ernsten Themen befassen», sagt Käsermann. «Bierglaslyrik» finanziert sich mittels Gönnerbeiträgen und dank Abonnenten. Derzeit drucken die drei Redaktoren eine Auflage von 150 Stück, 55 davon werden an Abonnenten geschickt, die restlichen liegen in Beizen auf. Online kann «Bierglaslyrik» gratis heruntergeladen werden. Keiner verdient etwas an der Zeitschrift. «Das ist nicht unser Ziel», sagt Käsermann, der an der Universität Bern Germanistik studiert. Vorläufig sei «Bierglaslyrik» nach wie vor «nur» ein Hobby, wenn auch ein zeitaufwendiges.

Berner Zeitung

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