Stadt will «Tanz dich frei»-Umzug nicht unterbinden

Die Stadt Bern hat entschieden, den für Ende Mai geplanten «Tanz dich frei»-Umzug nicht zu verhindern. Die Behörden haben jedoch erhebliche Sicherheitsbedenken und raten von einer Teilnahme ab.

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Thomas Hagspihl

Im Internet und in sozialen Medien wie Facebook wird für Ende Mai zu einer weiteren Ausgabe der «Tanz dich frei»-Veranstaltung aufgerufen. Die Stadt Bern sehe sich mit Blick auf den 25. Mai mit einer äusserst schwierigen Situation konfrontiert, wie der Berner Gemeinderat und die Kantonspolizei Bern in einem gemeinsamen Communiqué mitteilen.

Je nach Witterung könne sich das «Tanz dich frei» zu einer Massenveranstaltung ausweiten. Der Gemeinderat bedauere, dass es trotz intensiver Bemühungen bislang nicht möglich war, mit den Verantwortlichen in Kontakt zu treten. Das Verhalten der anonymen Organisatoren sei in Anbetracht der Risiken in der Innenstadt unverantwortlich, heisst es in der Mitteilung weiter. Ohne Ansprechperson lasse sich die Sicherheit des Anlasses nicht verlässlich gewährleisten.

Erhebliche Risiken in der Innenstadt

Unter der Koordination der Kantonspolizei Bern sowie unter Einbezug einer externen, auf die Analyse von Grossanlässen spezialisierten Firma, haben die Berner Blaulichtorganisationen eine umfassende Lagebeurteilung zuhanden des Gemeinderates vorgenommen. Aus heutiger Sicht werde damit gerechnet, dass die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden ausgelassen, aber friedlich tanzen und feiern will. Dennoch könnten sich zahlreiche Schwierigkeiten ergeben, wie die Analyse zeigte.

Bei den zu erwartenden Personenzahlen seien im Bereich des Bären- und des Bundesplatzes in Bezug auf die Fluchtwege erhebliche Risiken gegeben. Sollten die Menschen evakuiert werden müssen, bestünden auf Grund der Baustellensituation zu wenige Fluchtmöglichkeiten. So seien etwa die Lauben in der Markt- und Spitalgasse sowie die provisorischen Baustellen-Überführungen Nadelöhre, die grosse Risiken bei unkontrollierten, massiven Personenbewegungen darstellen würden.

Weiter würden die Baustellen und der geplante Umzug dazu führen, dass die Innenstadt in dieser Nacht quasi geteilt und ein Durchkommen für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und Sanität praktisch unmöglich sei.

Behörden raten von Teilnahme ab

Ausgehend von der heutigen Situation habe sich aber gezeigt, dass sich die geplante Veranstaltung auf Grund der rechtlichen Rahmenbedingungen und mit Blick auf die gebotene Verhältnismässigkeit nicht unterbinden lässt. Das Risiko einer Eskalation sei gerade vor dem Hintergrund der zahlreich Teilnehmenden zu gross. Der Gemeinderat habe deshalb entschieden, den Umzug nicht zu verhindern. Die Behörden raten aber von einer Teilnahme ab.

Um die Sicherheit der Teilnehmenden und unbeteiligter Dritter so gut als möglich zu gewährleisten, seien in Absprache mit der Kantonspolizei und den städtischen Rettungsdiensten, verschiedene Massnahmen beschlossen worden. So sollen unter anderem die Schüttestrasse und auch die Achse Kochergasse/Bundesgasse für Rettungsfahrzeuge freigehalten werden. Sanität, Feuerwehr und Polizei werden zudem auf beiden Seiten der Innenstadt temporäre Stützpunkte errichten.

Überführung von Freitag bis Sonntag nicht begehbar

Die Veranstaltung habe massive Auswirkungen auf die Grossbaustellen in der Innenstadt. Aus Sicherheitsgründen werden die Bauarbeiten unterbrochen. «Regulär wäre in der Spital- und Marktgasse am Freitag und Samstag gearbeitet worden», erklärt Stadtingenieur Hans-Peter Wyss auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnetz. «Wir werden die Bauarbeiten aber ab Freitagabend stoppen.» Die Überführung der Baustelle zwischen Bären- und Waisenhausplatz soll teilweise demontiert werden. «Von Freitagabend bis einschliesslich Sonntag wird die Überführung nicht begehbar sein», so Wyss. Wann genau sie wieder geöffnet werden kann, sei noch nicht klar. Dies komme ganz auf Situation an, die am Sonntag nach der Veranstaltung vorgefunden wird.

Die Baustelle beim Bollwerk soll zusätzlich gesichert werden. «Wir werden sämtliche Bauzäune und Absperrungen entfernen. Die Gräben werden entweder zugeschüttet oder mit Stahlplatten abgedeckt. Im Grunde wird nicht mehr viel von der Baustelle zu sehen sein», führt Wyss die Massnahmen aus.

Im Nachgang seien insbesondere in der Marktgasse Sonntags- und Nachtarbeiten nötig, um den Rückstand auf den Bauplan aufzuholen. Mit diesen zusätzlichen Massnahmen seien erhebliche Mehrkosten im sechsstelligen Bereich verbunden, schreibt der Gemeinderat in seiner Mitteilung. Genauere Kosten wollen die Behörden vorerst nicht nennen.

Vor rund einem Jahr hatte in der Stadt Bern eine «Tanz-dich-frei«-Kundgebung mit über 10'000 Teilnehmenden stattgefunden. Sie verlief ohne grössere Zwischenfälle. Der Anlass ist eine Mischung aus Strassenfest und Demonstration gegen Einschränkungen im Nachtleben.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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