Stadtberner fürchten die Schattenseiten des Hochhauses

Ostermundigen

Für das geplante Hochhaus auf dem Bärenareal in Ostermundigen beginnt die entscheidende Phase. Ab Mittwoch liegt die Überbauungsordnung öffentlich auf. Widerstand zeichnet sich über die Gemeindegrenzen hinaus ab.

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Markus Zahno

Im Prinzip geht es einfach um eine Zahl. Aber um eine bedeutende. Auf dem Ostermundiger Bärenareal sind heute höchstens 3-geschossige Häuser erlaubt. Nun soll die rechtliche Grundlage für ein 33-stöckiges Haus geschaffen werden. Die Überbauungsordnung für das 100-Meter-Hochhaus liegt ab morgen Mittwoch bis zum 27. März öffentlich auf. Erstmals sind nun Einsprachen möglich.

Wenig Freude an den Plänen hat man im nahe gelegenen Burgfeldquartier. Dieses besteht aus kleineren Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern, in letzter Zeit sind viele junge Familien zugezogen. «Verdichtetes Bauen stösst hier auf Akzeptanz», sagt Melchior Dodel, Präsident des Quartiervereins.

Auch sei man sich bewusst, dass sich das Gebiet um den Bahnhof Ostermundigen grundsätzlich für ein Hochhaus eigne. «Aber die Dimensionen des Hauses sind enorm.» Es sei zu gross, zu klobig. Um zu zeigen, wie es aussehen würde, hat der Quartierverein von der Projektentwicklerin Modellbilder anfertigen lassen und diese auf seiner Website aufgeschaltet.

Der Einsprache-Irrtum

Der Quartierverein möchte, dass das Hochhaus auf dem Bärenareal nicht höher wird als das Swisscom-Hochhaus an der Ostermundigenstrasse. Dieses misst gut 70 Meter. «Viel werden wir aber vermutlich nicht ausrichten können», sagt Melchior Dodel. Denn das Burgfeldquartier liegt auf Stadtberner Boden, über die Überbauungsordnung (ÜO) Bärenareal dagegen entscheidet die Gemeinde Ostermundigen.

Deshalb ging Mundigens Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) bis vor kurzem davon aus, dass Leute ausserhalb der Gemeindegrenze bei der ÜO nicht einspracheberechtigt seien. Doch das ist ein Trugschluss: Gemeindegrenzen sind bei einer ÜO kein Ausschlusskriterium. «Alle, die betroffen sind, sind einspracheberechtigt», sagt Rolf Mühlemann, Jurist beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung.

Das Burgfeld wäre vom Hochhaus betroffen, das steht für Melchior Dodel ausser Frage. «Für viele Ostermundigerinnen und Ostermundiger hätte das Hochhaus kaum Nachteile, schliesslich würde es am Rand ihrer Gemeinde stehen», sagt der Präsident des Quartiervereins. «Wir dagegen würden die Hauptlast tragen.» Was den Schattenwurf, aber auch was die Beeinträchtigung des Ortsbildes anbelange.

Bahnhof im Schatten

Gemeindepräsident Iten nimmt das Schattendiagramm zur Hand. «Das Hochhaus würde nur wenige Quadratmeter über die Gemeindegrenze hinaus Schatten werfen», erklärt er. Auch auf Ostermundiger Boden seien wenige Liegenschaften vom Schatten betroffen. Der grössere Teil des Schattens falle je nach Tages- und Jahreszeit in Richtung Bahnhof. Ebenso wenig sei im Burgfeld eine Verkehrszunahme zu erwarten, so Iten. Der Verkehr erfolge wie bisher über die Bernstrasse und den Schermenweg.

Die Halter AG als Projektentwicklerin geht davon aus, dass die Bauarbeiten «frühestens 2017» beginnen. Nach der öffentlichen Auflage der ÜO werden im Frühling Einspracheverhandlungen und allenfalls Projektanpassungen folgen. Später werden das Ostermundiger Parlament und voraussichtlich auch das Stimmvolk über die ÜO abstimmen können. Sobald diese rechtskräftig ist, kann die Halter AG das Baugesuch einreichen. Dieses wird erneut öffentlich aufgelegt – Einsprachen sind auch dann wieder möglich.

Berner Zeitung

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