Stadtrat versenkt den neuen Aare-Einstieg

Bern

Der Berner Stadtrat will keinen neuen Aareeinstieg unterhalb des Schönaustegs für fast eine halbe Million Franken. Der Steg erhöhe die Sicherheit nicht, so der Grundtenor.

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Selten ist sich der Berner Stadtrat über alle Parteigrenzen hinweg derart einig wie gestern Abend: Die grosse Mehrheit findet eine knappe halbe Million Franken für einen neuen Aareeinstieg unterhalb des Schönaustegs viel zu teuer. Nicht einmal die Rückweisungsanträge der Freisinnigen beziehungsweise der Fraktion BDP/CVP waren mehr nötig, um den vom Gemeinderat beantragten Baukredit von 440'000 Franken zu versenken.

Mit 58 zu 7 Stimmen (bei 9 Enthaltungen) sprach sich das Stadtparlament grundsätzlich gegen den Bau eines neuen Aareeinstiegs aus. Die Kritik von rechts bis links am Projekt war die gleiche: Die Kosten seien unverhältnismässig, der Nutzen an einem kleinen Ort.

Sicherheit wird nicht grösser

«Wir bezahlen fast eine halbe Million Franken, um etwas zu verhindern, was nach dem Bau des Stegs noch immer passieren kann», sagte beispielsweise Stéphanie Penher für die Fraktion GB/JA.

Sie sprach damit den Unfall an, der die ganze Planung beim Schönausteg ins Rollen gebracht hatte. Ein Junge war im Sommer 2012 unter dem Steg hindurch geschwommen, ein Brückenspringer landete auf seinem Rücken und verletzte den jungen Schwimmer ernsthaft.

Ein solcher Unfall könnte auch dann noch geschehen, wenn es unterhalb des Schönauerli eine neue Aaretreppe gäbe, fand eine Mehrheit der Stadtratsmitglieder. Denn: Der bekannte und beliebte Einstieg oberhalb des Stegs bliebe ja bestehen. «An einem heissen Sommertag kommen zudem die meisten Schwimmer und Böötler von weiter aareaufwärts – steigen also zum Beispiel im Eichholz in den Fluss», gab Alexander Feuz (SVP) zu bedenken.

Eigenverantwortung stärken

Eigenverantwortung wurde in der Debatte oft genannt. Die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) betonte, der neue Einstieg diene eben dem Zweck, dass die Schwimmer ihre Eigenverantwortung wahrnehmen könnten. Dies könnten die Wassersportler schon heute, lautete aber die Hauptkritik der Projektgegner. Es gebe ja unterhalb des Stegs Einstiegsmöglichkeiten.

Die schlechte Koordination der städtischen Planer kritisierte Bernhard Eicher (FDP). Offenbar plant der Wasserverbund Region Bern, beim heutigen Aareeinstieg oberhalb des Stegs Duschen zu bauen. Die Stadt wollte die neue Aaretreppe einige Meter flussabwärts ebenfalls mit einer Dusche ergänzen. «Das wäre wohl die höchste Duschedichte entlang der Aare», witzelte Eicher. Doch auch die Dusche ist mit dem Nein zum Projekt baden gegangen.

Berner Zeitung

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